Stadtbummel
E gschänkte Tag

Mark A. Herzig
Mark A. Herzig
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Der 29. Februar gibt es nur alle vier Jahre. (Symbolbild)

Der 29. Februar gibt es nur alle vier Jahre. (Symbolbild)

Michael Möller

E gschänkte Tag. Nicht der von Adolf Stähli und seinen Oberhöfelern so schön besungene, sondern der morgige Samstag. Es ist der 29. Februar in einem Jahr, dessen Zahl sich ohne Rest durch vier teilen lässt. Aber müssen wir nicht alle einen mehr arbeiten? Sei’s, wie es wolle: Wenden wir ihn möglichst schlau an. – Angefangen mit dem Vertreiben des letzten Katers. Der Stadtbummler hat entschieden, sich wieder einmal aufzumachen und Schönheiten und Eigenheiten unseres Städtchens in aller Ruhe zu betrachten; deren gibt es viele, wie man weiss. Aber sehen wir sie noch im Tagestrubel?

Der Amthausplatz soll nicht zur Pflichtbesichtigung gemacht werden. Oder doch, damit wir erkennen, warum er uns nicht bei jeder Benutzung fröhlich oder gar freundlich stimmt?

Wann haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, zum letzten Mal die Fassaden unserer Kirchen richtig angeschaut? Oder, als Kontrapunkt dazu, die eigene Haustür? Könnten sie diese aus dem Gedächtnis einigermassen detailgetreu zeichnen?

Deshalb lohnt es, sich von Zeit zu Zeit einer der Stadtführungen anzuschliessen – Aha-Erlebnisse sind garantiert. Das ist nach Definition ein Effekt, «der sich nach vermeintlich vollendetem Erlebnisprozess einstellt».

Krummturmschanze – wann waren Sie das letzte Mal auf dieser imponierenden Bastion? Der namensgebende Turm ist auch nicht krumm, sondern er, respektive sein Dach (ein Spitzhelm), sieht nur so aus und erst noch nicht von allen Seiten gleich krumm.

Zu vielem könnten Parallelen zwischen Fasnacht und Krummturm gezogen werden. An der Fasnacht ist auch nicht alles krumm, was so scheint oder gar genommen wird. Am meisten von denen, die gar nicht gemeint waren oder noch schlimmer, gar nicht erwähnt wurden.

Die letzten Konfetti sind weg – wirklich die letzten? Mit Bestimmtheit nicht, da können sich unsere wackeren Stadtarbeiter wie auch die Frauen und Männer zu Hause Mühe geben, wie sie wollen – das letzte heurige Konfetti wird garantiert erst kurz vor der nächstjährigen Chesslete entdeckt.

Trotzdem: Die närrisch-fröhlichen, hochstehenden Fasnachtstage mit ihren musikalischen und textlichen Irrungen und Wirrungen sind vorbei. Schon bald stehen uns die Literaturtage ins Haus respektive ins Städtchen. Es wird interessant sein, welche Sprache gesprochen wird und wie das Frauenbild dort aussieht. Von wegen Erlebnisprozess.