Auftritte in der Region
Diese beiden italienischen Baritone sind Komödianten und Freunde

Die italienischen Baritone Michele Govi und Leonardo Galeazzi singen im Museum Blumenstein Solothurn und am Theater Orchester Biel Solothurn.

Silvia Rietz
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Die beiden italienischen Baritone (v.l.) Leonardo Galeazzi und Michele Govi.

Die beiden italienischen Baritone (v.l.) Leonardo Galeazzi und Michele Govi.

Hanspeter Bärtschi

Primadonna Nellie Melba soll gesagt haben: «Die Baritone halten, was die Tenöre versprechen.» Michele Govi und Leonardo Galeazzi wollen dies am Sonntag im Museum Blumenstein mit Buffo-Arien und Duetten beweisen. Am Klavier werden sie von Franco Trinca begleitet – wenn das Wetter mitmacht open-air, ansonsten im roten Salon.

Stehen zwei Baritone gemeinsam auf der Bühne, wird erwartet, dass sie mit amüsanten Opernszenen aufwarten. «Zum Glück ist das Repertoire für zwei Erzkomödianten reich bestückt», freut sich Leonardo Galeazzi. «Bei Duetten lernst du sowieso auch die andere Partie, sodass wir die Rollen beliebig tauschen können. Einmal singe ich den Don Pasquale, das andere Mal den Malatesta. Das macht richtig Spass», schiebt Michele Govi nach. Leonardo Galeazzi meint lachend, dies funktioniere jedoch nicht bei der Paarung Bariton und Tenor.

Kennen gelernt haben sich die beiden Italiener im Sommer 2016 in Genf bei Rossinis «Il signor Bruschino», und im darauffolgenden Herbst sangen sie im Theater Biel-Solothurn alternierend die Titelpartie in «Don Pasquale». Die Sympathie war von Anfang an vorhanden. Über Gespräche nach den Vorstellungen wuchs aus der Bühnen-Kameradschaft eine Freundschaft.

Eine grosse Sehnsucht nach dem Theater

Sowohl Galeazzi als auch Govi sehnen sich nach den Corona-Einschränkungen nach dem Theater. Govi verbrachte die Ausgangssperre in Cremona, nahe dem Corona-Hotspot Bergamo. «Wir waren nur zuhause. Einmal wöchentlich ging ich einkaufen. Ich habe angefangen, die Rezepte meiner aus Bari stammenden Mutter nachzukochen und so die Auftrittspause kulinarisch zu nutzen.» Kollege Galeazzi zog sich in die Berge zurück, werkelte am Gemäuer seines Hauses und im Garten, genoss einsame Spaziergänge. Seit kurzem proben sie in Biel für Rossinis «Italienerin in Algier» des Tobs und für die Opern-Matinee im Blumenstein.

Immer an ihrer Seite ist Maestro Trinca. «Es ist ein Vorteil, wenn der Pianist auch Dirigent ist», stellen sie fest. Ein Pianist spiele den Notentext, ein Dirigent kenne die ganze Partitur. Setze die Tempi so, dass sie den Sängern das Atmen erleichtern. «Ein Direttore wie Franco begleitet nicht nur, sondern fühlt mit», bringt es Michele Govi auf den Punkt. Davon werden die Zwei auch beim berühmten Duett aus «Don Pasquale» profitieren, wenn das Klavier die aberwitzig rasante Schimpftirade der Protagonisten untermalt.

«Grosse Nähe zum Publikum»

Die Lieblingsstücke des Blumenstein-Programms stammen jedoch bei beiden Opernstars aus weniger bekannten Meisterwerken. Govi mag das Duett aus Cimarosas «Il matrimonio segreto» besonders am Herzen. Galeazzi hingegen liebt die Szene aus Donizettis «Il Campanello». «Ich spiele einen kranken Sänger und kann komödiantisch aus dem Vollen schöpfen». So wie bei den lustigen Disputen aus Rossinis «La Cenerentola» und Donizettis «Liebestrank».

«Die intime Atmosphäre im Blumenstein und im Stadttheater erzeugt eine grosse Nähe zum Publikum, lässt die Funken springen», konstatiert er. Dies aus dem Munde eines Sängers, der an vielen grossen Häusern und an der Scala aufgetreten ist. Der ebenfalls international tätige Michele Govi nickt: «Nicht das Renommee eines Theaters ist entscheidend. Ein harmonisches Team wie auch die Wärme und Begeisterungsfähigkeit des Publikums führen zu Sternstunden. Deswegen singen wir so gerne in Solothurn.»

Sonntag, 23. 8., 11.00 Uhr, Matinee Museum Blumenstein Solothurn.
Am 18. 9. Premiere in Biel mit Rossinis «L’italiana in Algeri».