«Je suis chargé pour Soleure!» Wenn sich ein Bundesrat auf diese Weise zum Start der HESO in Solothurn ankündigt, dann besteht ein gewisser Erklärungsbedarf. Diesem kam Ignazio Cassis dann als magistraler Gast anlässlich der offiziellen Eröffnung auch unverzüglich nach. So sei es anders als mit den Schiffleuten der Ambassadorenzeit, die sich vom transportierten Frachtgut aus den Weingebieten ihren berauschenden Obolus abzweigten und deshalb beschwipst in Solothurn ankamen.

«Mit ‹Chargé pour Soleure› ist gemeint, dass ich mit einer reichen Fracht an Grüssen des Bundesrats hier ankomme», sagte Cassis, der vor rund elf Monaten sein Amt aufnahm. Die in Solothurn omnipräsente «Elf» war folgerichtig auch ein willkommenes Einstiegsthema. Oder seine mit Kurt Fluri geteilten Sessionserinnerungen im Nationalrat: «Er war mein Sitznachbar und meine Bibliothek – und er weiss alles», verriet Cassis. Als FDP-Fraktionspräsident habe er das Vorrecht genossen, die Sitzordnung festzulegen: «Und da habe ich Kurt Fluri als Nachbarn gewählt. So musste ich nicht alle Dossiers selbst lesen», witzelte er weiter.

Von Pisoni bis Casanova

Darüber hinaus kam Cassis auf die zahlreichen Berührungspunkte zwischen seinem Heimatkanton Tessin und Solothurn zu sprechen: «Als Aussenminister habe ich grossen Respekt vor der Rolle Solothurns als Ambassadorenstadt.» Eine Verbindung von zweifelhaftem Ruhm sei hingegen die mutmassliche Liebelei von Giacomo Casanova mit der Gattin des Solothurner Landvogtes Urs Viktor Joseph von Roll gewesen. Umso ruhmreicher dafür jene der beiden aus Ascona stammenden Pisonis, denen Solothurn seine Kathedrale verdanke.

Kurz nach Eröffnung der HESO 2018 ist schon was los in den Hallen

Kurz nach Eröffnung der HESO 2018 ist schon was los in den Hallen

Schliesslich würdigte Cassis die Herbstmesse und ihre Sonderschau «Kraftort Wald». «Gerade der Hitzesommer hat uns die Augen geöffnet», stimmte er auf problematische Umweltentwicklungen an. «Während man Waldbrände im Tessin kennt, waren jene in nördlichen Gebieten wie Schweden oder in der Nähe von Berlin doch eher neuere Phänomene.»

Digitalisierung beschäftigt

Über «Klima»-Veränderungen der wirtschaftlichen Art sinnierte zu Beginn der Eröffnung hingegen Urs Unterlerchner, Präsident des HESO-Organisationskomitees. Im Rahmen der «digitalen Transformation» seien sowohl innovative als auch disruptive Kräfte am Werk: «Wenn es in Solothurn heisst, «’s isch immer so gsy», dann hat dies für die Wirtschaft nicht mehr so viel Bedeutung.» Und dass es uns besser gehe als vielen anderen Ländern, werde irrtümlicherweise als selbstverständlich gesehen: «Dabei ist der Wohlstand flüchtig», wie das Beispiel des ehemals prosperierenden Venezuelas zeige.

HESO-OK-Präsident Urs Unterlerchner: «Die vorausgesagten Temperaturen sind ideal für die Messe.»

HESO-OK-Präsident Urs Unterlerchner: «Die vorausgesagten Temperaturen sind ideal für die Messe.»

Was die Schweiz voraushabe, sei die Rechtssicherheit, der Schutz des Eigentums, die Wirtschaftsfreundlichkeit, der schlanke föderalistische Staat sowie die Weitsicht des Unternehmertums. Letzteres zeige gerade die Wirtschaftsgeschichte des Kantons auf. «Es bringt Erfolg, Veränderungen zu erkennen und darauf zu reagieren», so Unterlerchner, der damit den Bogen zur HESO, ihrem Erfolgsrezept und ihren heuer 294 Ausstellern schlug. Er plädierte dazu, für neue Ideen offen zu bleiben.

Auch Stadtpräsident Kurt Fluri griff das Thema auf. «Zu ihrem Beginn vor 41 Jahren war die HESO ein Gegenpol zum Einkaufszentrum auf der grünen Wiese. Heute muss sie sich gegenüber dem Online-Einkauf behaupten.» Dies sei durch persönliche Begegnung und individualisierte Dienstleistungen möglich.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung durch die Solothurner Singknaben mit dem Solothurnerlied – und durch das Glockengeläut zum Internationalen Friedenstag, das von der Kathedrale herüberschallte.