Solothurn
Drei Wochen nach Grossbrand: Die Altstadt lässt sie nicht los

Nach dem Grossbrand in der Solothurner Altstadt am 29. März ist für die Betroffenen nichts mehr, wie es war. Ein Dach über dem Kopf haben alle. Und manche fanden sogar eine gute Lösung. Betroffene des Grossbrandes in der Altstadt berichten.

Andreas Toggweiler
Drucken
Teilen
 Der Solothurner Altstadtbrand – am Tag danach.
10 Bilder
 Erst von der Feuerwehrkanzel aus zeigt sich das ganze Ausmass der Feuersbrunst.
 Von der Liegenschaft Hauptgasse 54 griff das Feuer auf insgesamt fünf Häuser über.
 Die Liegenschaften 54/58 müssen nach diesem Vorfall komplett saniert werden.
 Die Schadensumme ist zurzeit noch nicht abschätzbar. Mit «mehreren 100 000 Franken» dürfte die Einschätzung der Kapo allerdings ziemlich zu tief liegen.
 Die Feuerwehrmänner mussten sich vor fallenden Ziegeln und anderem Schutt in Acht nehmen.
 Die nun obdachlosen Bewohner der betroffenen Wohnungen werden zwischenzeitlich im St. Annahof an der Barfüssergasse untergebracht.
 Die Brandursache ist bis zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar.
 Die Trümmer vor der am stärksten betroffenen Liegenschaft Hauptgasse 54.
 Nachdem der Wasseranschluss in der Goldgasse durch Trümmer beschädigt wurde, mussten die Feuerwehrleute nordseitig eine Ersatzquelle für Löschwasser finden.

Der Solothurner Altstadtbrand – am Tag danach.

Daniel Wagmann

Zweifellos am empfindlichsten getroffen wurde Markus Affolter, der erst einige Wochen vor dem Brand in die Dachwohnung eines jener zwei Häuser zog, die vom Grossbrand am meisten beschädigt wurden.

Er hat beim Feuer praktisch seinen ganzen Haushalt an der Hauptgasse 56 verloren und fand nur noch wenige persönliche Habseligkeiten unbeschädigt vor; so seinen Pass und einige Fotos. An seinem Arbeitsplatz in Olten hatte er vom Brand der Solothurner Altstadt erfahren und nahm sogleich den Zug nach Hause. Dort konnte er nur noch zuschauen, wie alles andere ein Raub der Flammen oder durch Nässe zerstört wurde.

Heute, knapp drei Wochen später, geht es Markus Affolter besser. Er wohnt zwar immer noch bei Freunden, hat aber eine Wohnung in Aussicht, in die er in drei bis vier Wochen einziehen kann, wie er auf Anfrage erklärt. Sie liege ebenfalls in der Solothurner Altstadt und sei mehr als nur eine Interimslösung.

«Die Wohnung gefällt mir, und ich möchte nach all dem nicht nach kurzer Zeit schon wieder umziehen. Es reicht mir für den Moment...», lacht der 30-Jährige, der in Biberist aufwuchs, aber schon längere Zeit in Solothurn lebt. «Und wenn man einmal hier ist, will man auch hier bleiben.»

Kulante Versicherungen

Gute Erfahrungen habe er mit seiner Versicherung gemacht, erzählt er weiter. Kurz nach dem Brand habe er einen Vorschuss erhalten, und nachdem er das Inventar des Hausrats abgegeben habe, sei auch schon der ganze Betrag gekommen. «Das heisst, ich bin jetzt am Einkaufen von Möbeln und Kleidern.»

Und da manche Dinge eine gewisse Lieferfrist haben, gibt es auch keine Probleme mit der Zwischenlagerung. Man spürt jedenfalls, dass Affolter den ersten Schock überwunden hat. «Das Einkaufen macht mitunter richtig Spass.»

Der Interviewer gerät noch leicht ins Stocken, als er sich zum Schluss nach Affolters Berufstätigkeit erkundigt: «Projektleiter für industriellen Brandschutz», lautet nämlich die Antwort. – Nein, «angezündet» werde er deswegen von seinen Kollegen nicht. Denn mit Hausbränden habe das kaum etwas zu tun.

Seine Tätigkeit vorübergehend einstellen musste das Dentallabor von Thomas Rechsteiner, das im 2. Stock der Hausnummer 54 («Sperisen-Haus») untergebracht war. Rechsteiner hat ebenfalls bereits einen neuen Standort gefunden und wird seine Dienstleistungen gleich um die Ecke, an der Goldgasse 6, anbieten können. «Ich bin im Moment am einrichten», erklärt er. Er hoffe, dass er seine Tätigkeit nach Ostern wieder aufnehmen könne.

Persönlich gut zurecht gekommen

Bis zu diesem Zeitpunkt muss er vor allem die Funktionsfähigkeit seiner Maschinen und Apparaturen überprüfen bzw. überprüfen lassen. Weil es am alten Standort weder Strom noch Wasser gibt, müsse er dazu zuerst am neuen Ort installiert sein. Erst dann wird sich zeigen, wie gross der Schaden für die Versicherung wird.

Persönlich sei er mit der Situation gut zurechtgekommen, erklärt Rechsteiner weiter. Gebrannt habe es bei ihm nicht, doch sind Wasserschäden zu verzeichnen. Betroffen waren nur seine Geschäftsräumlichkeiten. Wegen des geplanten Umbaus des Hauses wäre Rechsteiners Labor ohnehin umgezogen.

Die vom Vermieter angekündigten Zahlungen wegen vorzeitiger Auflösung des Vertrages fallen allerdings durch das Brandereignis dahin. «Das ist in Brandfällen so Usus», erklärt Vermieter Urs Rudolf. Der Mieter werde stattdessen von der Versicherung entschädigt.

«Die Situation ist auf guten Wegen», berichtet mit Christoph Vögele ein weiterer Mieter. Der Konservator des Kunstmuseums Solothurn hat seit 2004 an der Hauptgasse gewohnt und musste mit Bangen zusehen, wie die Feuerwehr an jenem Dienstagnachmittag gegen die Flammen kämpfte. Am Ende war auch seine Wohnung durch Wasser und Rauch unbewohnbar.

Viel Hilfe und noch mehr Tipps

Zuerst kam er kurze Zeit bei Freunden unter, wechselte dann ins Hotel und konnte jetzt in eine möblierte Wohnung ziehen. «Ich habe viel Hilfe und gute Tipps bekommen, für die ich sehr dankbar bin», berichtet Vögele.

Jetzt ist auch er daran, neuen Hausrat zu posten. Die Versicherung habe rasch und professionell reagiert, meint auch Vögele. Die Einrichtung ist eingelagert und werde jetzt von Sachverständigen auf ihre weitere Verwendbarkeit überprüft. «Manche Dinge werde ich behalten, auch wenn sie etwas beschädigt sind.»

Er sei aber froh, neige sich eine «turbulente Zeit» hoffentlich jetzt dem Ende zu. Am meisten Sorgen mache ihm noch die umfangreiche Bibliothek, die sich zurzeit in einem speziellen Trocknungsraum befindet. Doch trocknen ist nur das eine.

In den Büchern setzte sich Brandgeruch fest, der kaum zu beseitigen sei. Eine gute Nachricht zum Schluss: «Auf den 1. Mai habe ich eine schöne Wohnung gefunden – wieder in der Altstadt», freut sich Vögele.

Liegenschaftsbesitzer Urs Rudolf ist froh, dass es unter den Betroffenen zu keinen Härtefällen gekommen ist. Insgesamt sind bei ihm etwa 10 Parteien betroffen.

Dies zeige sich auch daran, dass die zur Verfügung gestellten Räume im ehemaligen Altersheim St. Annahof nicht gebraucht wurden. Die Betroffenen hätten andere, für sie besser passende Lösungen gefunden, teilweise auch schon Definitive.