Solothurn
Dieses Weihnachtsgeschenk ist kein Aprilscherz

Übers Wochenende wurden in Fronarbeit exakt 107 alte Weihnachtsbäume in der Aare bei Solothurn versenkt. Damit sollen den kraut- und haftlaichenden Fischarten mehr Orte für die Fortpflanzung angeboten werden.

Hans Peter Schläfli
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Der Solothurner Fischereiverein auf der Aare in Solothurn bei der Arbeit.
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Solothurner Fischereiverein versenkt Tannli in der Aare
Martin Wagmann beim Znüni: Es gibt Cervelats, nicht etwa Forelle.

Der Solothurner Fischereiverein auf der Aare in Solothurn bei der Arbeit.

Hans Peter Schläfli

Oh Tannenbaum, wie grün waren einst deine Blätter. Spätestens seit die Fischbachs im «Kassensturz» mit ihrer Forderung nach Schadenersatz für ihren erst gerade ein Jahr alten, aber bereits total vertrockneten Weihnachtsbaum gescheitert sind (siehe Video), ist klar, dass es nur eine vernünftige Verwendung für einen alten Tannenbaum gibt: Man muss ihn in die Aare werfen. So sieht man es jedenfalls beim Solothurner Fischereiverein.

Die vom letzten Weihnachtsverkauf und beim Ausholzen übrig gebliebenen Tannenbäume stellte das Forstamt der Bürgergemeinde Solothurn zur Verfügung. Die härteste Knochenarbeit war es, am Freitag für jeden Tannenbaum einen Jutesack mit 30 Kilogramm Kies abzufüllen. «Wir durften die rund drei Tonnen Kies gratis beim Emmenspitz beziehen», erklärt Martin Wagmann, der beim Solothurner Fischereiverein für die Gewässerbewirtschaftung zuständig ist.

«Das Teuerste waren die Jutesäcke, die mit Hanfschnüren an die Bäume gebunden wurden. Es musste Material sein, das schnell verrottet.» Das dauere im Wasser der Aare nur zwei, drei Monate. «Das ist lang genug für die Fische und das Laichen ist abgeschlossen.» Wenn ein solches Tannli zum Kraftwerk in Flumenthal getrieben werde, sei das kein Problem, meint Wagmann. «Das haben wir abgeklärt.»

An einem guten Dutzend Uferstellen, von Lüsslingen bis zum Emmenspitz, wurden Tannenbäume versenkt. «Vor allem die Egli, die bei uns Fischern sehr beliebt sind, haben Freude daran. Aber auch der Hecht kann profitieren. Wir kommen weg vom Aussetzen, wir wollen lieber den Lebensraum der Fische verbessern», sagt Wagmann. «Der Aufwand ist zwar viel grösser, aber es ist sinnvoll, Strukturen für die natürliche Fortpflanzung zu schaffen.»

Beim Versenken der Tannli wurden die Fischer durch die Solothurner Pontoniere mit zwei Booten unterstützt, und so war am Samstagmorgen um 10 Uhr bereits der Lunch angesagt. Es gab nicht etwa geräucherte Forelle, sondern Cervelats. «Wir haben vor, die Tannli-Aktion jeden Frühling durchzuführen», sagt Martin Wagmann.

«Drei Jahre müssen die Egli mindestens wachsen dürfen, bevor man sie fischen darf. Dann werden wir sehen, ob sich der Bestand vermehrt hat.» Diesmal hat der Fischereiverein Solothurn und Umgebung die ganzen Kosten übernommen. «Früher bekamen wir für den Hechtaussatz vom Kanton einen Zustupf. Wir hoffen nun, dass wir in Zukunft für die Tannli-Aktion etwas erhalten werden», sagt Wagmann. «So ungefähr 25 Franken für jedes versenkte Tannli würden unsere Kosten decken.»

Gerade habe er in der Zeitung gelesen, dass in Luterbach schon bald ein grosser Uferpark gebaut wird. Wagmann hofft nun, dass nicht nur die Wege und die Umgebung verschönert werden, sondern dass auch das Ufer renaturiert wird. «Wir würden eine Ufergestaltung mit Schilf gut finden, weil davon die Fische profitieren können. Besonders gut wären auch Seitenarme mit stehendem Altwasser.»

Wagmann, der in Luterbach lebt, erwägt deshalb, bei der öffentlichen Mitwirkung auf die Anliegen der Fischer aufmerksam zu machen. «Bei der Planung der Revitalisierung der unteren Emme wurde ja der Solothurner Kantonale Fischereiverband einbezogen, was sich in ein paar Jahren sehr positiv für unsere Fische auswirken wird», so Martin Wagmann. Dass der Lachs wieder bis in die Emme aufsteigen wird, das werde er aber nicht mehr erleben. «Es gibt alleine in der Aare noch zehn Kraftwerke mit Fischtreppen, die der Lachs nicht überwinden kann. Man muss mit weiteren 80 Jahren rechnen, bis unsere Gewässer so renaturiert sind, dass die einheimischen Fische wieder artgerecht leben können.»

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