Am Montag nach der Vorstädterchilbi findet jeweils die Generalversammlung der Bruderschaft Sanctae Margarithae statt. Sie wird saure Leber genannt, weil sich die rund 170 Brüder (Teilnahme ist ihnen Herzensangelegenheit) vor den Traktanden mit «Saurer Leber» stärken.

Dass es dazu auch noch eine halbe Flasche Bürgerwein gibt, ist wohl Grund für das das Bonmot «Saure Leber und Landeron - die einzig wahre Kombination».

Seitenhiebe und Anspielungen

Los ging's nach dem Chilbi-Marsch, gespielt von der Kapelle Gebrüder Reber –seit 52 Jahren dabei – und der Begrüssung durch den Obmann Franz Gamper, mit der Bestimmung der Stimmenzähler. Schon diese bewegt sich am Rande jeglicher Ordnung. Die Rechnungsablage durch Säckelmeister Sacha Bärtschiger muss eher zu den kryptischen Ereignissen gezählt werden.

Er erklärte das Zustandekommen roter Löcher damit, dass bei Sitzungen sich offenbar Wasser in Wein verwandelt und umgekehrt. Dies führte wiederum zu einer Nahezuüberforderung der leidgeprüften Revisoren Gaudenz Oetterli und Rolf Jenni, die dann die Rechnung doch durchgehen liessen, was vom Plenum durch Absingen des Solothurnerliedes akzeptiert wurde.

Das Protokoll der letztjährigen «Sauren», gespickt mit Anspielungen und Seitenhieben, trug dessen Autor Cancellarius Patrick Schwaller vor und erntete Lacher und Applaus. Es folgten Ehrungen und Wahlen. Reto Hess trat nach fast 25 Jahren als Venner zurück, er wurde zum Ehrenbecherträger ernannt. Ihm folgt im Amt Christoph Zeltner. Bestätigt wurden für weitere drei Jahre Obmann Franz Gamper, Cancellarius Patrick Schwaller und Revisor Gaudenz Oetterli.

«Auch in der grössten Ausweglosigkeit, sind wir zum Dienst an Land und Volk bereit», lautet ein Refrain des Bruderschaftsliedes, das aus 170 Kehlen mächtig erschallte und zum letzten Höhepunkt der GV überleitete: Die mittlerweile zum Ehrenprediger respektive Neubruder mutierten Beat Kaufmann und Thierry Carrel erhielten nochmals das Wort.
Pfarrer Beat Kaufmann schloss seine warmherzige Ansprache mit den gereimten Hinweisen: «Es ist die mindre Stadt, die es wirklich in sich hat». Und übergab fliegend an den Festredner «äs trifft is Härz, was är tuet säge, Carrel het drum grad mi Säge.»

Medizinische Disziplinen

«Gestern, an der Chilbi, haben Sie einem Herzchirurgen zugehört; heute aber, zur Sauren Leber, müsste sich eher ein Chirurg der niederen Organe äussern», meinte Thierry Carrel. Und fuhr fort, das Herz, dieser geheimnisvolle Muskel, zeige sich auch in unserem Vokabular und erläuterte dies an vielsagenden Beispielen: Es kann schlagen und klopfen, pochen und hämmern, zittern und flattern, jubeln, erstarren, erglühen, stocken, versagen, brechen, zerspringen.

Es ist nicht ortsgebunden, man kann es auf der Zunge, in der Hose oder auf dem rechten Fleck haben. Und was ist, wenn das Herz der Schwester dem Assistenten und nicht dem Chefarzt zufliegt? Dann folgte sein medizinischer Blick auf die Chilbi: Tagwachtschiessen könnte Hörgeräteabsatz fördern, das Morgenständchen tut dem Herzen gut, Rotweintrinken kann er nur befürworten, Tanzen ist Bewegung. Alles in allem fragte er sich, ob er seine Patienten nicht an die Vorstädterchilbi in die Rehabilitation schicken sollte.

Die Weitspuckmeister

Eine gehalt- und schwungvolle Saure Leber schloss mit dem Kirschkernweitspucken. Hintergedanke dabei: Solothurn solle wieder Stadt mit Speuz werden. Gespuckt wird in Richtung mehrere Stadt; dreht man doch auch beim Chilbitanz mitten auf der Brücke dem mehreren Stadtteil den verlängerten Rücken zu. Der Pokal ging erneut an Dominik Tschanz mit 11,7 Metern. Zweiter wurde wie im Vorjahr Kurt Füeg (9,3 Meter) und Dritter Gaudenz Oetterli mit 9.2 Metern.