Wahlkampf
Diese Bankwerbung finden im Wahlkampf nicht alle toll

Seit dieser Woche lacht uns Kurt Fluri auch von fremden Plakaten entgegen. Die Werbung der Regiobank Solothurn kommt nicht überall gut an. Ein Leserbriefschreiber ärgert sich über die «mangelnde politische Sensibilität» der Solothurner Bank.

Wolfgang Wagmann
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Es ist Wahlkampf in den solothurnischen Landen. Beim Soldatendenkmal vis-à-vis lachen nebeneinander Susan von Sury für die CVP, Kurt Fluri und Beat Käch dagegen für die FDP von recht kleinformatigen Plakaten – paradoxerweise aber nicht CVP-Mann Pirmin Bischof, obwohl er unmittelbar hinter der Wahlwerbung sein Büro hat. Gleich neben dem «Müllerhof» nervt sich dafür der Mann der Nationalratskandidatin Susan von Sury über ganz andere Plakate: In einem Leserbrief (vgl. gestrige Ausgabe) attackiert Felix von Sury das «Sponsoring» eines massiv grösseren Plakats mit dem Konterfei von Kurt Fluri durch die Regiobank.

Beispielsweise zu sehen an der Bürenstrasse in der Vorstadt, wenige Meter neben einem ebenso grossen CVP-Wahlkampfplakat. Der «verärgerte Stadtbürger, Bankkunde und Aktionär» von Sury wirft in seinem Leserbrief den «Oberen der Regiobank» mangelnde politische Sensibilität vor, wähnt sich gar in einer Bananenrepublik und fragt zuletzt demonstrativ: «Lieber Kurt Fluri, hast Du das wirklich nötig?»

Fluri nimmts gelassen

Tatsächlich nimmt das Plakat mit einem hemdsärmelig auftretenden Kurt Fluri, der vor St. Ursen auf die Bürenstrasse hinablächelt, keinerlei Bezug auf den aktuell offenbar gewaltig in Gang gekommen Wahlkampf. Nicht einmal Fluris Name ist auf dem Plakat zu lesen, aber man erfährt immerhin, dass die abgebildete Person Aktionär der Regiobank ist.

Wer die Person jedoch identifiziert, weiss, dass es sich um Stadtpräsident Kurt Fluri handelt, den VRVizepräsidenten der Regiobank Solothurn, FDP-Nationalrat und Kandidat für den Ständerat. Und als Stadtpräsident ist Fluri auch ein gewichtiger Aktionär: Die Stadt hält noch immer 23 Prozent des Aktienkapitals der Regiobank. «Ich habe wirklich keinen Einfluss auf das Plakat genommen, auch keinen auf den Zeitpunkt des Erscheinens», betont Fluri. Die Plakataktion sei auch nie Thema an einer Verwaltungsratssitzung gewesen, die Werbeabteilung der Bank habe ihn lediglich angefragt, ob er für eine Werbeaktion zur Verfügung stehe. «Dann wurde vor den Sommerferien eine Viertelstunde lang fotografiert.» Und zur Interpretation von Surys, die Regiobank unterstütze seinen Wahlkampf, winkt Fluri ab: «Das würde mir ja eher schaden als nützen.» Und so lässt er sich auch nicht vom Leserbrief beeindrucken: «Ich würde jedenfalls niemanden anrufen, um es (das Plakat) entfernen zu lassen.»

«Wir sind froh, hat er mitgemacht»

Tatsächlich gibt es auch noch andere Sujets auf Plakaten mit der gleichen Aussage – beispielsweise eine junge, aber unbekannte Frau, die als Aktionärin für ihre Bank wirbt. «Wir sind froh, konnten wir mit Kurt Fluri einen prominenten neuen Aktionär gewinnen und hat er bei unserer Werbeaktion mitgemacht», erklärt dazu Felix Leuenberger, VR-Präsident der Regiobank. Die Werbeabteilung der Bank habe Fluri für die Plakataktion angefragt, «und nicht er uns», weist Leuenberger den Verdacht von Surys, die Bank habe sich in den Wahlkampf des Stadtpräsidenten einspannen lassen, weit von sich. Die Werbeaktion verfolge nur die Absicht, für neue Aktionäre zu werben – ob der Zeitpunkt dafür mit dem Kandidaten Fluri günstig sei, dazu äussert sich der VR-Präsident nicht.

Dass die Werbeaktion und damit die angebliche Wahlkampf-Unterstützung Fluris jemals ein Thema auf der Führungsebene der Bank gewesen sei, dementiert auch RegiobankVerwaltungsrat Bruno Walter, langjähriger CVP-Gemeinderat und seinerzeit als Stadtvertreter seiner Partei ins Gremium gewählt. «Ich wusste von der Kampagne nichts – sie war im Verwaltungsrat nie ein Thema gewesen. Und deshalb kann ich dazu auch nichts sagen.»

CVP bleibt auf Distanz

Keine Rückendeckung erhält Leserbriefschreiber Felix von Sury von offizieller CVP-Seite. Annelies Peduzzi, Präsidentin der Kantonalpartei: «Natürlich kommt es mitunter im Wahlkampf zu komischen Auswüchsen. Aber in dieser Angelegenhit sind wir nicht aktiv – ich habe das Plakat auch noch gar nicht gesehen.» Das Ganze sei von Surys private Angelegenheit, «wenn wir ein Problem haben, melden wir uns dazu mit einer offiziellen Stellungnahme».

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