«Die Sammlungsschlange»
Ein Buch bringt Jugendlichen die Kunst näher

Vor allem 13- bis 18-Jährige soll das neue Buch von Regula Straumann ansprechen und ihnen ausgewählte Werke aus dem Solothurner Kunstmuseum näherbringen. Das Buch soll ein Augenöffner sein. Vor drei Jahren startete das Projekt.

Noelle Karpf
Drucken
Teilen
Kunstvermittlerin Regula Straumann hat das Kinder- und Jugendbuch «Die Sammelschlange» verfasst.

Kunstvermittlerin Regula Straumann hat das Kinder- und Jugendbuch «Die Sammelschlange» verfasst.

Michel Luethi

Kunst an Jugendliche zu vermitteln, ist oftmals gar nicht so einfach, weiss Regula Straumann vom Kunstmuseum Solothurn. «Es ist eigentlich normal, dass sich die Interessen der Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren in eine andere Richtung bewegen», sagt die Kunstvermittlerin. Für Kinder gibt es Bücher, für Erwachsene Kataloge und Analysen, die ihnen verschiedene Kunstthemen näher bringen. Für Jugendliche jedoch gibt es kein grosses Angebot. Dem schafft die Neo-Autorin Abhilfe: Genau für diese Altersgruppe ist ihr Werk «die Sammlungsschlange» konzipiert.

Einerseits werden 20 Werke in etwas komplexeren Texten besprochen. Andererseits werden Themen auf spielerische Art und Weise und anhand von Aufgaben vorgestellt. «Mein Ziel war es, etwas für Kinder ab zehn Jahren zu veröffentlichen», erzählt die Zürcherin. «Und ich wollte keine Wechselausstellung thematisieren, sondern Werke, die über eine längere Zeit hinweg zugänglich sind.»

Ein Augenöffner

Ebenso ist es der Wunsch der Kunstvermittlerin, dass ihr Werk über mehrere Generationen hinweg gelesen werden kann. «Die Werkbeschreibungen sind anspruchsvoll und daher eher für Jugendliche geeignet», erklärt Straumann. «Die Eltern können sie ihren Kindern natürlich auch vorlesen.» Die Themen, die ähnlich wie bei einem Comic in Sprechblasenform vorstellt werden, sollen den jüngeren Leserinnen und Lesern die Kunst näher bringen.

«Wer sich mit den Themen und Aufgaben der Illustrationsseiten auseinandergesetzt hat, der kann vielleicht später selbstständig zu den anspruchsvolleren Texten wechseln», erklärt die 49-Jährige. «Die Sammlungsschlange» sei unter Umständen auch ein Angebot für Lehrpersonen, fügt die Autorin an. «Das Buch soll für gewisse Themen der Kunst sensibilisieren und ein Augenöffner sein», erzählt die Zürcherin.

Uroboros in der Hauptrolle

Durch das ganze Buch hindurch führt ein und dieselbe Figur: Die «Sammlungsschlange». Sie schlüpft zu Beginn der Geschichte in das Kunstmuseum und besucht dort 20 verschiedene Werke. Die Schlange, die übrigens wie eine Uroboros ihr eigenes Ende verschlingt, hat Straumann ausgewählt, weil diese Figur durch die ganze Sammlung führen und das Werk lebendig machen könne, ohne zu kindlich zu wirken.

Und das Wichtigste: Die Uroboros symbolisiert einen Kreislauf, der sich im ganzen Werk über wieder findet. So werden Licht und Raum, aber auch Vergänglichkeit und Ewigkeit thematisiert. «Die Sammlungsschlange führt auf ihrem erlebnisreichen Rundgang durch das Museum», erörtert die Kunstvermittlerin. Nachdem das Konzept für das Werk Form angenommen hätte, habe sie für die Illustrationen nach jemandem gesucht, «der die gleiche Sprache spricht», sagt die Autorin.

Die Illustratorin und Designerin Francesca Sanna, die die Hochschule in Luzern absolviert hat, habe auf Anfrage Lust und Zeit gehabt. «Während der Entstehung des Buches war die enge Zusammenarbeit mit ihr wichtig», erzählt die Autorin. Nun würden sich die Texte von Straumann und die Illustrationen von Sanna nicht konkurrieren, sondern ergänzen.

Projekt vor drei Jahren gestartet

Die Idee für ein eigenes Buch hatte die Autorin schon vor rund sechs Jahren. Bis vor drei Jahren hätte sie aber nicht Zeit gefunden «richtig in ein Projekt einzutauchen.» Danach entstanden konkrete Ideen für ihr Werk. Wieso entschied sich die Kunstvermittlerin eigentlich, ein Buch für Jugendliche zu schreiben? «Das ist eine spannende Zielgruppe», findet Straumann. «Ich arbeite gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Und es gibt noch nicht viele Bücher zum Thema Kunst für Jugendliche.»

Nebst Kunst interessiert sich die 49-Jährige auch für Literatur. Sie liest viel und hat durch «die Sammlungsschlange» gelernt was es dazu braucht, ein eigenes Werk zu veröffentlichen. «Die Umsetzung von der Idee bis zum fertigen Buch war aufwendig und zeitintensiv», sagt die Autorin. Viele Personen seien beteiligt gewesen, die Texte gegengelesen und mitgedacht hätten.

Die «Vorlaufzeit» für ein Buch daure in etwa so lange wie die für eine neue Ausstellung. Wird die Autorin nun ein zweites Buch veröffentlichen? «Die Lust wäre da, die Ideen auch», erklärt Straumann. Zeit und Finanzen müssten für eine eigene Geschichte aber auch stimmen. «Das Projekt hat mir auf jeden Fall viel Freude bereitet», sagt die Kunstvermittlerin, «den Leserinnen und Lesern hoffentlich auch.»

Die Vernissage findet am Mittwochabend um 18 Uhr im Kunstmuseum statt. Schülerinnen und Schüler aus einer dritten Oberstufenklasse werden ihre zehn Lieblingswerke aus dem Buch, sowie ihre persönlichen Zugänge zu der Kunst vorstellen.