«Dreigänger»
Drei Gänge, garniert mit drei Kabarettisten

Das Erfolgsrezept ist einfach: Man nehme drei Restaurants sowie drei Kabarettisten und lasse diese nach der Vorspeise, dem Hauptgang und Dessert auftreten. Drei ausverkaufte Abende in drei Lokalen beweisen die Beliebtheit des Anlasses

Wolfgang Wagmann
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Strapazierten die Lachmuskeln: Gabriel Vetter...

Strapazierten die Lachmuskeln: Gabriel Vetter...

Solothurner Zeitung

Seit neun Jahren richten Marco Lupi und Martin Stebler dieses Menu surprise an, seit dem letzten Jahr gar an drei Abenden. «Und auch diesmal waren die 700 Plätze innert weniger Tage weg», freut sich Lupi. Neu hat das «Salzhaus» den «Löwen» ersetzt, das «Kreuz» und der «Alte Stephan» gehören schon zum «Dreigänger-Inventar».

Dass den Initianten dereinst die Künstler ausgehen, glauben sie nicht. «Doch heuer haben wir ein Trio engagiert, das bereits für uns aufgetreten ist. Nächstes Jahr werden wir wieder zwei bekannte Kabarettisten und einen Newcomer verpflichten, womit auch Solothurner eine Chance erhalten.» Und schon gar keine Sorgen muss sich Lupi ums Publikum machen: «Die Leute schätzen das Gebotene enorm. Und von den Künstlern erhalten wir immer ein sehr positives Feedback zur Ambiance in den Restaurants von Solothurn.»

Gewurstel im Kunsthaus

Der Lachs im Sesammantel auf dem Gurkenbett mit Ingwer hallt noch auf der Zunge nach, da serviert der Schaffhauser Schnellredner Gabriel Vetter die erste «Schlachtplatte». Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Er nimmt die «Salzhaus»-Gäste mit auf einen Besuch von 25 Metzgerlehrlingen – alle über 100 Kilo schwer – ins Kunsthaus Aarau. Keine gute Idee von Frau Vogelsang, der Klassenlehrerin. Denn bald fachsimpeln die Jungs über Probleme wie das Erlegen eines Zitronenfalters mit dem Bolzenschussgerät oder wehklagen, sie hätten lieber eine Kadaversammelstelle besucht.

Chümi-Servelats «der alten Toggenburger Schule»? Oder «Wurst am Bau»? Nein, die Klasse kommt zur Erkenntnis: «Die Wurst ist der Ausgang des Fleisches aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.» Rascher Wechsel zum «Chileli von Wassen», das einst Emil, jetzt ein kleiner Klassenclown zum 100000. Mal rezitiert. Und damit wiederum eine Schulklasse terrorisiert, bis sie zurückschlägt. Mit dem Lied «siebe chugelrundi Söi». Der kleine Clown hält dagegen: «Regardez l’église! Regardez...» Zum Schiessen auch Vetters Betrachtungen zur Souveränität des Souveräns. Was der einmal entschieden hat, das gilt. Auch bei Absurdem: «In der Schweiz werden die Kinder immer noch von Hand geschlagen.»

Zwei Damen – Amen!

Das Schweinsfilet im Lardo-Mantel ebnet das Terrain für ein Duo infernal der Extraklasse: Knuth und Tucek. Oder Nicole und Olga. Die zwei Damen lassen gar nichts aus; in Bern hätten die Leute schon fluchtartig den Saal verlassen. Ihr Lustobjekt: der Offroader. Alles noch harmlos. Spätestens die Beichtstuhl-Elegie über die Handarbeit eines Priester jedoch beweist: Die zwei Powerfrauen haben es faustdick hinter den Ohren, Und deshalb den Salzburger Stier gewonnen. Genauso wie Andreas Thiel, der nur zwei Abende am «Dreigänger» auftritt, aber von «Knuth und Tucek» würdig vertreten wird. Bis hin zum Suggestiv-Gospel «Du bist gut!», der auch ihre Gesangsqualitäten zum Akkordeon unter Beweis stellt.

Bleibt zum Dessert der baumlange Wahloltner Pedro Lenz. Der Meister des Belanglosen, der aus einer Alltagsszene nach der andern Abgründiges zaubert. So wie die Kollektiv-Scham einer Fussgänger-Gruppe, deren Kleinster hartnäckig wissen will, wie ein nasser Labrador stinkt. Und allen stinkts. Zum Grinsen schön. Lenz beherrscht die Klaviatur des feinen Humors, er weckt den Appetit – auf den nächsten «Dreigänger».

Heute Abend findet für die «Dreigänger»-Gäste nach dem Ende des dritten Abends die «Dreigänger-Disco» im Kreuzsaal statt.