15 Jugendliche mehr als noch im Vorjahr konnte Stadtpräsident Kurt Fluri zur Gelöbnisnahme im Rahmen der Jungbürgerfeier begrüssen. Aber, es sei natürlich «sehr betrüblich, dass so viele es nicht für nötig finden, sich überhaupt zu entschuldigen», sprach er jene 43 neuen Stimm- und Wahlberechtigten an, welche sich für die Zeremonie auf der Krummturmschanze keinen Deut interessiert hatten. Immerhin lockte neben einer Stadtführung, einem Apero und einer Gratis-Infokarte der Jugendförderung auch ein Nachtessen im Aaregarten des Alten Spitals, dessen Geschichte Fluri näher beleuchtete. «Die meisten Leute auf der Welt haben nicht so viele Rechte wie wir und müssen oft unter Einsatz ihres Lebens darum kämpfen», betonte der Stadtpräsident weiter. Auch administrativ sei das Wählen und Abstimmen einfach, nur beim Öffnen des Stimmkuverts gelte es die Gebrauchsanweisung genau zu beachten. «Sonst holt Euch auf der Stadtkanzlei ein neues Kuvert», erwähnte er auch explizit die Ständerats- und Nationalratswahlen vom 20. Oktober. Und: Ab jetzt könne man nicht nur wählen oder abstimmen, «sondern auch gewählt werden.» Um dann zur obligaten Gelöbnisabnahme im Beisein von Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger sowie etlichen Gemeinderatsmitgliedern zu kommen: Ein kräftiges «Ich gelobe!» erscholl aus 38 Kehlen vor dem Krummen Turm.

Zu Hause nicht sehr politisch

Eine der 18-jährigen ist Jana Kamm, Lernende im Detailhandel. In der Schule behandle man nun die Schweizer Politik, das sei sehr interessant. «Aber zu Hause in der Familie, da sind wir nicht sehr politisch. Es kommt eben auf das Thema an. Auf den jetzigen Abend habe sie sich jedoch gefreut, «ich wollte wissen, was hier abgeht.»

Abschaffung kein Thema

«Insgesamt haben wir 98 Personen eingeladen, angemeldet haben sich 38 – darunter sind 16 junge Frauen und 22 Männer. Allerdings wollten nur gerade 21 an der vorherigen Stadtführung teilnehmen», weiss Stadtschreiber Hansjörg Boll. Etliche Eingeladene haben sich immerhin entschuldigt, von rund 40 Prozent der Angeschriebenen habe man allerdings nichts gehört. «Ein Trend bei den Anmeldungen ist nicht auszumachen», verweist Boll auf die unterschiedlichen Beteiligungen der letzten Jahre, die zwischen 24 und 39 Prozent der angeschriebenen Personen liegen. «Leider ist der Termin etwas zu spät angesetzt, denn die Rekrutenschule hat bereits begonnen», übt der Stadtschreiber auch Selbstkritik. Übrigens: 2004 – also vor 15 Jahren – hatten rekordverdächtige 61 Prozent der Eingeladenen die Zeremonie besucht.
Nein, eine Abschaffung der Jungbürgerfeier sei bisher noch nie ein Thema gewesen, so Boll. «Aber ich weiss, dass einige Gemeinden Probleme haben, weil das Interesse sehr gering sei.» Dieses steige auch nicht, wenn man einen speziellen Veranstaltungsort wie etwa die Kulturfabrik Kofmehl wähle. «Als ich 18 war, fand bei uns die Jungbürgerfeier am Dorffest statt. Denn dort gingen alle Jungen hin», erinnert sich Hansjörg Boll.