Kantonsarchäologe Pierre Harb und Steinbildhauer Til Frentzel konnten einem interessierten Publikum Neues über die Inschrift des Epona-Steines und über dessen Restaurierung berichten. Denn aus aktuellem Anlass befindet sich der rund 1800 Jahre alte Stein, ehemals Bestandteil eines Altars für die Göttin Epona, in Frentzels Atelier.

Vor fast zwei Jahren gab es eine Anfrage aus Rom, ob dieser Stein für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt werden könnte. Bei den Abklärungen dazu stellte sich heraus, dass der Stein Schäden aufweist, die nun behoben werden. Inzwischen ist diese Anfrage obsolet geworden, weil das Konzept der römischen Ausstellung geändert wurde.

Loch soll bleiben

Der 600 Kilo schwere Stein weist Hohlräume auf, welche in sorgfältiger Arbeit zum Teil mit Acrylharz mittels einer Pipette aufgefüllt werden. Die Beschädigung in der Inschrift ist vermutlich auf ein Loch, welches zum Heben des Steines herausgeschlagen wurde, zurückzuführen. Dieses soll auch weiterhin sichtbar sein, da es sich um die Geschichte des Steins handelt.

3-D-Kopie hergestellt

Nachdem der Stein schon mal im Atelier war und allenfalls verreisen würde, hat man nun die Gelegenheit genutzt eine 3-D-Kopie herzustellen. Diese ist zwar aus Plastik, sieht dem Original aber zum Verwechseln ähnlich. Bis 1896 war der Stein an der Hauswand im ersten Stock des Hauses Schaalgasse Nummer neun und damit der Witterung ausgesetzt. Pierre Harb vermutet, dass er im vierten Jahrhundert für den Bau der Castrummauer verwendet wurde.

Die Göttin Epona

Epona war ursprünglich eine keltische Fruchtbarkeitsgöttin und wurde von den Römern als Pferdegöttin übernommen, die zugleich auch für die Sicherheit der Reisenden sorgte. Sie ist legendenumwoben, so wird sie von einigen Quellen als Tochter des römischen Gottes Mars und der keltischen Göttin Rhiannon bezeichnet. Sie wirkt bis in unsere Zeit, denn der Gattungsbegriff Pony geht auf sie zurück.

Die nicht mehr vollständig erhaltene Inschrift auf dem Stein ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt und wurde erstmals von Aegidius Tschudi veröffentlicht. 1854 versuchte dann der deutsche Gelehrte Theodor Mommsen, die vorhandenen Buchstaben zu ergänzen. Bis 2014 wurde auf die Fassung von Gerold Walser zurückgegriffen. Dann aber publizierte Andreas Kakoschke in der Frankfurter elektronischen Rundschau für Altertumskunde neue Erkenntnisse, welche auch Solothurner Historiker schlüssig finden. Kakoschke gibt den Namen des Stifters mit Marcus Aurelius Aprilius Restio an.

Wer war Restio?

Der Name Restio kommt im gallo-germanischen Teil des Römischen Reiches recht häufig vor. Dieser Restio war Postenchef in Salodurum und gehörte der 22. Legion an. Damit unterstand er dem Statthalter von Mainz.

Das römische Kastell in Solothurn diente der Sicherung der Verbindung zwischen Rom und Mainz. Da wurden Pferde gewechselt, Güter umgeladen und Unterkunft geboten. Es machte somit durchaus Sinn, dass der Postenchef damals die Göttin Epona ehrte.

Wichtig für Solothurn

Mit der die Inschrift beendenden Huldigung an den Kaiser konnte die Errichtung dieses Altars datiert werden. «… Postenchef im Dorf Solothurn, am 20. August des Jahres, als unser Herr, der Kaiser Antoninus zum zweiten Mal und Sacerdos zum zweiten Mal Konsuln waren, sein Gelübde gern und nach Gebühr erfüllt.»

Dieser Hinweis erlaubt die Datierung auf das Jahr 219 und damit die älteste Nennung Solothurns. Der Epona-Stein kann nächstes Jahr am 20. August seinen 1800. Geburtstag feiern. Bei der Wiedereröffnung des Steinmuseums am 1. Mai 2019 wird der Stein dort zu besichtigen sein. Allerdings «nicht in neuem Glanz», wie Til Frentzel erklärte, denn die Restaurierung wird für die Besuchenden kaum sichtbar sein.