Solothurn

Discherheim-Bewohner üben für den grossen Auftritt in der Manege

Die Bewohner des Discherheims machen Zirkus: Das Programm, das die «Pipistrello»-Zirkusleute mit rund 50 Menschen mit Behinderungen erarbeitet haben, ist am Samstag auf der Rosegghof-Wiese zu sehen.

Das Projekt machte vor zwei Jahren zum ersten Mal Furore: Der Mitmachzirkus Pipistrello errichtete sein Zelt in der Nähe des Solothurner Discherheims und liess die Bewohner zu Akteuren der Manege werden. Der Erfolg schlug ein und schrie nach einer Fortsetzung – dies fand auch Stephan Oberli, Leiter Wohnen im Discherheim.

Und so sind diese Woche wieder rund 50 Discherheim- Bewohner für einen grossen Zirkusauftritt am Samstag auf der Wiese beim Rosegghof am Üben. Gestern Montag fand das grosse «Casting» statt.

Wer moderiert, musiziert, jongliert, spielt den Clown, balanciert, schlüpft in die Rolle eines Tiers oder tanzt? Brigitte Borrer wird einen Löwen mimen, verrät sie nach der Rollenverteilung und gibt eine Kostprobe in Sachen Fauchen. Anja Brand wird sich in der Akrobatik mit Fässern üben und freut sich schon jetzt auf den Moment in der Manege.

Wunschbox für Heimbewohner

«Am Schluss ist jeder dort, wo er hinwill und wo noch jemand unschlüssig ist, helfen wir ihm», sagt Stephan Oberli. Einen Platz im Programm gibts für jeden und jede. «Pipistrello ist eine Wunschbox, bei der fast alles in Erfüllung geht. Vom Lampenschirm bis zum Astronaut kann man jede Rolle verkörpern», weiss Anna Kostyál, Leiterin der Tourneeplanung. «Wir fragen lediglich: Was bringen die Leute mit? Worauf haben sie Lust? Und wie wollen sie sich kostümieren. Und da sind wir als Pipistrello-Team wortwörtlich Traumfänger.»

Acht Nummern à rund fünf Minuten plus umrahmende Musikstücke und Moderationen der Zirkusdirektoren werden bis Samstag Form annehmen. In pflegerischen Situationen wird das Zirkusteam beim Proben von Betreuenden aus dem Discherheim unterstützt. Noch wichtiger für die eigentliche Manegenarbeit ist nicht der sonderpädagogische Hintergrund, sondern die Erfahrung und die Flexibilität, mit unerwarteten Situationen umzugehen.

«Pipistrello»-Zirkusleute erarbeiten mit Discherheim-Bewohnern ein Programm

«Pipistrello»-Zirkusleute erarbeiten mit Discherheim-Bewohnern ein Programm

Seit nunmehr 35 Jahren tingelt die derzeit rund 20 Menschen umfassende Zirkusgruppe herum und bindet «Kinder von 4 bis 99» mit oder ohne Einschränkungen aktiv ins Zirkusprogramm ein. «Und dies ganzheitlich», wie Kostyál ergänzt. Schon beim Aufbau des Zelts und des Wagendorfs beim Rosegghof wurden die Heimbewohner miteinbezogen: «Auch Rollstuhlfahrer haben Hand angelegt und mitgeholfen. So kommen sie früh mit uns in Kontakt.»

Eigentlich sind es die Heimbewohner, die die Gala am Samstag managen und – neben dem Publikum – am meisten profitieren, wie auch Oberli feststellt: «Der Mitmachzirkus ist für die Bewohner Spannung, Lebensfreude und ein Riesenabenteuer.»
Die gleiche Euphorie ist seitens des Zirkusteams zu spüren, die so immer wieder mit neuen Menschen und neuen Weltanschauungen in Berührung kommt – und diese selbst auch vermittelt. Für Anna Kostyál und das ganze Team ist Pipistrello nicht nur ein rein mobiler Arbeitsort. «Es ist eine Lebensform, die wir den Heimen und Schulen durch unser Tun näher bringen.»

Anlässe Sa, 27. Juni, 14 Uhr, Zirkus-Gala mit Discherheim-Bewohnern, Hutkollekte. Mi, 24. Juni, 16.30 Uhr «Kubik. Ein buntes Stück Zirkus», die Show des Zirkusteams von Pipistrello selbst, mit Eintritt. Türöffnung jeweils eine halbe Stunde vor Beginn. Ort: Rosegghof-Wiese.

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