Man mag sich an John Smith erinnern, den Taxifahrer in «Taxi, Taxi», der gleichzeitig mit zwei Frauen verheiratet ist. Ein Unfall brachte sein Lügengespinst beinahe zum Einsturz, und nur dank des Untermieters Stanley konnte er letztlich die Verhältnisse klären, das heisst, es beim Status quo bleiben zu lassen. Das Stück mit dem bezeichnenden Originaltitel «Run for your Wife» eroberte auch die deutschen Bühnen im Sturm. Gut zwei Jahrzehnte später griff der Autor mit Jahrgang 1932 diesen Stoff wieder auf und schrieb das nun aufgeführte Lustspiel «Lügen haben junge Beine», im Original «Caught in the Net – Run for your Wife again».

Bequemes Doppelleben

Da immerhin 18 Jahre zwischen den beiden Handlungen liegen, muss man das erste Werk nicht gekannt haben, um am aktuellen Plot seinen Spass zu haben. In diesen 18 Jahren ist John Smith nämlich Vater geworden. Von seiner in Wimbledon wohnenden Ehefrau Mary hat er die Tochter Vicki und von seiner in Streatham wohnenden Ehefrau Barbara den Sohn Gavin. Das bequeme Doppelleben des John Smith gerät nun wegen der modernen Kommunikationsmittel ins Wanken, Vicki und Gavin haben sich nämlich in einem Chat kennen gelernt und wollen sich nun persönlich treffen.

Dieses Treffen muss John Smith nun unter allen Umständen verhindern. So präsentiert sich die Ausgangslage, die zu reichlich Lügen, Verwechslungen und Turbulenzen Anlass gibt. Dies alles natürlich zur Freude des Publikums, das mitunter Tränen lachen kann ob all den scheinbar unlösbaren Verwicklungen. Da fragt man sich, wenn man überhaupt dazu kommt, Fragen zu stellen, wie das nun enden soll. Da das künftige Publikum nicht um seinen Spass gebracht werden soll, sei das Ende hier nicht verraten.

Gut gelungene Umsetzung

Im Bühnenbild wird durch den Farbwechsel an den Wänden in der Bühnenmitte angedeutet, dass das Stück gleichzeitig in zwei Wohnungen spielt. Wie vom Autor gefordert, sind in manchen Passagen beide Haushalte gleichzeitig auf der Bühne, durchmischen sich sogar, ohne die Personen des anderen Haushaltes wahrzunehmen. Im Übrigen weist das Bühnenbild genügend Türen auf, um im rechten (oder auch unrechten) Moment Personen abgehen und auftreten zu lassen.

Eine Parforceleistung vollbringt David Gnägi als John Smith. Dabei musste er diese Hauptrolle erst drei Wochen vor der Premiere übernehmen, weil der ursprünglich vorgesehene Darsteller ausfiel. Da er für die Leitung verantwortlich zeichnet, war er mit dem Stück immerhin vertraut. Seine von Zora Drieghe gespielte Ehefrau Mary wirkt als Energiebündel. Im Gegensatz zur Ehefrau Barbara, die eher bedächtig gezeichnet ist. In dieser Rolle gibt Silvia Ferrari ihr Bühnendebüt. Mit viel Spielfreude und jugendlichem Elan vermögen Benedek Kalotay (Gavin) und Emilia Adamo (Vicki) zu begeistern. Die Rolle des Stanley Gardner verlangt ebenfalls viel Wandlungsfähigkeit und die Verkörperung verschiedener Charaktere, was bei Patrick Streit nahtlos über die Rampe kommt.

Wäre die Situation nicht schon anspannend genug, platzt im zweiten Teil noch Stanleys Dad in die Handlung. Wie Gregor Wild diesen leicht dementen, aber manchmal in lichten Momenten sich als durchaus gescheit erweisenden alten Mann mit seinen trippelnden Schritten verkörpert, wäre eigentlich ein Sonderapplaus wert. Die Technik liegt in den Händen von Tawan Drieghe und Patrick Kappeler. Nachdem man sich mit starkem Applaus für diese Darbietungen bedankt hat, verlässt man gut gelaunt die Mausefalle.

Mausefalle Weitere Daten: Sa, 12. Januar, 20 Uhr; Fr, 18. Januar, 20 Uhr und So, 20. Januar 17 Uhr. Allmendweg 8, Zuchwil.