Kofmehl Solothurn

Ein buntes Kleinkunst-Bouquet zum Kofmehl-Jubiläum

«Chlikunscht heisst nid ‹echli Kunscht›», verdeutlichte Marco Lupi, der am Montagabend einen Anlass zum 20-jährigen Kofmehl-Jubiläum moderierte. Aufgetreten sind Ruedi Stuber, Reto Stampfli, Dülü Dubach, Peter Bichsel und Roland Heim.

Es war die Ehrerbietung für eine Programmsparte, die schon zu Anbeginn der Kulturfabrik ihren Platz innehatte – der allererste Anlass war ein Theater. Mehrere Exponenten aus Stadt und Region kamen hier zu Wort und Klang.

Die Bühne wurde von fünf ehemaligen und aktiven Lehrern dominiert – mit Ausnahme von «Quoten-Nichtlehrer» Lupi. Als erster Ruedi Stuber, der die Feststellung kundtat, dass sich beim Lehrer heute alles um Qualitätsmanagement drehe:

«Früher hatte er noch mit Kindern zu tun.» Dann beschwor er singend und mit Gitarre den Duft alter Spiritusdrucker herauf und den Hauch an Zederngeruch, der von Bleistiftspitz-Maschinen ausging. Kurzum: ein musikalischer Inventarbericht früherer Schulzimmer. Durchgehend versprühte er den Charme der Berner Chansonniers, die sich ihre Inspiration bei Liedermacher Georges Brassens geholt hatten.

50 Wörter für «Nebel»

Bei Kantilehrer und Autor Reto Stampfli wird der Pädagoge zum «Potenzialentfaltungscoach». Weiter sinnieren in seinen Ausführungen die Lehrer über angeblich 50 verschiedene Worte, die Eskimos für «Schnee» haben sollen.

Stampfli schlug vor, dasselbe für den hiesigen Nebel einzuführen, um der «grauen Wand» mit Sprachwitz zu begegnen. Ausserdem nahm er auf eine Gedankenreise in eine Welt mit , in der plötzlich die Schwerkraft ausfällt. Eine Liebeserklärung ans Kofmehl bildete dann den Abschluss seines Auftritts.

Dülü Dubach manövrierte die Ansicht, Männer seien zu Multitasking nicht imstande, ins Reich der Mythen: Mit Akkordeon, Gesang sowie Perkussion sorgte er als One-Man-Band für kraftvolle musikalische Farbtupfer.

In «I bi müed» brachte der «Vulkan des Wasseramts» seine Wut gegen Unrecht und globale Missstände zum Ausdruck. Und da nur die Basstrommel hie und da einen «Tschutt» abbekam, blieb beim Publikum zuguterletzt das positive Bild des gutherzigen Kämpfers hängen.

Auch Bern liegt am Meer

Peter Bichsel blickte zurück auf seine Schulzeit, auf seine Bürde mit Französisch und seiner dennoch (oder deshalb) herzlichen Beziehung zu seinem Französischlehrer. Dann erläuterte er, warum er einen Amerikaner nicht von seiner fälschlichen Meinung abbrachte, Bern hätte einen Meereshafen.

Den Abend rundete Kantonsrat Roland Heim ab, der hier vor vier Jahren sein Comeback als Liedermacher feierte. Unterstützt von Sohn Christoph sinnierte er singend und spielend über die Ideenkrisen von Kolumnenschreibern, über Kantonsrats-Protokolle und über den Waffenmissbrauch des Wilhelm Tell.(ak)

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