Solothurn

Diese Stimmen fanden mit Bachs Weihnachtsoratorium Eingang in alle Herzen

Bei ihrem alljährlichen Adventskonzert trugen die Solothurner Singknaben Teile des Weihnachtsoratoriums von J.S. Bach vor. Die 40-köpfige Gemeinschaft vermochte das Publikum in der Jesuitenkirche einmal mehr zu überzeugen.

Es gibt in Solothurn geschätzte Traditionen, auf die niemand verzichten will. Dazu zählt das Konzert der Singknaben am dritten Adventswochenende, die jeweils dann das Bach’sche Weihnachtsoratorium aufführen. Diesmal waren es die ausgewählten Teile I, IV und VI.

Da sitzt man dann gerne dicht beieinander in der gut besetzten Jesuitenkirche, hört die bekannten Worte der Weihnachtsbotschaft und ist immer wieder entzückt ob der Fantasie und Kunstfertigkeit in der Musik von Barockmeister Johann Sebastian. Aber ebenso glücklich machte die musikalische Umsetzung, die so unmittelbar Eingang in alle Herzen fand.

Überzeugende Solisten

Die 40-köpfige Gemeinschaft der Singknaben gefiel diesmal besonders gut in Intonation, Sprache und Ausgestaltung von Chören und Chorälen, wie sie ihr Leiter und Dirigent Andreas Reize fast seismografisch in Tempo, Ausdruck und Rhythmus vorgab. Die 24 Angehörigen des Instrumentalensembles cantus firmus consort mit Konzertmeisterin Mechthild Karkow verliehen dem Orchesterklang in seinen berührenden musikalischen Schönheiten – auch dank historischer Instrumente – Glanz und Atmosphäre.

Und natürlich fügten sich ebenso die Solostimmen Meike Leluschko (Sopran), «Countertenor» Jan Börner (Alt) mit seiner biegsamen Stimme, Michael Feyfar als beeindruckend erzählender Evangelist und Tenor sowie Markus Volpert (Bass) in das musikalische Gemälde ein. Wie alle Vokalsolisten beschwor er in poesievollen Rezitativen und Arien die Emotionen im Geschehen um Jesu Geburt, den Besuch der Weisen aus dem Morgenland und die Falschheit des Königs Herodes. Mit den vielen barocken Auszierungen gesungen, erforderten die Vorträge Exaktheit und langen Atem.

Zärtlicher Effekt: Das Sopran-Echo

Man kann Bachs Weihnachtsoratorium immer wieder hören und dabei stets neue Empfindungen erfahren. Eine unter Musikfreunden bekannte Tatsache ist, dass Bach sich bei etlichen Chorälen selbst kopierte. Erfolgsstücke, die er für verschiedene Anlässe geschrieben hatte, fügte er mit veränderten Texten ins Oratorium ein. Die kraftvolle Eröffnung «Jauchzet, frohlocket ...» stammt eigentlich aus einem fürstlichen Geburtstagslied und gefällt mit dem prächtigen Paukensolo. Auch das lyrische «Oh Haupt voll Blut und Wunden ...» passt gut mit den ans Christkind gerichteten Worten «Wie soll ich dich empfangen.»

Im Teil 4 zählte das Sopransolo «Flösst mein Heiland» mit dem, von einem Singknaben-Sopran gesungenen und von einer Flöte untermalten Echo zu den besonders zärtlichen Effekten. Bewundernswürdig gelang auch der Tenor-Auftritt mit zwei Streichern und ihrer Fugato-Begleitung. Eingerahmt war das Konzert durch «Maria durch ein Dornwald ...», «Kommet Ihr Hirten» und ein schwedisches Lied in modernem Satz.

Meistgesehen

Artboard 1