Als ersten Klangzauberer, der dank seiner Bekanntheit für einen fast vollen Konzertsaal sorgte, ist Peter-Lukas Graf zu nennen. Der Querflötist mit Jahrgang 1929, der Generationen von Musikfreunden und Künstlern beeinflusste, steht mit Bravour wie frisch auf der Bühne und verfügt über eine unglaubliche Atemtechnik, um diesen wunderbar geschmeidigen und dennoch feurigen Flötenton zu spielen. Er ist ein lebendes Beispiel, wie die Ausübung von Musik jung erhält.

Seine 28-jährige Tochter Aglaia ist zu einer bewundernswürdigen Klavier-Interpretin gereift, die mit «elfisch» in perlend-phrasierendem Vortrag eine eigene Solo-Komposition als Kontrast zur Kammermusik vorstellte. Für die darin aufgeführten vier Duo- und Trio-Werke bedeutete die emotionsreich fliessende Cellostimme von Benjamin Gregor-Smith eine beglückende Ergänzung.

Die eigentliche Krönung dieses Konzerts fand zum Abschluss mit dem Trio in g-Moll, op. 63 von Carl Maria von Weber (1786–1826) statt. Mit dessen Oper «Freischütz» im Hinterkopf sogen die versammelten Musikfreunde die lebendigen Motive der vierteiligen Suite, ihre kompositorischen Einfälle, die volkstümliche Ländler, aber auch dramatische Passagen einbeziehen, und die melodische Eigenständigkeit aller drei Instrumente mit innerer Beteiligung auf.

Mit dem Klavierpart als wichtiger Basis – denn Weber war selbst ein brillanter Pianist – traten die Flöte mit ihrem figurativen Satz und das Cello in mal innige, mal energisch-temperamentvolle Beziehung, die an Farbigkeit bis hin zum virtuos gebotenen Finale nichts zu wünschen übrig liess. Der Saal jubelte und war erst nach zwei ausgiebigen Zugaben zufrieden.

Robert Schumann (1810–1856) war mit «Fantasiestücke» op. 73 für Violoncello und Klavier und mit «3 Romanzen» op. 94 für Flöte und Klavier im Programm vertreten. In diesen beiden Kurzform-Kompositionen ist der Klavierpart führend, auch wenn beide Partnerinstrumente Poesie, Vielfarbigkeit, Klang und Leidenschaft in die stets wie schwebend-anmutig wirkende Schumann’sche Kompositionssprache einbringen.

Die Konzerteröffnung lag bei Joseph Haydn (1732–1809), der mit seinem dreisätzigen Trio G-Dur Hob. XV:16 die klassisch-barocke Form eines gedankenreichen Gesprächs mit den Mitteln der Musik erleben liess. Kunstvoll verflochten kamen unterschiedliche Themen melodisch zu Wort, die zuweilen in der Flöte sogar an Natureindrücke und Vogelstimmen erinnerten.

Insgesamt betrachtet gefielen alle fünf Darbietungen in ihren durch die Interpretation verdeutlichten Eigenheiten und besonders im klangprächtigen Zusammenspiel des erfahrenen Altmeisters mit den beiden jungen Kräften, die zu grossen Hoffnungen berechtigen. Übrigens: Wer sorgte für das punktgenaue Notenblättern am Klavier? Unsere Solothurner Pianistin Evelyne Grandy.

Franz Grimm, der die Frag-Art-Konzerte vor 30 Jahren ins Leben rief, würdigte das an diesem Datum gefeierte Jubiläum von «20 Jahre Konzerte am Stephanstag», die alljährlich sehr gut besucht seien.