Jubilieren ist eine schöne Sache, besonders wenn es darum geht, auf eine 300 Jahre alte Firmengeschichte zurückblicken zu können. Genau das kann die Familie Forster. Sie ist Besitzerin der an prominenter Stelle in die Altstadt eingebetteten Hirsch-Apotheke, die sich rühmen darf, eine der ältesten Apotheken in der Stadt Solothurn zu sein und obendrauf auch die einzige, die es in der Innenstadt noch gibt.

Das älteste vorhandene Dokument, das auf den Gründer hinweist, ist ein verzierter Lehrbrief von Peter Joseph Brunner aus dem Jahr 1716. Der Gründervater hat die Apothekerkunst in der Apotheke «Zum Guldenen Löwen» im elsässischen Schlettstatt gelernt.

Wie schriftlich belegt, befand sich die Brunner’sche Apotheke ursprünglich am Fischmarkt (heute Marktplatz) im jetzigen Vigierhof. 1803 erscheint sein Nachkomme Franz Joseph Brunner als Hauseigentümer der Liegenschaft 53 an der Hauptgasse in den Schriften. Die Apotheke blieb bis 1853 im Besitz der Familie Brunner.

Ein Auszug aus dem Ratsmanual von 1790 hält fest, dass Brunner sein Apothekergeschirr künftig nicht mehr beim Brunnen auf dem Marktplatz, sondern im Goldbach waschen müsse. Später wurde die Apotheke vom Schwiegersohn von Xaver Brunner, Adolf Schiessle, übernommen.

1899 erwarb Schiessles Schwiegersohn, Wilhelm Forster, die Liegenschaft samt der Apotheke. Der Name der Hirsch-Apotheke wurde in «Schiessle & Forster» umgewandelt. Seither ist die Apotheke ununterbrochen im Besitz der Apothekerfamilie Forster geblieben.

Immer mehr Dienstleister

Wilhelm Forster stammte aus einer deutschen Apothekerfamilie und fasste früh den Entschluss, in die Schweiz und insbesondere nach Solothurn zu ziehen, obwohl er nicht die geringste Beziehung zu seiner späteren Heimat besass.

Nach dem eidgenössischen Staatsexamen bewarb er sich um den Bürgerbrief und entwickelte sich zu einem geschätzten Wohltäter. Sein Lebenswerk war und blieb aber seine Hirsch-Apotheke, die er 1912 nach dem Eintritt seines ältesten Sohnes Adolf in «Forster & Cie.» umwandelte.

1981 übernahm der jetzige Besitzer, Max Forster das Geschäft von seinem Vater Adolf. Zusammen mit seinem langjährigen Team hat er heuer den 300. Jahrestag der Apotheke gefeiert und ist stolz auf seine bis ins 18. Jahrhundert verfolgbare Familiengeschichte. Stolz präsentiert er den grossen Mörser, der alle Besitzerwechsel überlebt hat und sich einst im Besitz der Familie Brunner befand.

Statt wie damals Salben und Tinkturen herzustellen, ist der Apotheker heute immer mehr zu einem Dienstleister geworden, sagt Max Forster. Stattdessen füllt die Hirsch-Apotheke unter anderem Arzneimittel in Blisterpackungen ab und hilft dem Pflegepersonal in Altersheimen Zeit sparen.

Profitieren von dieser Dienstleistung können aber auch Private, denen das Tabletteneinordnen Mühe macht, oder die dazu keine Lust haben. Geblieben sind trotz der neuen Entwicklung die Prüfung und Abgabe von Arzneimitteln sowie die Beratung und Begleitung der Kunden», betont Max Forster. Seit die Klosterfrauen des Klosters Namen Jesu nicht mehr selbst Medikamente herstellen dürfen, übernimmt die Forster-Apotheke auch diese Aufgabe.

Vor mehr als 20 Jahren gründeten innovative Apothekerinnen und Apotheker die TopPharm-Gruppierung und legten den Grundstein für das Überleben von selbstständigen Apothekern, eine Alternative zu den wachsenden Apothekerketten. Zu den 130 Mitgliedern gehört auch die Familie Forster. Die Genossenschaft bietet Weiterbildungskurse an und sorgt für Qualität, Transparenz, Fairness und Innovation.

Ab nächstem Jahr wird Max Forster die pharmazeutische Verantwortung der Hirsch-Apotheke altershalber einer jungen Apothekerin übergeben. «Am Besitzverhältnis ändert sich nichts», lässt er durchblicken. Weiterhin als Pharma-Betriebsassistentin im Geschäft bleiben wird nebst dem bewährten Team seine Tochter Christine Adam-Forster.