Solothurn

«Dreigänger» enthält K.-o.-Tropfen für die Lachmuskulatur

Thomas C. Breuer predigt keineswegs Wasser, wie das Bild vermuten lässt.dw

Thomas C. Breuer predigt keineswegs Wasser, wie das Bild vermuten lässt.dw

Sie funktioniert zum 14. Mal, die magische Formel: Man nehme drei Beizen, drei Künstler(gruppen) und drei Abende – und Hunderte kommen in den Genuss des beliebten «Dreigängers».

Nein, Sorgen mussten sich die beiden Organisatoren Marco Lupi und Martin Stebler auch diesmal keine machen: Im Nu waren die 500 bis 600 Plätze im «Salzhaus», «Kreuz» und «Stephan» weg.

Am Landhausquai gabs nach der kulinarischen Einstimmung mit einem Lachs-Tatar auf einem Stangenselleriebett aus Christian Härtges Küche auch gleich das erste «Lach-Tatar»: Sven Ryf, Christoph Wetterwald und Reto Sperisen, besser bekannt auch als «Simple Voicing», präsentierten etliche Rosinen aus ihrem 20-Jahr-Jubiläumsprogramm «Startsch(l)uss».

Das Trio hatte schon die «Dreigänger»-Premiere vor 13 Jahren bestritten und legte im «Salzhaus» einen fulminanten Steigerungslauf hin. Szenenapplaus erhielt Sven Ryf fürs tiefsinnige Besingen der Vorteile seines Kleinseins, aber auch für sein virtuoses Solo auf einem Gartenschlauch.

Höhepunkte auch der Beziehungs-Song «Du darfsch das!» – vorgetragen durch «Wättis» Samtstimme – oder das perfekte Zusammenspiel Sperisens mit den Kollegen beim Abwägen, welcher Frei-Tag unter der Woche der attraktivste sei.

Köstliche Weinprobe

Nach diesem heiteren, leicht beschwingten Aufgalopp stärkte sich das Publikum mit zweierlei vom Rind – Ochsenschwanz wetteiferte mit rosa Rumpsteak. Dazu passte ein kräftiger Tropfen, und solche kredenzte der zweite Auftretende des Abends, Thomas C. Breuer. Um es gleich vorwegzunehmen: Die nun folgende Weinprobe enthielt etliche K.-o.-Tropfen für die Lachmuskulatur, denn die Ankündigung, «er schaut ganz tief ins Glas der Eidgenossen» –, die erwies sich als glatte Untertreibung.

Breuer präsentierte im näselnden «Hauchdeutsch» des önologischen Über-Experten Weine zum Anfassen, zum Weinen, edle Gewächse aus dem «Golf von Solvent», Grand crus von fantasievoll veränderten Châteaus und kam zum Schluss: «Wenn auf einer Flasche ‹Reserve› steht, dürfen Sie diese trotzdem aufmachen.»

Immer wieder gespickt mit Seitenhieben auf die innige schweizerisch-deutsche Sprachverbundenheit, drosch der Schweizer Preisträger des Salzburger Stiers auf Vegetarier und Veganer ein.

Was am Tisch nicht ganz kritiklos blieb: «Das macht heut jeder ...» Zutreffen könnte das aber auch auf Breuers drittes Hauptthema: die allgegenwärtige «Türkisierung» der Schweizer Lande. Denn waseli was klingt noch türkischer als «Köniz»? Natürlich – «Bümpliz».

Wer keinen Platz mehr am Dreigänger erhalten hat, an dieser Stelle noch ein Konsumenten-Tipp: Seit sieben Jahren ist Thomas C. Breuer regelmässig auf SRF1 zu hören. Samstags jeweils in der «Zytlupe» und jeden ersten Mittwoch im Monat in der Sendung «Pet».

Endo Anaconda in Schräglage

Nach diesem Pointenregen und raffinierten Dessert-Genüssen – Orange-Muffins mit Rhabarberschaum – fand der dritte, bekannteste Name des Abends allerdings kein leichtes Terrain für seinen Auftritt vor. Endo Anaconda – sonst eher mit seiner Kultformation Stiller Has als Bühnen-Dompteur bekannt – versuchte sein Publikum zu packen, doch es sollte ihm mit seinen Leseportionen nur ansatzweise gelingen.

Zu schräg seine zwar pointierten Texte über Skurriles im Eben-nicht-Alltag des Berners mit österreichischen Ausreissern. Ein gefrorenes Huhn, das nach der Fehlzündung einer Rakete statt im All zu landen in der Fassade des Verwaltungsgebäudes gegenüber stecken bleibt? Aha. Oder – noch am Faszinierendsten - Endos Albtraum vom sich selbst im Spiegel auflösenden Anaconda. Irgendwie waren die Irritationen der Gäste fast greifbar.

Organisator Marco Lupi findet den Abend gelungen. Anaconda sei vielleicht etwas überrascht gewesen, «denn jede Beiz ist anders.» Am Samstag, am dritten Abend, muss er eh ersetzt werden. Mit Pedro Lenz hat sich ebenfalls ein Grosser des Fachs gefunden. Denn solche Kaliber wollen Lupi und Stebler auch am «Dreigänger» 2017 vorsetzen – wenn es um 15 Jahre und ein Jubiläum geht.

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