Natur

Dieser Solothurner bastelt an Hotels für Wildbienen

Ein Rundgang durch Felix Amiets Garten versetzt einen in eine andere Welt. Der Solothurner bastelt seit vielen Jahren Hotels für Wildbienen. Immer wieder nisten sich neue Arten bei ihm ein. Hier erklärt der Experte, was ein gutes Bienenhotel ausmacht.

Kaum habe ich an der Türe geklingelt, führt mich der Wildbienenspezialist gleich in den Garten. «I wott nech zersch grad gschwing zeige, wie mini Biendlihotäu usgseh», sagt der 78-Jährige voller Vorfreude. Über viele Jahre hinweg hat er den putzigen, kleinen Kerlchen der Hauswand entlang ein Wohnparadies geschaffen. Ein Standort mit Ausrichtung gen Süden oder Südosten sei am besten geeignet.

Doch das alleine reicht nicht aus, um die Tierchen dauerhaft im eigenen Garten halten zu können: «Rund um das Bienenhotel sollten viele unterschiedliche einheimische Pflanzen und Blumen wachsen. Denn jede Wildbiene hat andere Ansprüche. Sonst ist die Mietskaserne von Anfang an zum Scheitern verurteilt.» Denn wenn die Wildbienen weit wegfliegen müssten, um Nahrung und Baumaterial zu suchen, würden sie einfach woanders einziehen.

Wenn sich eine Wildbiene in Amiets Garten verirrt, will sie mit Sicherheit nie mehr weg. Der pensionierte Biologe und Lehrer zeigt auf die Wiese vor seinen Bienenhotels und beginnt aufzuzählen: «Löwenzahn, Flockenblumen, Baumtropfen, Dill … Die kleinen Viecher haben grosse Freude an meinen Pflanzen.» Die zwei ältesten Bienenhotels, die an Amiets Hausmauer stehen, sind über 20 Jahre alt. Sie bestehen aus aufeinandergeschichteten Holzbrettern, in die er unterschiedlich grosse Löcher gebohrt hat. «In meinem Garten habe ich schon 120 verschiedene Wildbienenarten gesichtet», sagt er stolz.

Dies kann er belegen, denn er führt seit vielen Jahren Tagebuch über seine Beobachtungen. «Wenn ich eine neue Wildbiene in meinem Garten entdecke, fange ich sie mit einem Netz ein und untersuche sie unter dem Binokular.» Später kommt sie mit einem Infozettel zu Art, Ort und Zeitpunkt des Fundes in einen Schaukasten.

Tannzapfen machen wenig Sinn

Dann führt Amiet die Schreibende zu alten Brombeerästen, in die sich seine fliegenden Schützlinge zwischendurch auch einnisten. Viel brauche es nicht, um sie begeistern zu können. Die Materialien seien entscheidend: «Röhrchen, die wie Bambus oder Schilfrohr an einem Ende verschlossen sind und solche mit viel Mark drin eignen sich besonders gut als Bienenbehausung.» Die Löcher der Backsteine seien meist zu gross. Das mögen die kleinen Gäste nicht.

Ein Lochdurchmesser von zwei bis acht Millimetern und zwei bis zwanzig Zentimetern Tiefe seien für eine Behausung optimal. Rundholz eigne sich nicht, da sich während des Trocknungsprozesses Risse bilden können. «In beschädigte Löcher krabbelt keine Biene. Denn dort dringen Milben ein, die ihnen und dem Nachwuchs schaden.» Wer Tannzapfen, Tontöpfchen oder Schneckenhäuser verwenden möchte, kann sich den Aufwand sparen: «Das macht keinen Sinn. In die Tannenzapfen ziehen höchstens Ohrengrübler. Und für exponierte Stellen eignet sich die grosse Öffnung der Schneckenhäuser nicht.»

«Schauen Sie, das hier ist eine ganz besondere Bastelei», sagt Amiet eifrig und führt mich zu Blumenkistchen, die mit einer Mischung aus Sand und Lehm gefüllt sind. Bei genauem Hinsehen sind kleine Löcher erkennbar, in die sich Wildbienen eingenistet haben. Amiets Kreativität scheint grenzenlos. «Die Bienenhotels, die man in den Baumärkten kaufen kann, sind meistens Quatsch. Sie sehen zwar oft wunderschön aus, sind aber zu 99 Prozent unbrauchbar», ist der Rentner überzeugt.

Selber basteln sei einfach, besser und viel kostengünstiger. «De Biendli isches Wurscht wie s Hüsli usgseht. Äs muess eifach praktisch si.» Amiet verschwindet kurz, um sein neustes, buchgrosses Projekt hervorzuholen: «Sie können ein kleines Hölzchen wie dieses mit Löchern versehen und es von der Balkondecke hängen lassen oder in irgendeine Ecke stellen. Das reicht, um Wildbienen anzulocken, wenn die Vegetation rundherum stimmt.»

«I wott wüsse, was louft!»

Gleich über den gefüllten Blumenkistchen liegen grosse Backsteine, die der Bienenfan mit Schilfrohren gefüllt hat. Von Zeit zu Zeit müsse er diese auswechseln, wenn sie wegen Rissen unbewohnbar geworden seien oder wenn sich darin lange nichts tue. Die Wildbienen leben anders als die Honigbienen als Einsiedler in ihrer kleinen Wohnung. «Jede schaut allein zu sich und ihren Nachkommen.» Und da sie nicht angriffslustig seien, müsse man keine Angst haben gestochen zu werden. «Me cha mit dr Nase bis drahäre go beobachte», weiss er.

Und das kann er auch bei seiner raffiniertesten Konstruktion: Ein kleiner Bienenkasten mit Plexiglasscheibe gibt Einblick in das Nest einer Wildbiene, die erst vor wenigen Tagen eingezogen ist. «Wenn ich in meinem Garten lange genug warte, kann ich die unterschiedlichsten Dinge beobachten», sagt Amiet, der die kleinen Kerlchen täglich erforscht. «I wott wüsse, was louft! Es fasziniert mi, was i ihrne winzige Hirneli oues passiert, was si oues chei spichere und lerne.» Mit einem Bienenhotel allein könne man das Bienensterben nicht aufhalten. Wer sich aber zusätzlich als Hobbygärtner versuche und im Garten dauerhaft einheimische Pflanzen ansiedle, sei auf dem richtigen Weg.

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