Stadttheater Solothurn

Diese «Romeo und Julia»-Inszenierung hat rein gar nichts zu tun mit Romantik

In einer alles andere als romantischen Inszenierung von Gast-Regisseur Veit Schubert führt das Theater Orchester Biel Solothurn den Shakespeare-Klassiker Romeo und Julia auf.

Schon das Bühnenbild (Stephan Fernau) lässt erahnen: Diese «Romeo und Julia»-Inszenierung hat rein gar nichts zu tun mit Romantik, mit welcher man diese Geschichte gemeinhin assoziiert. Keine lieblichen Balkone, keine Gärten oder italienischen Plätze. Hier stehen Mauern, graue Blöcke, und zwar quer und schief. Im Hintergrund blaues oder rotes Licht (Samuel Schmid) - entsprechend den Emotionen auf der Bühne. Die sphärische Musik (Oliver Urbanski) durchdringt den Raum, tiefgründige Töne, die bis in den Bauch gehen. Dazu passend wird das Stück in der Übersetzung aus der Mitte der Achtzigerjahre von Thomas Brasch (1945-2001) gespielt, Dichter und Shakespeare-Übersetzer. Brasch, in der DDR aufgewachsen und in die BRD immigriert, führte selbst ein shakespeare-würdiges Leben – das nur am Rande.

Das Tobs konnte für diesen Klassiker Gast-Regisseur Veit Schubert gewinnen. Ein Mann des Berliner Ensembles, wo er in Inszenierungen von Regisseuren wie Peter Palitzsch, Heiner Müller oder Peter Zadek mitwirkte. Und dieser Hintergrund lässt sich in seiner Inszenierung nicht verleugnen.

Störrische Julia, brachialer Romeo

«Romeo und Julia» mahnt an eine Familienfehde in einer heutigen Grossstadt. Da wird das Fest der Familie Capulet zur Orgie, Mutter Capulet (Yevgenia Korolov) zur verzweifelten Trinkerin. Julia (Antonia Scharl) ist ein störrischer, schreiender Teenager, Romeo (Dimitri Stapfer) ein melancholischer Berserker. Mercutio (Liliom Lewald) ein übersteigerter Macho und Benvolio (Severin Mauchle) ein genusssüchtiger Schleimer. Graf Paris (Alivse Lindenberger) nimmt, was er kriegen kann und Tybalt (Nico-Alexander Wilhelm) und Capulet (Anjo Czernich) denken nur an ihren eigenen Profit.

Nur die Amme (Barbara Grimm) und Pater Lorenzo (Günter Baumann) glauben noch an das Gute im Menschen; sie sind noch immer überzeugt davon, dass die Liebe am Ende alles erlöst – so oder so. Hervorzuheben sind die körperlichen Leistungen des jungen Ensembles auf dieser Bühne, wo sich Räume aufheben. Die langen und teils witzig choreografierten Fechtszenen (Klaus Figge) erinnern: Das Stück spielt im 16.  Jahrhundert. Als Gegenpol dann wieder die ungewohnt moderne Sprache, auch zotig bis zur Schmerzgrenze. Gefallen haben die Kostüme (ebenfalls Stephan Fernau). Die perfekte Mischung zwischen der Shakespearezeit und dem Heute.

Stadttheater Solothurn: Klaus Figge lehrt dem Ensemble von «Romeo und Julia» das Fechten

Stadttheater Solothurn: Klaus Figge lehrt dem Ensemble von «Romeo und Julia» das Fechten

Seit Anfang Januar proben die Schauspieler gleich mehrere Fecht- und Kampfszenen in «Romeo und Julia». Ihr Lehrer ist Klaus Figge, Koryphäe auf diesem Gebiet. Am 7. März 2020 ist Premiere des Stücks. Besuch einer Probe und Gespräch mit dem Choreografen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1