Accoustic Nights
Drei Jahre «pickeln» für diese Musikerin haben sich gelohnt

Zum Jahresabschluss gelang es den Intendanten Chris Rölli und Eva Gauch, nach drei Jahren des Bemühens die englisch-australische Sängerin und Songwriterin Emily Barker an die Acoustic Nights zu verpflichten. Emily kam, sang, spielte und begeisterte.

Jürg Kübli
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Emily Barker.

Emily Barker.

Hansruedi Risen

Auf die Bühne trat eine zarte, feingliedrige Person von geschätzten 20 Jahren. Und im Publikum hörte man so etwas munkeln wie ‹fragil› – so kann ein erster Eindruck täuschen! Denn vom ersten Ton an zeigte sich Emily Barker als eine Künstlerin voller Selbstvertrauen, Können und Power.

Die Bandbreite ihrer Songs reichte von zarten, ungemein fein gezupften Songs bis hin zu wilden vokalen und instrumentalen Ausbrüchen. Die Qualität ihres Schaffens wird mittlerweile zunehmend bei Fernsehen und Film geschätzt.

Und Besucher aus Luzern und Zürich etwa reisten am Donnerstagabend extra nach Solothurn, um die Sängerin von «Nostalgia», dem Titelsong der Krimi-Reihe «Wallander», live zu erleben. Nun, die Reise hat sich gelohnt.

Songwriting on top

Die erste Qualität der in der australischen Provinz (Bridgetown) aufgewachsenen Emily ist das Songwriting, und hier insbesondere die Lyrics. In einer aktuellen Komposition namens «Over my shoulder» besang sie das Schicksal einer Familie, die aus ihrer Heimat fliehen muss, um einen neuen, sicheren Platz zu suchen, wo sie in Frieden leben kann.

Beim Bezahlen des Schleppers schaut dieser der Mutter nicht in die Augen, sondern über die Schulter. Und beide wissen warum. Später, als die Wellen über ihr zusammenschlagen, flüstert sie noch, man solle ihren Kindern nicht sagen, dass sie nie schwimmen gelernt habe.

Weibliche Rock-’n’-Roll-Wurzeln

Unvermittelt setzte sich Emily Barker ans Klavier und erinnerte in einer umwerfenden Jazz-Ballade, komponiert von Emily zusammen mit Boo Hewerdine, an ein Idol.

In einer Art Blue Gospel mit rollendem Klavierspiel und inbrünstigem Gesang huldigte sie einer Wegbereiterin des Rock ’n’ Roll, Sister Rosetta Tharpe. Emily bezeichnete sie als Pionierin in den 40er-Jahren, als sie, vor den ersten Gitarristen, Licks und Shredding auf ihrem Instrument performte.

Sister Rosetta, unbekannt, verarmt und einsam, wurde in Philadelphia in einem namenlosen Grab beigesetzt. Gemäss Frau Barker gab es dafür zwei Gründe: Sie war schwarz, und sie war eine Frau.

Die weisse Emily Barker erwies sich in der Folge als eine Seelenverwandte von Sister Rosetta: A cappella zeigte sie deren «Precïous Memories» mit einer Stimme von tiefem Feeling, grosser Eindringlichkeit und schwarzem Timbre. Das Publikum war vollkommen hin und weg.