Die Klischees der Geheimnistuerei, der okkulten Rituale oder der «Gschäftlimacherei» sind sie bis heute nie ganz losgeworden: Neben den Freimaurern sind auch andere Gemeinschaften und Serviceclubs mit Mythen konfrontiert, die in Unwissenheit dessen entstanden sind, was im Verborgenen blieb. Doch die Realität sieht anders aus, wie lokale Vertreter ebendieser drei Clubs im Sommerhaus de Vigier ausführlich unter Beweis stellten.

Die Akademie der Generationen hatte zu einer Begegnung mit Vertretern von Rotary, Lions und Kiwanis eingeladen. Diese nutzten die Gelegenheit, um den rund 100 erschienenen Gästen ihre hehren Grundwerte vorzustellen, ebenso wie ihre handfesten Projekte.

Wandel zum humanitären Zweck

In einem geschichtlichen Vorwort umriss Felix Hediger, Mitglied des Patronatskomitees der Akademie, die Ursprünge der Serviceclubs. In den meisten Fällen wurden Männerbünde zur gegenseitigen Existenzsicherung der Logenbrüder gegründet, in einem Zeitalter, als die sozialen Sicherungsmechanismen noch kaum entwickelt waren.

Bald kamen Aspekte des Networkings hinzu, und heute stehen wohltätige Zwecke im Vordergrund.

Über die Einführung hinaus boten Kiwanis-Präsident Markus Boss, Lions-Präsident Gaston Barth und Paul Meier, Past District Governor von Rotary, Einblicke in ihre Institutionen. Ihr Engagement reicht – so wie die Organisationsstrukturen – von weltweiten Engagements bis in die einzelnen Gemeinden, wo die Clubs ebenfalls gemeinschaftsfördernde, soziale oder kulturelle Projekte finanziell, zum Teil aber auch ideell durch Fronarbeit unterstützen.

Konkurrenz – offiziell kein Thema

In einem zweiten Teil liess als Moderator des Abends Theodor Eckert, Chefredaktor der Solothurner Zeitung, die Service-Clubs gegeneinander antreten. Obwohl sich die drei Club-Exponenten nicht so recht auf ein «Gegeneinander» einliessen: Auch dann nicht, als Eckert eine vierte Institution, die «Odd Fellows» ins Spiel brachte, die kürzlich den Anteners vom Aareinseli mit 80 000 für eine neue Fähre unter die Arme griffen. «Konkurrenz oder nicht, das spielt doch keine Rolle, Hauptsache das Geld fliesst ins Solothurnische», witzelte Boss.

Meier befand seinerseits, dass es um das Engagement an und für sich gehe. Auch in Lions-Kreisen hat man sich kaum mit Konkurrenz beschäftigt, so Barth, zumal die eigene Präsenz in der Öffentlichkeit wenig Gewicht hatte. Einige Lacher aus dem Publikum holte sich Boss mit seinem Bonmot: «Rotarier sind steinreich, Lions neureich und Kiwanis erfolgreich.».

Vitamin B ist ein Thema, das im Podium ebenfalls angeschnitten wurde: «Vetterliwirtschaft ist ganz und gar nicht lionistisch», so Barth. Unter Rotariern sei es «verpönt, an Anlässen übers Geschäft zu sprechen», so Meier. Auch bei den Kiwanis sei «Mischeln» kein Thema, meinte Boss, obschon zu Gründungszeiten das «reine Business» und nicht der Service-Gedanke im Vordergrund gestanden habe.

Und nun zur Frauenfrage...

Natürlich kam auch das Gender-Thema nicht zu kurz: Während die Rotarier die Aufnahme von Frauen fördern, sieht es bei den anderen Clubs anders aus. «Zwar sind international gemischte Club zulässig», erklärte Boss. «Wir haben uns aber dagegen entschieden, weil eine gespaltene Meinung dazu herrscht und wir Austritte vermeiden möchten.»

Ebenso sieht es Barth – und: «Unsere Ehefrauen, die ebenfalls mitwirken, haben sich nie darüber beklagt, formell nicht Mitglied zu sein. Meier selbst erachtet die Aufnahme von Frauen als selbstverständlich: «Der Begriff Mitglied ist schliesslich weder männlich noch weiblich.»

Dass das charmante Gefecht mit einem friedlichen Schlusswort endete, ist Ordensschwester Sara Martina zu verdanken. Sie verlieh ihrem Dank Ausdruck – für die Unterstützung, die sie im Laufe der Jahre durch die Clubs bei ihrer Arbeit für Randständige erhalten hatte.