Jubiläumsjahr

Ein bejubeltes Neujahrskonzert mit einem neuen Ehrendirigenten

Das Jubiläumsjahr des Stadtorchesters wurde mit einem fulminanten Neujahrskonzert eingeläutet. Dabei gab es Gratulationen von Stadtpräsident Kurt Fluri und George Vlaiculescu wurde zum Ehrendirigenten gekürt.

Das Neujahrskonzert des Stadtorchesters Solothurn ist Kult. Berauschend und bejubelt – auch in der 100. Konzertsaison. Nach der Ouvertüre zu Verdis «Macht des Schicksals» brachten eine armenische Sopranistin, ein griechischer Tenor und ein rumänischer Orchesterleiter die Macht der Stimmen zum Blühen. Alfredo gesteht mit «Un di felice» (an einem glücklichen Tag) Violetta seine Liebe.

Das von Angelos Samartzis und Astghik Khanamiryan gesungene Duett aus «La Traviata» nahm das Motto des Konzertes vorweg: Ein glücklicher Tag, wenn ein Orchester seit hundert Jahren in der Region und für die Region musiziert; ein glücklicher Tag, wenn Musikerinnen und Musiker nach zwei Jahren nochmals unter ihrem ehemaligen Dirigenten George Vlaiculescu auftreten, der das Stadtorchester während mehr als 25 Jahren prägte.

Ein glücklicher Tag, wenn Stadtpräsident Kurt Fluri gratuliert und die Orchesterhistorie aufrollt. Ein glücklicher Tag, wenn die langjährige Präsidentin Marie-Louise Kissling George Vlaiculescu zum Ehrendirigenten erklärt und ihm einen silbernen Dirigierstab überreicht.

Wenn der Funke überspringt

Als wäre er nie weg gewesen, sprang der Funke vom Dirigenten zum Orchester und zu den Besuchern. Wie ehedem passte George Vlaiculescu sein Outfit den verschiedenen Stücken an. Für Elgars «Pomp and Circumstance» wählte er Hut und Schal in den britischen Nationalfarben sowie ein schmissiges Marschtempo, choreografierte das Klatschen des Publikums.

Mit wechselnden Roben zog auch das junge Sängerpaar die Blicke und Sympathien auf sich. Servierte nach dem Verdi-Block ihre persönlichen Parade-Arien. Dabei zeigte sich Astghik Khanamiryan als hellwache «Schlafwandlerin» (La Sonnambula), mit gestochen scharfen Koloraturen.

In «Ombre légère», Dinorahs Walzer-Arie aus der gleichnamigen Oper von Giacomo Meyerbeer (im Programm verwechselt), liess die Sopranistin ein weiteres Koloratur-Feuerwerk los, jagte mit Tempo (und mit störendem Vibrato) durch die halsbrecherischen Läufe.

Angelos Samartzis liess es sich nicht nehmen, mit «La donna è mobile» einen Opern-Evergreen zu kredenzen. Obschon ihn dabei Höhenprobleme plagten, punktete er dank jugendlichem Charme. In Bestform zeigte er sich mit «Non puedre ser», dem Tenor-Hit aus der Zarzuela «La tabernera del puerto». Hier leuchteten die lyrischen Qualitäten der schöntimbrierten Stimme.

Und im Dreivierteltakt

Neben der grossen Oper beglückte auch die leichte Muse. Der Solothurner Richard Flury gab seinem «Wiener Walzer» den Namen der Dreivierteltakt-Metropole. Mit «Wiener Blut» kam deren berühmtester Protagonist Johann Strauss zu Ehren, sein gleichnamiger Vater mit dem populären «Radetzky-Marsch». Ein schwungvolles Finale, so wie alle Neujahrskonzerte der Ära Vlaiculesu endeten, inklusive stehender Ovationen.

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