Kunstforum/Galerie Abbühl
Diese Künstler bringen schlichte, spielerische Werke nach Solothurn

Doris Kaiser und Michael Cleff sind beide zum dritten Mal im Kunstforum und in der Galerie Abbühl. Beide Künstler stellen architektonische Objekte aus, die mit Einfachheit und speziellen Akzenten zugleich überzeugen.

Eva Buhrfeind
Drucken
Teilen
Gefässe von Michael Cleff und Wandobjekte von Doris Kaiser.

Gefässe von Michael Cleff und Wandobjekte von Doris Kaiser.

Eva Buhrfeind

Zum dritten Mal ist Doris Kaiser im Kunstforum Solothurn präsent und erneut zeigt sich, wie die aus Trier gebürtige Künstlerin ihrer Bildsprache als einer zeitlos-puristischen Klarheit konsequent treu geblieben ist. Stets sind der Ton, der formbare Ursprung plastischer Gestaltungen und Gips, das Element statischer Baugestaltungen, ihr Werkstoff.

Die stringente Reduktion auf absolut konkrete Formen und deren nicht sichtbare, jedoch spürbar inneren Zusammenhänge sind Markenzeichen dieser architektonisch anmutenden Wandobjekte, wie auch die der kubischen Raumelemente. Ihren Arbeiten liegt eine sich hermetisch gebende Geometrie zugrunde, deren minimalistischer Ausdruck von einer inneren Spannung getragen wird. Das beinahe radikale Gestaltungsprinzip der architektonischen Wandarbeiten, das strenge und elegant-glatte Weiss der Gipsflächen, die geradlinigen Flächen und geometrischen Unterteilungen wirken unnahbar.

Doch stets wird das Strenge ein wenig durch feine, zeichenhafte Einschnitte aufgebrochen, durch dezent sich erhebende, architektonische Aufsätze oder schattenwerfende, schmale Kanten und Absätze. Auch in ihren kubischen Raumkörpern konstruiert Doris Kaiser geheimnisvolle Orte, die sich mit der weiss-glatten, monochromen Oberfläche hermetisch zeigen. Wenn da nicht kleine Einblicke, magische Einschnitte und geheimnisvolle Zugänge am Boden wären. Aus Ton geformte, weich wirkende Kissen oder Untersätze als Träger, die die erratische Statik in einer unmerklichen Fragilität halten. Das Kalkulierte und das Schöpferische beziehen dabei ihre Spannung aus der Frage des räumlichen Dahinter, in der Wechselwirkung von aussen und innen, Wahrnehmung und Idee.

Architektonische Gebilde?

Auch Michael Cleff ist zum dritten Mal in Solothurn zu Gast. Bei seinen keramischen Objekten aus Steinzeug – ebenso präzise wie einfach, beinahe spartanisch streng in der auf Weiss, Grau, Schwarz und Beige reduzierten Farbgebung – stellt sich immer wieder die Frage: Was sind sie? Gefässe, architektonische Gebilde, fremdartige Daseinsorte oder die sich experimentell äussernde Idee von architektonischem Kalkül und freiem künstlerischem Konzept?

Mit der Reihe «Über Addition» führt der 1961 geborene Künstler das Zusammenfügen konzeptueller und schöpferischer Formen weiter. Einfache, grad- und hochwandige Module sind zu unnahbar Monumentalem konstruiert, deren subtiler Gefässcharakter ein unbestimmbares Innenleben verspricht und dabei gleichzeitig jeglichen Anspruch auf einen Einblick in das Innere verschliesst.

Schlichte, spielerische Note

Auch die Weiterführung dieser kultisch anmutenden Objekte wird durch einfache Formen bestimmt. Nun aber ist die architektonische Idee noch minimalistischer, reduziert auf schlichte bauliche Grundformen. Archäologisch anmutende Strukturen, die auch als Wandbilder gedacht sind, belebt Michael Cleff, der in Bochum und Hattingen/Ruhr lebt, mit eigenwilligen Akzenten: pastöse Glasuren, die an Organisches denken lassen. Kleine, freier geformte Aufsätze in malerischer Glasur, die an Meissner Porzellanfragmente erinnern. Glasierte Vertiefungen, ganz schlichte, hermetische Konstruktionen, die alle das Rätselhafte – trotz einer spielerischen Note seiner Arbeiten – noch betonen.

Seine wabenartigen Wandarbeiten, geometrische oder ovale Gebilde, öffnen das Erratische und Verschlossene seiner künstlerischen Konzepte. Ihnen ist eine naturhafte Archaik zu eigen, und darüber hinaus eine dreidimensionale zeichnerische Komponente.

Bis 19. September. Geöffnet: Mi/Do/ Fr 14–18.30 Uhr. Sa 11–13/14-17 Uhr.

Aktuelle Nachrichten