Solothurn

Efeu kommt weg, damit die Landebahn frei wird für den Alpensegler

Das Efeu, das sich die Jesuitenkirche hochrankt, wird ab dem 12. Oktober um ein Drittel zurückgeschnitten. Das kommt den Alpenseglern zugute.

Der oberste Drittel des dichten Efeus wird ab dem 12. Oktober entfernt. Diesen Eingriff in die Natur wird genau in deren Namen gemacht, genauer: Im Namen des Alpenseglers. Dieser Vogel ist zwar global betrachtet nicht bedroht, in der Schweiz gilt er aber in den Siedlungsgebieten als potenziell gefährdet.

Dieser Vogel mag das Efeu nicht besonders, weiss Jonas Lüthy vom Kantonalen Amt für Raumplanung: «Der Alpensegler hat eine Abneigung gegen Vegetation. Am liebsten hat er kahle Felsmauern.» So nistet er in Kolonien in steilen Felswänden oder in hohen Gebäuden, wie eben in der Jesuitenkirche. Der Vogel merkt, wo die Brutplätze sicher sind und wo nicht. Das Efeu birgt Gefahren für ihn: Zum einen verhindert es, dass der Segler einfach zwischen Dach und Mauerwerk in den Dachstock der Kirche fliegen kann, wo er früher seine Nistplätze gehabt hat. Zudem kann der Steinmarder und andere Raubtiere das Efeu als Einstiegsmöglichkeit nutzen. Jetzt erhofft man sich, dass durch das Zurückschneiden das Umfeld für den Vogel wieder attraktiv wird.

Eine Hebebühne muss für die Arbeit installiert werden

Die Kirchenmauer ist knapp 30 Meter hoch. Um in diesen Höhen das Rankgewächs schneiden zu können, muss eine Hebebühne installiert werden, die bis auf 27 Meter ausgefahren werden kann. Die Arbeiten dauern zwei bis drei Tage und kosten 10500 Franken. Diese werden aus dem Natur- und Heimatschutzfonds bezahlt, denn die Mauerseglerkolonie steht seit 1950 unter Kantonalem Schutz.

Es wird angenommen, dass das Efeu schon das Mauerwerk beschädigt hat. So wird im Anschluss der Denkmalschutz Mörtelarbeiten veranlassen. Wie lange dies geht und wie hoch die Kosten dafür sind, könne heute noch nicht abgeschätzt werden, erklärt Lüthy.

Keine Alpensegler wegen Wetter und Steinmarder

Heute nistet kein Alpensegler mehr in der Jesuitenkirche, obwohl die Kolonie in den 1960er-Jahren mit seinen 150 Brutpaaren noch zu den grössten der Schweiz zählte. Anfangs 1970er-Jahre führten extreme Wetterverhältnisse dazu, dass es immer weniger Alpensegler gab. Doch die Kolonie in der Kirche erholte sich wieder. Bis 1992. In diesem Jahr trieben Steinmarder ihr Unwesen und töteten 82 Alpensegler. Seither blieb das Dachgeschoss leer. In Solothurn gibt es aber noch im Bieltor, Rathausturm und Pisonihaus Nistplätze der Luftakrobaten.

Der Kanton hofft nun, dass der Vogel in die Kirche zurückkehrt, sobald die Rahmenbedingungen stimmen. Ob das schon nächstes Jahr sein wird, zeigt sich im März, wenn er wieder aus dem Süden in unsere Breitengrade zurückkehrt. Wenn er dann einmal zurück ist, dann wird er immer wieder an den selben Ort zum Brüten zurückkehren. So hofft man, dass so bald eine stabile Kolonie entstehen wird.

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