Theater
Ein Buch voller Erinnerungen an einen vom Theater Besessenen

Ein Buch würdigt Leben und Wirken des Theater-Allrounders Mario Bettoli, der im Februar dieses Jahres verstorben ist. Denn alle wandten sich mit ihren Fragen und Problemen an ihn. Man spürte, dass er sich um alles sorgte und um alles kümmerte.

Silvia Rietz
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Mario Bettoli und seiner Theaterleidenschaft ist ein Buch gewidmet.

Mario Bettoli und seiner Theaterleidenschaft ist ein Buch gewidmet.

Oliver Menge

Der im Februar dieses Jahres verstorbene Mario Bettoli war mehr als ein Theater-Enthusiast. Sein Leben hätte für drei gereicht, seine Talente ebenfalls: Als Bühnendarsteller, künstlerischer Betriebsdirektor, Chefdisponent und Seele des Theaters Biel Solothurn prägte er die Geschicke «seines» Theaters und manche Laufbahn.

Nun haben Veronica Peyer, Paul Suter und Heinz Wyss unter dem Titel «Mario Bettoli erzählt» ein Erinnerungsbuch herausgegeben und lassen darin Weggefährten und Mitarbeiter zu Wort kommen.

Vor allem aber ihn selbst, Mario Bettoli, der mit Schalk und Herzenstakt Anekdoten zum Besten gibt. Entstanden ist ein Kaleidoskop, welches viele Facetten des Lebens und Wirkens des Theater-Allrounders zeigt. Eines Mannes, der sowohl an seiner einstigen Wirkungsstätte wie auch in der Schweizer Theaterszene zur Legende wurde.

Den Herausgebern ist es gelungen, die Gespräche mit Mario Bettoli im Originalton wiederzugeben. Man spürt die Leidenschaft des Hobby-Sängers und -Schauspielers aus jeder Zeile. Ist er doch oft und gerne in Kostüm und Rolle geschlüpft.

Erste Erfahrungen sammelte Bettoli als Singknabe der St.-Ursen-Kathedrale in seiner Geburtsstadt Solothurn. Bereits damals war klar: Dieser Messdiener wird entweder Priester oder Schauspieler.

Etwas anderes konnte sich für Klein Mario niemand vorstellen. Ausser der Herr Papa, der auf einer soliden (kaufmännischen) Ausbildung bestand. Nun, der Klerus musste auf einen Prälaten Bettoli verzichten.

Die Passion für sinnliches Zelebrieren verinnerlichte er trotzdem, nämlich auf den Brettern, die für ihn tatsächlich die Welt bedeuteten. Der junge Theaterfreak war dem damaligen Direktor des Städtebundtheaters, Heinz Zimmermann, aufgefallen. Ein Anruf – und das verwaiste Betriebsbüro hatte einen neuen «Bewohner».

Lassen wir diesen mit einer Buch-Sequenz selber zu Wort kommen: «Es gab Glücksfälle und Sternstunden. Für die Sonntagsaufführung der ‹I Puritani› gelang es mir, für die plötzlich erkrankte Gabriella Morigi Elena Mosuc vom Opernhaus Zürich zu gewinnen.

Am Telefon fragte sie: Wo ist Biel? Ich holte sie am Bahnhof ab. Wie sie das kleine Bieler Stadttheater sah, bekam sie einen Lachkrampf. Nach der Einweisungsprobe kam sie zu mir nach Hause, um sich auszuruhen.

Die Vorstellung mit ihr als Elvira war sensationell. Als ich Elena Mosuc den Betrag, über den ich verfügte, nannte, sagte sie: Im Vergleich zu dem, was die Wiener Staatsoper zahlt, ist das ein kleines Trinkgeld.

Ich erwiderte: Ich zahle Ihnen die 4000 Franken bar auf die Hand. Das tat ich denn auch, und wir setzten uns anschliessend zu einem Bier ins ‹Rathaus›. Als ich sie zum Zug nach Zürich begleitete, sagte sie beim Abschied am Bahnhof: Bin ich Elena. Du kannst mich immer wieder anrufen.»

Mario Bettoli kümmerte sich nicht nur um die Stars auf der Bühne, er war auch Ansprechpartner und Vertrauensmann für die Garderobenfrauen, Kassiererinnen, Techniker und alle im Theater Beschäftigten.

Marc Baumann, ehemaliger Theaterdirektor im Gastspielort Winterthur, bringt es auf den Punkt (Buch-Zitat): «Alle wandten sich mit ihren Fragen und Problemen an ihn. Man spürte, dass er sich um alles sorgte und um alles kümmerte. Alle hängten sich an ihn, weil sie wussten: Mario richtet es schon, wenn ich ein Problem habe.»

Das Buch ist voller Erinnerungen an einen vom Theater Besessenen. Dass dieser die komplexen Abläufe und Strukturen verinnerlicht hatte, versteht sich von selbst. Mit wie viel Sachverstand, einem enzyklopädischen Gedächtnis, Witz und Empathie Mario Bettoli seiner grossen Liebe huldigte, davon handelt diese auch historisch interessante Biografie.

Buchvernissage: Samstag 28. November, 18 Uhr, im Stadttheater Solothurn.

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