Solothurner Marktfahrer

Ein Blumenkohl traf den dreisten Kassendieb am Kopf

Die Familie Marti am Kobirain in Aetingen, hoch über dem Limpachtal (v. l.): Hanny, Walter, Annalis und Roland Marti.

Die Familie Marti am Kobirain in Aetingen, hoch über dem Limpachtal (v. l.): Hanny, Walter, Annalis und Roland Marti.

Seit bald 40 Jahren fährt Familie Marti auf den Markt. Ob Sommer oder Winter, die Marktleute sind aus der Hauptgasse nicht mehr wegzudenken. Uns berichten sie von ihrer Familiengeschichte, dem Marktalltag und gemeinen Dieben.

«Mein Vater wollte, dass ich zur Post gehe, aber ich entschloss mich, Gärtner zu werden, was ich bis heute nie bereut habe.» Walter Marti sitzt vor seinem blumengeschmückten Haus am Kobirain in Aetingen. Sein Blick trifft sich mit dem seiner Frau Hanny. Man spürt, hier sind zwei, die sich verstehen.

Der Kobirain ist nicht unbedingt ein Ort, den man sich aussucht, wenn man ein Geschäft eröffnen will. Schon gar nicht eine Gärtnerei. Das Gelände ist stark abfallend, die Aussicht auf das Limpachtal dagegen traumhaft schön. Doch die Zeiten waren hart und die Eltern von Walter Marti nicht auf Rosen gebettet. Die Hoffnung, auf einem kleinen Bauernbetrieb im Seeland das Glück zu finden, scheiterte bereits nach drei Jahren. Und weil am Kobirain in Aetingen eine Gärtnerei zum Verkauf ausgeschrieben war, kehrte die Familie wieder heim in den Bucheggberg. Kein leichter Entschluss, doch für den jungen Walter hat sich der Abstecher gelohnt: «Ich habe dort meine Frau kennen gelernt», schmunzelt er und hat auch das nie bereut.

Ein weiser Entscheid

Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die ganze Familie im Betrieb mithelfen musste. Allen voran Sohn Walter, der seine Lehre als Gärtner erfolgreich abgeschlossen hatte. Gleichzeitig war für den jungen, strebsamen Mann, der im Begriff war, eine eigene Familie zu gründen, aber auch klar: «Wir brauchen einen Zusatzverdienst.» Infrage kamen der Solothurner Markt und als weiteres Standbein der Friedhofunterhalt. Ein weiser Entscheid, der das Leben der Familie Marti geprägt hat. «Der Märet bedeutet uns viel und macht uns Freude», sind sich die beiden einig. Walter Marti schmunzelt: «Meiner Frau kann man den Märet nicht wegnehmen, und ich bin überzeugt, dass sie auch von den Kunden, die teilweise bereits seit 40 Jahren bei uns einkaufen, vermisst würde.»

Seit Sohn Roland und seine Ehefrau Annalis die Gartenbaufirma übernommen haben, widmen sich Walter und Hanny Marti nur noch dem Gemüseanbau auf einem gepachteten Stück Land unten im Limpachtal. Gemüse, das dann jeweils am Samstag den Weg nach Solothurn findet. «Ein willkommener Zustupf zur AHV», nennt es Walter Marti und ergänzt: «Ich kann mir nicht vorstellen, als Rentner einfach herumzusitzen.» Während 25 Jahren kamen Martis auch am Mittwoch auf den Solothurner Märet. Es war die Zeit, als der Betrieb zu wachsen begann und man auf jeden Zusatzfranken angewiesen war. Das färbte auch auf die Kinder ab, und sobald diese rechnen konnten, zogen auch sie mit den Eltern an den Markttagen Richtung Solothurn.

Dem Beispiel des Vaters gefolgt

Das hat Sohn Roland so stark geprägt, dass er seine Eltern am Samstag immer noch in die Stadt begleitet. «Der Vater ging mit gutem Beispiel voran», ist seine Erklärung, wenn man ihn nach seiner Motivation fragt. Viele Marktbesucher schätzen seine Setzlinge und Blütenzweige im Frühling und Sommer und freuen sich auf das Tannenreis und die schönen Gestecke, die die Adventszeit verschönern. Statt sie als Kundengärtner der Grünabfuhr zu übergeben, bringt Roland Marti die abgeschnittenen Zweige auf den Markt. Nicht selten schmuggelt er einen zusätzlichen Salat- oder Gemüsesetzling in die Markttasche seiner Kundschaft, was dazu führen kann, dass zu Hause das Gartenbeet, so vorhanden, vergrössert werden muss. Doch Roland Marti, bekannt für sein gütiges Wesen, lächelt: «Ein Salat hat schliesslich auch in einem Blumenkistli Platz.»

Diebe und die Winterkälte

Das Thermometer muss schon zehn Grad minus anzeigen, wenn sich Martis entschliessen, statt auf den Markt zu fahren, zu Hause zu bleiben. Ansonsten passt man sich den tiefen Temperaturen im Winter mit warmen Kleidern an und hüllt den Stand in Plastik. «Ich bin froh, wenn ich beim Bedienen im Häuschen kurz beim Gasstrahler vorbeigehen kann», sagt Hanny Marti. Und lächelt.

Nebst den treuen Stammgästen, die den Markt besuchen, hat es auch die Familie Marti immer mehr mit einer unerwünschten Kundschaft zu tun. Es sind dies dreiste Diebe, die es auf die Kassen der Marktleute abgesehen haben. «Einmal», sagt Walter Marti, «habe ich einen auf frischer Tat ertappt und ihm einen Blumenkohl an den Kopf geworfen.»

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