Ein spezieller Anlass ging in der Raumbar der Kulturfabrik Kofmehl mit «Come together» über die Bühne. Kognitiv beeinträchtigte Menschen sollten an diesem Abend die Chance haben, einen ganz normalen «Kofmehl-Abend» zu erleben. Die Idee dazu hatte der 26-jährige Joël Sury, der im Discherheim Solothurn als Pfleger arbeitet und in der Ausbildung zum Sozialpädagogen steckt.

Im Rahmen seiner Diplom-Projektarbeit stellte er dieses Projekt auf die Beine. «Der Abend sollte verbinden und im Zeichen der Inklusion stehen», erklärt Sury. Inklusion, das Teilhaben am gesellschaftlichen Leben, ein wichtiges Thema im sozialen Bereich und das Oberthema von Surys Arbeit. Der Abend solle etwas ganz Spezielles für die Bewohner sein, da sie mal nichts machen müssten, sondern nur geniessen sollen.

Die Betreiber der Kulturfabrik Kofmehl seien Surys erste Wahl gewesen. «Weil sie den Menschen am nächsten sind, finde ich», begründete Sury diese Entscheidung. Der Sänger der Fractura Band und DJ Küsu Walther, die an dem Abend für die Musik zuständig waren, sind gute Freunde von Sury. Das eine führte zum anderen und so konnte dieser Abend realisiert werden.

Alles tanzt mit

Die Türöffnung war um halb sieben und schon kurz darauf strudelten die ersten Besucher und Betreuer rein. Die Freude war gross. Obwohl der Raum noch leer war, fingen die meisten sofort zu tanzen an und auch die Betreuer machten mit. Egal, ob mobil oder im Rollstuhl, tanzen taten fast alle, auf ihre ganz eigene Art und Weise. Mit der Zeit füllte sich die Raumbar des Kofmehl. Heimbewohner aus verschiedenen Ortschaften besuchten den «Come together»-Anlass. Auch aus anderen Pflegeheimen, wie dem Rodania-Heim in Grenchen und dem Solothurner Theresia-Haus, trafen Besucher ein. Der Umgang miteinander war sehr liebevoll, jeder tanzte mit jedem und es kam eine sehr familiäre Stimmung auf. Es gab keine Berührungsängste, keine Scham. Man hatte das Gefühl, dass eine tiefe Verbundenheit zwischen den Heimbewohnern besteht.

Der Anlass orientierte sich an der Normalität und entsprach zugleich den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung. Ein Erlebnis, der ganz besonderen Art. Viele sangen zu den Liedern und grosse Begeisterung kam auf, wenn ein Lied kam, das man kannte. DJ Küsu Walther wusste, wie die Menge zu begeistern. An der Bar konnte man verschiedene Getränke bestellen. Das Kofmehl-Team hatte für diesen Anlass eine kleine Extra-Getränke-Karte zusammengestellt.

«Eine tolle Idee»

Auch Stephan Oberli, Heimleiter des Discherheims, war vor Ort. «Es ist eine tolle Idee und etwas komplett Neues. Einfach super!» Er fände es auch toll, dass die Medien über solche Veranstaltungen berichten. Es sei wichtig, Themen wie diese anzusprechen. Joël Sury freute sich über die vielen Besucher und war angenehm überrascht. «Wer weiss, vielleicht gibt es ja diese Veranstaltung nächstes Jahr wieder.» Auch Verwandte und Freunde von Sury kamen, um ihn zu unterstützen.

Um 20 Uhr performte dann der Live-Act «Fractura». Mit grossem Applaus wurde die Band vom Publikum begrüsst und das Feiern ging weiter. Insgesamt konnte sich Sury und das Kofmehl-Team über rund 150 Partygäste erfreuen. Ein gelungener Abend und für viele sicher ein unvergessliches Erlebnis.