Das eine Bild strahlt Leichtigkeit aus, ein anderes mysteriöse Düsterheit. Kombinierte Maltechniken geben den Werken von Christoph Lisibach eine interessante Aussergewöhnlichkeit. Die Spitze der St.-Ursen-Kathedrale ist eines der Lieblingssujets des 48-Jährigen, jedenfalls wenn er die Inspiration in seiner Heimatstadt findet.

Was jedoch auf den ersten Blick vielleicht von Hand mit Pinsel und Farbe gemalt aussieht, ist mittels neuer Technik hergestellt: Mithilfe des Apps «sketches» hat er ein Zeichnungsprogramm entdeckt, mit dem er durch Fingermalerei auf dem Bildschirm Werke entstehen lässt, die über einfaches Gestalten herausgehen. Diese erinnern teilweise an einen impressionistischen Stil. Wobei: «Meine Bilder sind nicht konkret einer Kunstrichtung zuzuordnen. Ich male als Ausgleich zum Berufsalltag», erklärt Lisibach seinen freien Stil.

Dieses Programm kann er sowohl privat als auch in seinem Beruf nutzen. Es ist ein simples App, das für Einsteiger wie für Profis gedacht ist. Für Erstere gibt es die Möglichkeit, Objekte digital durchzupausen.

Aber natürlich kann man auch selbst abzeichnen. Der passionierte Hobbykünstler sieht die Nutzung dieses und anderen Zeichnungs-Apps nicht als Ersatz fürs manuelle Zeichnen und Malen, sondern vielmehr als Ergänzung dazu. Gestalterische Programme können vieles, wofür man ansonsten eine Menge Zeit aufwenden müsste. «Gerade in der Stilrichtung Pop-Art dienen solche Apps als zeitgewinnendes Werkzeug», sagt Lisibach.

Andy Warhol musste zu seiner Zeit Marilyn Monroes Gesicht von Hand malen. Durch Siebdruck war es ihm möglich, dieses zu reproduzieren, sodass er eine Vielansicht von Monroes Gesicht hatte. «Eine Reproduzierung mithilfe eines Apps ist schneller vollbracht als durch manuelles Arbeiten. Zudem hat es den Vorteil, dass man die Möglichkeit hat, flächig zu arbeiten und Ebenen durchschimmernd oder deckend zu gestalten, ohne dass man sich der technischen Ausführung stundenlang widmen müsste», so der Lehrer. Zusammengefasst: Diese Apps nehmen einem einen grossen Teil der Arbeit ab, trotzdem kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Sie ersetzen auch nicht das Handzeichnen, sondern dienen dessen Ergänzung.

Verschnellertes Zeichnen

Das Gestaltungsprogramm dient dem Zeichenlehrer auch in seinem Beruf: «Jugendliche mögen oftmals nicht stundenlang an einem Zeichenprojekt sitzen. ‹Sketches› ist dem zeitgenössischen Denken, besonders dem der Jugendlichen, angepasst. Alles muss schnell gehen; auch das Zeichnen. Die neuste Technik macht dies möglich.» Solche Zeichnungs-Apps könnten auch Leute zum kreativen Gestalten animieren, die fürs Handzeichnen zu wenig Geduld haben. Da ihm dieses moderne Zeichnen Spass macht, wurde das grafische Gestalten auf dem Display zu einer seiner Freizeitbeschäftigung: «Man kann schnell und experimentell arbeiten. Oft sind diese digitalen Zeichnungen eine Vorstufe für ein Bild, das dann anschliessend mit konventionellen Mitteln entsteht.»

Mit «sketches» lassen sich mehr oder weniger einfach grafische Bilder konstruieren. Daher eignet es sich sehr für architektonische Gemälde, sowie sie der Heimwehsolothurner, der nun in Birmensdorf ZH Wurzeln geschlagen hat, bei Besuchen seiner Heimatstadt vollbringt. Diese sind dank dem App schnell mit dem Finger abgezeichnet. Nebst Gebäuden und Strassen malt er Tiere und Porträts, auch von sich selbst.

Ein angehender Seniorkünstler?

Anerkennung bekommt der Zeichnungslehrer jedoch bereits über die heutige Technik: auf Facebook. In der Gruppe «Du bisch vo Solothurn wenn …» rühmen die Gruppenmitglieder seine Werke und forderten ihn auf, diese auszustellen. «Da muss ich passen», sagt der Lehrer im Vollpensum. Ihm ist es momentan zeitlich nicht möglich, Ausstellungen zu machen. Er wolle aber eventuell später, mit 60 Jahren, ausstellen. Vielleicht wird er dann zum professionellen Seniorkünstler.