Petrus hat sich definitiv nicht als Opernfan geoutet: Die drei Tenöre des Staatsopernchores Stuttgart durften zwar im Blumensteinhöfli anstossen, aber zum Singen wurde in den roten Salon disloziert. Zwar bieten Indoor-Auftritte Opernfreaks hochstehendere Klangqualität als Open-Air-Events, da der Publikumsansturm jedoch die Kapazität des Konzert-Salons sprengte, trieb das Tenorfeuerwerk nicht nur den Sängern Schweisströpfchen auf die Stirne. Dank geöffneten Türen schwelgten Belcanto-Enthusiasten auch in der Veranda, im Casanova-Zimmer und im steinernen Saal im Best-of-Reigen. «Dank des Besucherandranges dürfen wir nun auch die Nebenräume des Schlösschens kennen lernen», schmunzelte Stadtpräsident Kurt Fluri und gratulierte den Veranstaltern zum Erfolg.

Die Konzertreihe «Musik im Blumenstein» wurde 1975 als «Matinee im Schloss Blumenstein» vom Pianisten Charles Dobler und einigen Getreuen gegründet. 1999 bekam die jetzige Crew von der Stadt Solothurn – als Eigentümerin des Blumensteins – den Auftrag, das damals im Dornröschenschlaf versunkene und abseits des Zentrums gelegene Blumenstein mit einem neuen Konzert-Konzept zu beleben und bekannt zu machen», skizzierte Fluri die Historie der Reihe, die Künstler wie Patricia Kopatchiskaja, Sol Gabetta, Dimitri Ashkenazy, Peter-Lukas Graf, Hansheinz Schneeberger nach Solothurn brachte.

Der Ursprung der «Marke» der drei Tenöre geht auf die Fussballweltmeisterschaften 1990 zurück, wo Pavarotti, Domingo und Carreras in den römischen Caracalla-Thermen erstmals gemeinsam auftraten und damit die Musikwelt veränderten. Sie holten die Oper vom Sockel des Elitären, machten Arien zu Opernhits, brachten eine neue Lässigkeit in den Klassikbetrieb.

Würdige Nachfahren der drei Tenöre

Ihre Nachfahren Rubén Mora, Juan Pablo Marin und Ivan Yonkov besitzen ebenfalls den Schmelz und das Charisma, welche die Ritter des hohen Cs seit Enrico Caruso auszeichnen. Räumte der Bulgare Ivan Yokov mit dem Verdi-Highlight «La donna e mobile» beim Applaus ab, gewann der Mexikaner Rubén Mora bei «Dein ist mein ganzes Herz» den Jubel des Publikums, während der aus Costa Rica stammende Juan Pablo Marin mit «Granada» reines Tenorglück verströmte.

Begleitet von Poldy Tagle, die den Sängern einen subtilen Klangteppich ausrollte, boten die drei ein furioses Konzert. Die abschliessende Pavarotti-Parodie von «O sole mio» zeigte zudem ihre komödiantische Ader, riss die Zuhörenden zur dritten Standing Ovation hin.

«Aus einem Tagesausflug und spontanem Konzertbesuch wurde ein ‹Happy Day›. Ich konnte nicht mehr stillsitzen, bin noch immer atemlos vor Seligkeit», meinte Margret Trapletti aus Winznau, die erstmals im Blumenstein weilte.

Urs Mühlethaler, der weltweit unzählige Opernhäuser und ihre Protagonisten kennt, schwärmte von den unterschiedlichen Timbres der Sänger, die sich harmonisch mischen. «Wenn die Oper Stuttgart solche Top-Sänger im Opernchor vereint, wundert es nicht, wenn er als Europas bester gehandelt wird», lobte er.