Solothurn
Dieses Jazz-Trio aus Solothurn ist in der ganzen Schweiz bekannt

Seit fünf Jahrzehnten offeriert das Six Trutt Trio am Landhausquai musikalische Leckerbissen. Der Beginn der Jazz-Matinées im Restaurant Chutz war ganz locker, erst mit der Vereinsgründung "Jazz im Chutz" wurde es ab 1980 ernsthafter.

Katharina Arni-Howald
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Six Trutt Trio (v.l.): Daniel Trutt (Bass), Six Trutt (Piano) und Aschi Frei (Drums).

Six Trutt Trio (v.l.): Daniel Trutt (Bass), Six Trutt (Piano) und Aschi Frei (Drums).

Solothurner Zeitung

Alles begann vor 50 Jahren. Das Restaurant Chutz war 1964 in seiner heutigen Form gerademal ein Jahr alt. Im neuen Trendlokal stand ein Flügel, der bei den Gästen das Herz höher schlagen liess. Daran erinnert sich auch der Musiker aus Ichertswil, Six Trutt: «Ich sass hie und da im Chutz bei einem Bier, und der damalige Besitzer fragte mich, ob ich nicht ein bisschen spielen möchte.» Zu den Gästen gehörte auch der Posaunist Rolf Rickenbacher, der begann, sich über die musikalische Zukunft im Lokal am Landhausquai Gedanken zu machen. So kam es, dass unter dem Namen «Verein zur Förderung des angenehmen Zusammenlebens» bald einmal in loser Reihenfolge Matinées und Soirées veranstaltet wurden, die auf grosses Interesse stiessen.

In der ganzen Schweiz bekannt

1980 galt es dann ernst: Rolf Rickenbacher gründete mit ein paar Leuten aus seinem Umfeld ganz offiziell den Verein «Jazz im Chutz». Für die von da an regelmässig stattfindenden Konzerte verpflichtete er Jazzschüler aus Bern, die er bei einer Jazzband in Burgdorf kennengelernt hatte. Es dauerte nicht lange, bis auch deren Lehrer von den Konzerten erfuhren. «Sie fragten an, ob sie auch in Solothurn spielen dürfen», blickt Rolf Rickenbacher auf eine aufregende Zeit zurück. «Bald schon waren wir in der ganzen Schweiz bekannt.» Im Vordergrund stand der sich seit 1940 ausbreitende Modern Jazz. Die Chutz-Gäste bekamen Swings, Blues, Latin Jazz und Bebop zu hören – und waren begeistert.

Klar war für Rolf Rickenbacher von Anfang an, dass die angestrebte Qualität nur durch Berufsmusiker gewährleistet werden konnte. Noch heute braucht sich der aus den Mitgliedern Rolf Rickenbacher, Christoph Vonlanthen, Daniel Trutt und Beat Meier bestehende Verein diesbezüglich keine Sorgen zu machen: «Wir erhalten immer wieder Anfragen von Musikern, die im Chutz spielen möchten.» Anstelle von horrenden Honoraren tun sie das vor allem aus Spass. Wie zu Beginn gibt der Verein aber auch immer wieder jungen Jazzmusik-Absolventen die Chance, in Solothurn aufzutreten. Die vielschichtige Besetzung bedeutet, dass man, abgesehen von einer Sommerpause im Chutz sieben bis acht Mal im Jahr in den Genuss von erstklassiger Jazzmusik kommt.

Kantonaler Kulturpreis

Erstklassig war diese auch am letzten Sonntagmorgen, an dem das 50-Jahr-Jubiläum vom Six Trutt Trio, heute bestehend aus Six Trutt (Piano), Daniel Trutt (Bass) und Aschi Frei (Drums) gefeiert wurde. Rund 100 Jazz-Begeisterte, darunter auch zahlreiche Altherren, die die musikalische Chutz-Szene in den vergangenen 50 Jahren mitgeprägt haben, applaudierten begeistert. Am 17. November kann der Verein «Jazz im Chutz» für sein Engagement im Landhaus den kantonalen Kulturpreis entgegennehmen. «Wir freuen uns riesig», so Rickenbacher.

Am Jubiläumskonzert dabei war auch der frühere Redaktor von Radio DRS und Schriftsteller Henrik Rhyn, der in Solothurn geboren und aufgewachsen ist. In seinem soeben erschienenen Büchlein «Die Zeit der Fuchsenhöhle» erinnert er sich an seine Jugendjahre Ende der fünfziger, anfangs der sechziger Jahre im vorigen Jahrhundert. Rhyn beschreibt auf amüsante Weise die schwierigen Jahre der Ich-Wertung als pubertierender Jüngling, beschäftigt sich mit damaligen Wertgefährten und lässt Bilder und Orte aufleben, die bei dieser Generation zum Teil vergessen gingen.

«Wenn man jung ist, liegen Glück und Pech nahe beieinander», weiss der heute im Freiburgischen lebende Solothurner, der es nicht leicht hatte «jemand zu werden» und mit zwanzig aus Solothurn wegzog, weil es ihm in der Heimatstadt zu eng wurde. Heute gehört Rhyn zu jenen Heimwehsolothurnern, die am Samstag regelmässig den Markt besuchen. «Solothurn bedeutet für mich Heimat», sagt er und: «Das Buch hat wie eine Psychoanalyse gewirkt. Jeden Tag ist etwas anderes aufgebrochen.»

Das Büchlein von Henrik Rhyn ist im Eigenverlag erschienen und kann über E-Mail henrik.rhyn@bluewin.ch für 20 Franken bestellt werden.

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