Solothurn

Ehepaar macht aus Haller-Galerie ein Architekturbüro

Im eleganten Kubus an der Fegetzallee wohnte bis jetzt eine Kunstsammlerin. Nun wurde das Gebäude von den Branger Architekten AG übernommen und umkonstruiert. Das Architekturbüro bringt somit 18 Arbeitsplätze von Grenchen nach Solothurn.

«Ihr könnt es anschauen. Kaufen könnt Ihr es nicht.» Das war 1989. Schon damals hatte sich der heute 59-jährige Architekt Fred-Marc Branger für den eleganten Kubus an der Fegetzallee 7 interessiert. Massgeschneidert für die damalige Besitzerin Edith Hafter-Kottmann, die vom legendären Solothurner Architekten Fritz Haller 1977 eine Galerie mit Wohnmöglichkeit hatte erbauen lassen – modern, nüchtern, hell und transparent. Haller eben.

Fred-Marc Branger sah sich um und ging wieder. Um 26 Jahre später seinen Traum zu verwirklichen. Und das Haus zu erwerben, als neues Büro mit Platz für seine 18 Arbeitsplätze. «Es sind 450 Quadratmeter Innenfläche. Zum Wohnen waren nur zwei ‹Zimmerli› vorhanden.» Und Silvia Branger ergänzt: «Auch die Küche war spartanisch eingerichtet. Mehr brauchte es nicht für ein Büro. Wir mussten nichts ändern.»

Ein Wochenend-Entscheid

Die Chance kam, als die Tochter der damaligen Besitzerin, Anette Berger-Hafter, sich von Solothurn lösen und zu ihren Kindern und Enkeln nach Berlin ziehen wollten. Sie verkaufte das Haus, und lastwagenweise wurden Bilder und Skulpturen der bedeutenden Kunstsammlung in die deutsche Hauptstadt abtransportiert. In Solothurn blieben vor allem drei Bilder des 1977 verstorbenen Malers Hans Berger, die nun im Stadtpräsidium hängen.

Fred-Marc Branger freut sich riesig, dass er den Zuschlag für das Architektur-Bijou erhalten hat. «Es war unser grösster und wichtigster Wochenend-Entscheid. Eine Riesen-Investition. Aber sie hat sich gelohnt.» Gefällt haben Silvia und Fred-Marc Branger den Entscheid vor dem Hintergrund der Nachfolgeregelung: Zwei Söhne arbeiten bereits im Büro ihres Vaters mit, Claudio Branger hat den Master, Bruder Luca den Bachelor in Architektur erworben. «Claudio wird aber noch seine Lehr- und Wanderjahre auswärts absolvieren, ehe er in meine Fussstapfen tritt.»

Das Büro in Grenchen, in drei Wohnungen auf 300 Quadratmetern untergebracht, wird nun verkauft. Verwurzelt waren Brangers in der Uhrenstadt durch Fred-Marcs Vater, der bereits als Arzt in Grenchen gewirkt hatte. Sein Sohn wohnt schon lange mit der Familie in Solothurn, «und meine Kinder sind hier zu Hause. Aber selbstverständlich werden wir weiterhin Aufträge in Grenchen ausführen», betont Fred-Marc Branger.

Respekt vor Hallers Haus

Das sie in einem Architektur-Denkmal – das Haus ist geschützt – angekommen waren, merkte die Familie bald einmal. «Die ganze Denkmalpflege wollte sich umsehen, und laufend erhalten wir Anfragen für eine Besichtigung», so Fred-Marc Branger. Innen wurde, wie erwähnt, nichts verändert. Die edlen Bodenplatten aus Solothurner Stein, alle 60 auf 120 cm gross wurden gereinigt, desgleichen 460 vergilbte Gitter-Deckenelemente im ganzen Haus neu weiss beschichtet.

Auch energetisch tat sich im Gebäude – von Fritz Haller im USM-Mini-Stahlbausystem konstruiert – einiges. «Es war genial. Innert zwei Tagen hatten wir dank Hallers System 75 grosse Glasscheiben ausgewechselt und erzielen damit dreimal bessere Energiewerte.» Vor einigen Jahren war das Haus mit einem raffinierten Computersystem ausgestattet worden, welches exakt für das perfekte Klima in jedem Raum sorgte – und damit die optimale Aufbewahrung der Kunstwerke ermöglichte. «Aber das brauchen wir jetzt nicht mehr», meint Branger.

Für seine Frau ist vor allem die von Haller eingebaute Oblicht-Anlage ein Highlight: «Die Anlage ist so gesteuert, dass immer Licht hereinfällt, aber nie ein Sonnenstrahl.» Auch die Möblierung mit System-Holzeinbauschränken und verschiebbaren Glas-Trennwänden entspricht völlig der Büro-Philosophie des Ehepaars.

Neu organisiert wurde der Aussenraum des mehr als 2200 Quadratmeter grossen Grundstücks. Der Bau einer Einstellhalle mit elf unterirdischen Parkplätzen und einem neuen Innenhof war für den Architekten ein Muss. «Das sind wir dem Haus aus Respekt schuldig.» Denn die Hälfte des Umschwungs wäre sonst mit oberirdischen Parkplätzen «zugestellt» worden – für den Architekten Fred-Marc Branger ein «No go» angesichts der klaren, einfachen Strukturen, die Fritz Haller für sein einziges «Wohnhaus» in Solothurn gewählt hatte.

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