Es gibt Gemeinsamkeiten – es gibt aber auch Unterschiede zwischen den drei Dok-Filmern Christian Frei, Dennis Stauffer und Norbert Kottmann. Gemeinsam ist allen Dreien: Sie zeigen einen Film im Programm der Solothurner Filmtage, sie kennen sich von der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK und sind leidenschaftliche Dokumentarfilmer.

Und die Unterschiede? Christian Frei ist der international erfolgreichste Schweizer Dokumentarfilmer. Er stammt aus Schönenwerd, hat Jahrgang 1959 und unterrichtet neben seinen Filmprojekten an der ZHdK. Dennis Stauffer ist 1990 in Solothurn geboren und schloss vor einem Jahr die ZHdK mit dem Bachelor of Arts ab; ebenso wie sein Kollege Norbert Kottmann, der 1979 in Sursee geboren ist.

Stauffer/Kottmann zeigen im Solothurner Programm ihren bereits viel beachteten Kurzfilm «Digital Immigrants»; Christian Frei ist mit dem Film von Susanne Regina Meures «Raving Iran», bei dem er zum ersten Mal als Produzent auftritt, mit dabei.

Norbert Kottmann und Dennis Stauffer im Interview vor der Vorfühung von «Digital Immigrants»

Wir haben die Macher des Kurzfilms «Digital Immigrants» vor der Vorführung im Kino Canva getroffen.

«Wie wir Dok-Filmer wurden»

Christian Frei erzählt von seinen Anfängen: «Als 17-Jähriger besuchte ich während meiner Seminarzeit in Solothurn einen Super-8-Filmkurs bei Stephan Portmann, kontrollierte dann jeweils während der Filmtage die Tickets im ‹Elite› und bekam so aus der Froschperspektive Einblick in die Filmwelt.» Später arbeitete er bei der Werbefilm-Abteilung der Ciba-Geigy, wo er das Handwerk von der Pike auf lernen konnte. «Mit 28 machte ich mich selbstständig. Ich denke, jeder hat sein inneres Drehbuch für seine Karriere», sagt er zu seinem Lebensentwurf.

Dennis Stauffer wurde zunächst Elektroniker, filmte aber in seiner Freizeit und bewarb sich für einen Studienplatz an der ZhdK. Norbert Kottmann ist eigentlich Informatiker, interessierte sich für Fotografie und Film und fand ebenfalls Aufnahme an der Hochschule. «Ich war schon etwas ‹gebauchpinselt›, als man mich nahm», sagt er und lacht.

Wenn man dann Dok-Filmer ist, wie findet man zu seinen Themen? Eine Frage, die Frei mit dem Ausdruck «Moment der Erkenntnis» umschreibt. Es brauche ein gewisses Mass an Instinkt und das sei etwas, was nicht planbar sei. «Und etwas, das viel Zeit braucht», meinen Stauffer und Kottmann. «Wie viele Filme habe ich schon gesehen und mir gedacht: Warum bin ich nicht selbst drauf gekommen», bekennt auch Frei.

«Filmthemen entwickeln sich naturgemäss aus den eigenen Erfahrungen», ist Kottmann überzeugt und Stauffer berichtet: «Im Vorfeld von ‹Digital Immigrants› hat mich ein Prospekt der ‹Computeria› inspiriert.» «Und dann braucht es auch noch eine bestimmte Haltung, die man zum Thema einnehmen muss, und die man nur in sich selbst findet», ergänzt Frei.

Wie der Dok-Filmregisseur arbeitet

Regisseur eines Dok-Films zu sein, ist etwas anderes, als der Dompteur auf dem Spielfilm-Set mit dem Megafon. «Beim Drehen eines Dok-Films ist die Regiearbeit eigentlich schon vorbei», sagt Frei. Regie heisse hier: Vorarbeit, Recherche, Vertrauen schaffen. «Mit jedem E-Mail, mit jedem Telefon, welches ich mit den Protagonisten wechsle, erledige ich Regie-Arbeit.

«Zeit und Geduldhaben ist sehr wichtig», hat auch Jungfilmer Stauffer erfahren. So hätten sie beispielsweise für ihren 21-minütigen Film 25 Drehtage investiert. Diese Aussage erstaunt gar Christian Frei. «Dabei scheint es, als sei das Ganze an einem Nachmittag entstanden.» Er beglückwünscht die Stauffer und Kottmann zu Ihrem Kurzfilm, der auch schon an anderen Festivals gezeigt wurde.

Solothurn zum Glück

«Mit Kurzfilmen ist es halt noch schwieriger, zu Publikum zu kommen, als mit Langfilmen», sagt Stauffer. Deshalb sei «Solothurn» für sie beide auch enorm wichtig und sie sind froh, im Programm zu sein. «Es ist eine gute Visitenkarte», sagt Kottmann noch. «Es ist klar. Verglichen mit anderen Festivals, die Weltmarken sind, sind die Solothurner Filmtage eine kleine Nummer», sagt Frei.

Doch für die Schweizer Filmszene sei diese Werkschau und das Treffen der Branche enorm wichtig und bereichernd. «Ich komme seit 20 Jahren, wohne immer im gleichen Zimmer und finde, Seraina Rohrer hat die Filmtage unwahrscheinlich dynamisch gemacht.»

Ob sie denn dem Dok-Film für immer treu bleiben wollen? Bei Christian Frei ist das keine Frage. «Ich gehe derzeit hochschwanger mit meinem nächsten Projekt.» Stauffer ist sich ziemlich sicher, dass er in diesem Bereich weiterarbeitet. Doch Kottmann arbeitet auch bei Spielfilmen mit. «Man muss es auf sich zukommen lassen. Der Zufall spielt in unserem Metier immer eine Rolle», sagen alle Drei.