Ein wahrer Glücksfall für das Publikum in der seit Wochen schon ausverkauften Jesuitenkirche; Chorleiter Florian Kirchhofer (Luterbach) hat einen bedeutsamen interkantonalen Brückenschlag zwischen seinen drei Chören ermöglicht. Der katholische Kirchenchor Langendorf, der reformierte Kirchenchor Murten und der Projektchor Requiem Basel mit insgesamt 100 Sängerinnen und Sängern sind eine arbeitsintensive Partnerschaft mit einem rund 30-köpfigen Ad-hoc-Orchester unter Konzertmeisterin Sibylla Leuenberger eingegangen, um das Requiem des weltweit anerkannten und vielfach ausgezeichneten 73-jährigen Briten Karl Jenkins und ein weiteres Requiem des 28-jährigen Baslers Raphael Sommer in Murten, Basel und hier in Solothurn als Welturaufführung zu gestalten.

Charaktervolle Prägung

Die 13-teilige Jenkins-Komposition zaubert vielfältige Impressionen vors innere Auge. Das liegt einerseits an der berührenden Interpretation der lateinischen Texte und deren Umsetzung in musikalische Motive, andererseits an der kompositorischen Behandlung von Chorstimmen und Instrumenten in diesem durchaus harmonischen, rhythmisch durchpulsten geistlichen Chorwerk. Geradezu überwältigend klangmächtig und steigerungsfähig formten die Singstimmen dieses Requiem als Toten- und Seelenmesse (von lat. requies), das zusätzlich charaktervolle Prägung durch hervorgehobene instrumental-solistische Begleitung erhält. Eingeführt hat Jenkins im Sinne einer Weltmusik fünf japanisch anmutende Passagen, die von den drei Solo-Vokalistinnen Coretta Bürgi, Karin Scherrer und Susanne Grütter in der typischen Haiku-Form als japanische Kurzlyrik gesungen wurden. Reizvoll wirkte deren Verschmelzung mit den chorischen Messtexten.

Das äusserst wandlungsfähige Orchester verstärkte in Spielweise und Instrumentenwahl den kurzzeitig ostasiatischen Eindruck. Die 12-jährige Oberdörferin Raissa Tropeano gestaltete feinstimmig ein weiteres Solo in der Bitte an den «milden Herrn Jesus», bis schliesslich ein musikalisch vielfarbiges und vor allem tröstendes Bild vom Paradies entstanden war.

Musikalisches Epos

Komponist Raphael Sommer näherte sich auf Anregung von Florian Kirchhofer dem «als Zusatz zu Jenkins» in Auftrag gegeben Requiem fast aus der Sicht eines «musikalischen Reiseschriftstellers». «Mein Werk behandelt eine Reise durch Israel und schliesslich zu uns selber ins Elysium», hatte Sommer seine kompositorische Idee dem Publikum vorgestellt. Entstanden ist ein effektreiches musikalisches Epos, aus dem naturhafte Landschaften in den Teilstücken Galiläa und Palestine und unter Verwendung der Sprachen Katalanisch sowie dem «Vater Unser» auf Aramäisch starke Emotionen sprechen. Deutlich im Werk zu erkennen war Sommers beachtliche Erfahrung als Komponist im «Fantasy-Genre». Das Publikum feierte die begeisternden Kompositionen und besonders alle Beteiligten an diesem eindrücklichen Konzert.