Stadtbummel Solothurn
Ein bisschen Abschied auf Französisch

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Das Hotel La Couronne in Solothurn erstrahlt in frischem Weiss.

Das Hotel La Couronne in Solothurn erstrahlt in frischem Weiss.

Michel Lüthi

Der Tour d’Horizon durch Soleure beginnt vorne beim Hotel de la Couronne, vis-à-vis un Chocolatier et Confiseur, le Cinema Palace, la Parfumerie Marionnaud et en centre la Brasserie Federale. Voilà! Aber dann kommts knüppeldick «buredütsch»: Chnächt, Chuchilade, Chrüterhus Zäller, Hirsche-Appoteg, Liinestube. Wenigstens hat sich der Chuchilade noch etwas aufgepeppt, mit dem Zusatz «Haute Cuisine». Immerhin: All diese Fassaden sind noch beschriftet. Das ist nicht mehr so selbstverständlich im Ladendorf Solothurn.

Auf Touren kommt nämlich längst nicht mehr alles: Theo Jakob ist weg, Expert-TV in Konkurs, dazwischen Ausverkauf der Götz’schen Antiquitäten, Biberstein-Weine sollen Ende Mai Geschichte sein, am Kronenstutz zwei Läden noch leer und nach diesem Wahlergebnis vielleicht bald alle Parkplätze am Klosterplatz futsch. Es könnte rasch einsam werden um die Absinthe-Bar. Und im Tourist Office oben werden sie Stadtführungen zum Thema Lädelisterben mit einem Besuch aller Grabstätten anbieten. Was wird künftig sein mit Schild, Vögele? Cristina’s ist ja längst abgehakt. Und beim Müller Beck wissen wir noch immer nicht, wie und ob es weitergeht. Aber Hauptsache, die Bancomaten-Allee zwischen Biel- und Baseltor funktioniert noch. Die Post oben am Kronenstutz könnten wir auch bald gesehen haben. Die war ja noch gar nicht lange dort. Oder eben: Wenn die Post abgeht!

Touren wir weiter. Der Cheschtenemuni. Sehen wir im Herbst wieder weissen Rauch aufsteigen? Habemus Munem? Nicht so sicher. Eigentlich gar nicht sicher. Der brät doch Marroni quasi im Freien, erzeugt Geruchsemissionen. Da gibts doch ein Reglement. Und so exakt, wie die längst bestehenden, aber irgendwie nicht angewendeten Paragrafen derzeit umgesetzt werden, müssen wir echt um das braune Häuschen am Märetplatz bangen. Oder rettet eine Baubewilligung den Muni? Aber was, wenn es Einsprachen gibt? In der Nachbarschaft wäre so einer. Wohnt zwar nicht dort, aber wehrt sich gegen alles, was lärmen oder stinken könnte. Auch duften, – ach, ist ja egal! Wir haben einen neuen Gemeinderat. Der wird schon zum Rechten schauen.

Tournedos, Entrecôtes, Bœuf, Veau, Fegato, wo? Überall. Die «Liter-à-Tour»- und Foodstadt Solothurn funktioniert noch. Das Foodwaste auch. Die Wegwerfmentalität macht Tauben und Krähen feiss. Aber wenigstens ein Gutes hat das rigide Aussengrillverbot. Soll mal einer kommen in Solothurn und sagen: Brat mir einen Storch! Kann bei uns nicht passieren. Bei uns passiert nicht mehr viel. Ob das die Fremden in Solothurn auch so sehen – die ...

... Touris?