Solothurn
«Digital Immigrants» erhält den Publikumspreis der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur

Der Solothurner Dennis Stauffer und sein Berner Kollege Norbert Kottmann haben den Publikumspreis der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur für ihren Dokumentarfilm «Digital Immigrants» erhalten.

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Vom 8. bis 13. November 2016 fand die 20. Ausgabe der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur statt. Mit über 200 Filmen und 18'500 Eintritten kann das Festival auf eine äusserst erfolgreiche Jubiläumsausgabe zurückblicken.

Nebst den vier Preisen, die eine ausgewählte Jury vergibt, wird an den Kurzfilmtagen jeweils auch der ZKB Publikumspreis verliehen. Das Publikum hatte die Qual der Wahl, ihren Favoriten aus 54 Filmen aus 31 Ländern zu wählen.

Der mit 10'000 Franken dotierte Preis geht in diesem Jahr an «Digital Immigrants» der beiden ZHdK Bachelor-Absolventen Dennis Stauffer aus Solothurn und Norbert Kottmann aus Bern.

Sie freuen sich riesig über den Preis, denn wie Dennis Stauffer erklärt, sei der Publikumspreis eigentlich der beste Preis. «Wir machen ja Filme fürs Publikum und nicht für die Jury.»

Hängt uns das digitale Zeitalter irgendwann ab?

Die herzerwärmende Dokumentation zeichnet den Siegeszug des Heimcomputers in der Schweiz nach und begleitet eine Gruppe Senioren bei ihrem Versuch, den Anschluss ans digitale Zeitalter zu finden. Dabei ist ihr Problem auch unseres: Wie lange können wir mit der rasanten Entwicklung mithalten?

Filmstill aus «Digital Immigrants» Publikumspreisgewinner der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur
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Filmstill aus «Digital Immigrants» Publikumspreisgewinner der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur Mit Archivmaterial des Schweizer Fernsehens wird der Boom der Heimcomputer in den 80er Jahren nacherzählt.
Filmstill aus «Digital Immigrants» Publikumspreisgewinner der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur

Filmstill aus «Digital Immigrants» Publikumspreisgewinner der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur

zvg/Dennis Stauffer & Norbert Kottmann

Auf die Idee zum Film kamen Stauffer und Kottmann über die Computeria, einem Verein, der Seniorinnen und Senioren im Umgang mit neuen Technologien helfen soll. Wie Dennis Stauffer erklärt, gibt es in der Schweiz mittlerweile eine Menge solcher Vereine, denn im Gegensatz zu den «Digital Natives», die schnell auf Veränderungen rund um die Digitalisierung reagieren können, ist es für die sogenannten «Digital Immigrants», also Einwanderer in die digitale Welt, schwieriger sich darauf einzulassen.

Beide Filmemacher bezeichnen sich selbst als «Digital Natives». Beide sind mit der digitalen Technik aufgewachsen und haben mit einer Lehre im Elektronikbereich (Stauffer) und einem Master in Informatik (Kottmann) durchaus auch einen technik-affinen Hintergrund. Und trotzdem merken auch sie, dass es nicht so einfach ist mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt zu halten, wenn man nicht mehr jedem Hype nachgeht. Wir schwer muss es dann wohl sein, sich vollkommen neu auf diese technischen Fortschritte einzulassen?

Mit dem Film wollen sie den Zuschauer auf eine Zeitreise schicken, die mit dem Boom der Heimcomputer in den 80ern beginnt und in den Gedanken des Zuschauers mit der Frage: «Wohin führt die Digitalisierung und was macht sie mit uns?» endet.

«Dieser Film schafft es schnell, einen empathischen Bezug zu den Figuren herzustellen. Das zum Einsatz kommende Fernsehmaterial steuert den nötigen Kontext bei – und lässt uns darüber nachdenken, wie schnell der technologische Fortschritt tatsächlich ist und was dies für jeden Einzelnen bedeutet», meint auch John Canciani, Künstlerischer Leiter der Kurzfilmtage.

Premiere feierte «Digital Immigrants» am Festival del Film in Locarno. Ebenfalls lief er an der Dok Leipzig. Diese Woche läuft der Kurzfilm am internationalen Filmschoolfest Munich.

Den Hauptpreis für den besten Film der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur gewinnt der dänisch-palästinensische Regisseur Mahdi Fleifel für «A man returned» (Grossbritannien/Niederlande/ Libanon/Dänemark 2016), der auch schon an der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet wurde. Den Förderpreis erhält die Belgierin Aline Magrez für ihr Erstlingswerk «NO'I» (Belgien/Vietnam 2016).

Die Preise des Schweizer Wettbewerbs gehen nach Neuenburg und ins Wallis. Der Neuenburger Léonard Kohli erhält den Preis für den besten Schweizer Film für «E.B.C. 5300m» (Schweiz 2015). Der Schweizer Kamerapreis erhält die Walliserin Laurence Bonvin für ihren Kurzfilm «Avant l'envol» (Schweiz 2016). (coh)

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