Närrinnen und Narren, die sich gestern in der Früh die Augen rieben und zum Fenster hinausschauten, wurde das Aufstehen leicht gemacht: Ein blauer Himmel wölbte sich über der sich seit drei Tagen im Fasnachtsfieber befindenden Stadt. In Schwärmen machten sich die Leute auf den Weg in die Stadt. Auf dem Amthausplatz standen prächtige Umzugswagen bereit für das Highlight der diesjährigen Fasnacht, flankiert von unzähligen Kostümierten, die seit Monaten ihrer Kreativität freien Lauf gelassen hatten. Guggemusigen formierten sich, und in den nahen Beizen trank man sich bei einem letzten Glas Bier oder Wein Mut an.

Ein bisschen Südsee fürs Publikum

Punkt 14.31 Uhr war es dann so weit. Nach dem ersehnten Böllerschuss marschierte der Tambourenverein durchs Bieltor. In nachtschwarzen, mit goldgelben Sternen übersäten Kostümen nahmen sie ein Sujet auf, das vor allem die Solothurner Jugend zurzeit beschäftigt: der frühe Partyschluss. Gespannt richtete wenige Augenblicke später die Vorhut der jubilierenden Vorstadt-Fasnachtszunft den Blick auf den westlichen Stadteingang. Ob es der prächtige Wagen der Waikikianer wohl schafft, unversehrt durchs Tor zu kommen? Ein bisschen Südsee tat der bunten Menschenmenge am Strassenrand gut, die sich wegen der kalten Bise doch hie und da die Hände reiben musste. Für Kontrast sorgten die in Schweinchen verwandelten Söidorblambbers, gefolgt von der Narrenzunft Honolulu, die nach einigem Angstschweiss ihre 35 Meter lange, prächtige griechische Galeere ebenfalls sicher durchs Tor lenkte. Nur die aus dem kulturlosen Grenchen zurückgeführte Berta verlor kurzfristig ihren Kopf. Mächtig heizten danach die Konfettistampfer in Grossformation ein, gefolgt von den Muttiturmbissern, die den Kinoknüller «Avatar» nachahmten.

«Wolf gang» hiess es bei den Blooser Stadtmusikanten, die als Wölfe einen ganzen Tannenwald mit sich schleppten. Berge von Unrat führten die Altstadt-Rueche mit sich, mit dem Ziel, etwas zum städtischen Littering beizutragen. Das diesjährige Sujet «sch warm» nahmen die Risnagu auf und belebten die Gassen und Strassen als reizvolle Seerosen und Sommerkäfer. Gespenstig wurde es, als die Herregäägger vorbeizogen, im Schlepptau die 11i-Schränzer in ihren gelb-blauen asiatisch anmutenden Kostümen. Das neue Abfallgesetz war auch Thema bei der Tannewäg-Zunft, wie der umgekippte Abfallkübel auf dem Wagen der Weststädter sichtbar machte. Mit Applaus belohnte das Publikum den farbigen Auftritt der Ambassadonner Guggemusig, die als Insektenschwarm auftrat und nebst dem fasnächtlichen Sound auch mit schönen Kostümen auf sich aufmerksam machte. Schwer zu erraten war das Sujet der Glungge-Hüpfer, während die ihnen folgenden Schanzennarren, mit russischem Ambiente samt Wodkaflasche und Eisbär auftraten. «Uns schwebte schon lange ein Wagen mit russischen Zwiebeltürmchen vor», begründeten die «Schanzenzare» ihre Sujetwahl.

Nur im Schwarm – besser gesagt als Federvieh – zu haben, waren dieses Mal auch die Chrumm-Durm-Sumpf-Chroniker. Und da sich «Schwarm» so prächtig auf «Warm» reimt, hüpften auch die Grashüpfer als Sternschnuppen im Schwarm über das Pflaster, gefolgt von den Wybeeri und der als Globi verkleideten Jungen Garde des Tambourenvereins – im Schwarm selbstverständlich. Diesen Reigen schloss schliesslich der am Donnerstag prämierte Narrennachwuchs ab – bunt gemischt und fürs Publikum eine wahre Augenweide.

Flügel flatterten im Wind

Weiter ging es mit den Aarejättern als rockende Samurai und den Stedtli-Gumsle als Schwingerinnen – gefolgt von einem Schwarm Sümgaggophonikern, die das Privileg hatten, sich zeitweise in einem mitgeführten Sofa auszuruhen. Für eher düstere Minen sorgte der Trauerzug der rabenschwarz gekleideten Wüude mit schwarzem Sarg und ebenso schwarzer Kutsche. Zum Glück waren bei den Kladeredätsch als solothurnische Nachtschwärmer und Discobesucher nur die Flügel schwarz, die hübsch in der Bise flatterten. Nicht für alle verständlich war das Sujet der Guggetschi, während die Sans-Gêne-Zunft keinen Zweifel offen liess, dass sie ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert, in ihrer Feier unterstützt von den ihnen auf den Fersen folgenden Guggeschränzern in bester Fasnachtslaune.

Dass die Wasserstadt bis auf Weiteres eine Illusion bleibt, bekundeten die ganz in rosa gekleideten Ratten der Weschtstadt-Zunft, die deutlich machten, dass sie ihr Territorium nicht so schnell in andere Hände legen wollen. Während die Gassefäger in der Aare ihre Netze auslegten, machte sich die Narrenzunft Nictum ebenfalls so ihre Gedanken über die nach Grenchen deportierte Berta und den daraus entstandenen «Zirkus». Im wahrsten Sinne des Wortes dem Teufel verschrieben hatten sich die Weihere-Schränzer, die als langjährige Guggemusig mit schmissigen Melodien nicht geizte und das Publikum in Stimmung brachte für den närrischen Auftritt der Hudibras-Chutze, die als McHudis und mit einem prachtvollen Wagen vor den Folgen von zu viel McDonald’s-Kost warnten. «Friss nid zvüu McHudi, das git es dicks Fudi», hiess das im Klartext.

Umzug bleibt in Erinnerung

Mit Kaffeemaschinen auf dem Haupt und George Clooney in ihren Reihen bewiesen auch die Glänggeler ihre kreative Ader, während sich die Provinznarren an die Schlagzeilen des vergangenen Jahres wie den Vulkanausbruch in Island erinnerten und die Mamfi-Guggemusik mit Glasnost und Mamfistroika auftrumpfte.

Mit verdientem Applaus schliesslich wurde als krönender Abschluss des überaus farbenfrohen und ideenreichen Umzugs der Hauptgass-Leist empfangen. Was für ein Anblick die vielen schwarzen Schafe der Gerechten, die sich schaukelnd, velofahrend und auf einem Karussell drehend närrischer Betriebsamkeit hingaben und damit das taten, was einen richtigen honolulesischen Umzug ausmacht, nämlich Spass vermitteln und den Narren und Närrinnen etwas auf den Heimweg mitgeben, was sie nicht so schnell vergessen werden.

Die an der diesjährigen Fasnacht ihr 140-jähriges Bestehen feiernde Vorstadtzunft übrigens, wurde in der Vorstadt, flankiert von den Tambouren, mit frenetischem Applaus empfangen.