Abertausende von Solothurnerinnen und Solothurnern haben in den letzten Jahrzehnten in der Privatklinik Obach ihren ersten Schrei ausgestossen – ab Februar ist dieses Kapitel Menschwerdung Geschichte: Im Obach, seit 2012 eine von 16 Kliniken, die der Genolier-Gruppe angehören, werden ab Februar 2016 keine Geburten mehr möglich sein.

Die Geburtshilfe in Solothurn werde mit derjenigen in der Privatklinik Villa im Park in Rothrist zusammengelegt, «um die werdenden Mütter und ihre Säuglinge noch besser betreuen zu können», wurde am Donnerstag seitens der Privatklinik Obach mitgeteilt. Die Geburtshilfe gehöre in der Rothrister Klinik zu «den wichtigsten Fachgebieten», und «schon bisher erblickten jährlich rund 750 Kinder dort das Licht der Welt.» In der Privatklinik Obach waren es zuletzt rund 400 Säuglinge jährlich gewesen.

Neubau in Rothrist

Zuständig ist für die Klinik Villa im Park seit zwei Jahren ebenfalls André Bourquin, vorher schon langjähriger Direktor der Privatklinik Obach. «Wir sehen in Rothrist die Chance, die Geburtshilfe in einer Top-Klinik anzusiedeln», spricht Bourquin den dort geplanten, bewilligten Neubau der Klinik Villa im Park an.

Schon jetzt sind dort 40 Betten verfügbar und 13 Fachärztinnen und -ärzte für die Gynäkologie und die Geburtshilfe tätig. Die Klinik Villa im Park werde mit der Einführung von personalisierten Dienstleistungen und dem Neubau über «eine der komfortabelsten und einladendsten Familienabteilungen der Nordwestschweiz verfügen.» Eine Aussage der Medienmitteilung, die der Direktor ergänzt: «Der Trend bei den Geburten geht hin zu den grossen Dienstleistungszentren.» 

Mangel an Belegärzten

Unter der «Vielzahl von Gründen», die zum jetzigen Entscheid geführt hätten, sticht für André Bourquin einer hervor: die Qualitätssicherung. «Es wird immer schwieriger, für zurücktretende Belegärzte Ersatz zu finden», verweist er auf zuletzt zwei Rücktritte und ebensoviele angekündigte im noch sechsköpfigen Ärzteteam. Und damit werde es auch «schwieriger, die Qualität in dieser Tiefe» zu sichern, ist Bourquin überzeugt.

Die Gynäkologie bleibe neben den Fachbereichen wie Orthopädie, viszerale und allgemeine Chirurgie sowie Urologie ein wichtiges Spezialgebiet in der Privatklinik Obach. Schwangere Frauen würden auch weiterhin in Solothurn «kompetent betreut, begeben sich aber für die Entbindung nach Rothrist», tönt es aus der Privatklinik Obach. «Die Belegärzte bleiben, müssen sich aber entscheiden, ob sie in Rothrist oder anderswo die Geburten begleiten», bestätigt Andre Bourquin, dass es im übrigen keinen Stellenabbau gebe. Dies gelte insbesondere für die acht Hebammen in Solothurn, die entweder in Rothrist als Hebammen weiter arbeiten oder sonst im Obach anderweitig beschäftigt werden könnten.

Keine Erosion im Obach

Der Direktor der beiden Kliniken macht auch nicht Kostendruck für den jetzigen Entscheid geltend. «Wir haben in den letzten Jahren laufend in die Privatklinik Obach investiert», und die beiden Gebärsäle würden auch nach der Aufgabe der Geburtshilfe weiter für die Intermediate Care Unit – eine «abgespeckte Intensivstation» – gebraucht, betont Bourquin. Derzeit weist die 1922 gegründete Privatklinik Obach 65 Betten und drei Operationssäle auf. Insgesamt wirken dort 45 Belegärzte.

André Bourqin gibt sich allerdings keinen Illusionen hin, dass sich die bisher 400 Geburten vom Obach nach Rothrist verlagern werden. «Das könnte aber für den Teil östlich von Solothurn wie die Region Balsthal/Niederbipp doch der Fall sein», so der Direktor, der auch die Idee eines speziellen «Packages» für bisherige Obach-Mütter in Rothrist wälzt.

In Solothurn gingen jedenfalls auf Facebook die Emotionen hoch. Eine Userin bringt es wohl auf den Punkt: «Schade, ein Stück Solothurn geht wieder verloren.»