Anfang 2009 ist mit Verena Dubacher die erste Frau seit 600 Jahren in die Einsiedelei in der Verenaschlucht eingezogen.

Seither hatte sie sich um die Schlucht, die Kapelle und deren Besucher gekümmert - bis sie die Anstellung als Einsiedlerin aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hat.

Doch was waren eigentlich ihre genauen Aufgaben? «Die Hauptaufgabe von Verena Dubacher war es, für die Betreuung und Instandhaltung der Kapelle in der Verenaschlucht zu sorgen», erklärt Sergio Wyniger Bürgergemeindepräsident der Bürgergemeinde Stadt Solothurn.

«Ein wichtiger Teil davon bestand darin, mit dem Sakristanendienst bei Hochzeiten und Taufen mitzuhelfen. Zu ihren Aufgaben gehörte es aber auch, sich um die Kapelle zu kümmern und so beispielsweise Kerzen auszuwechseln und Wachreste zu entfernen», so Wyniger weiter.

Viel mehr als ein Abwart

Ausserdem sei es Verenas Aufgabe gewesen, die Verenaschlucht sauber und gut begehbar zu halten. So habe sie den Abfall eingesammelt, welchen Wanderer und Besucher hinterlassen haben und im Winter sogar Schnee geschippt.

Man können durchaus sagen, meint Wyniger, dass es zu den Aufgaben der Einsiedlerin gehört habe, die Rolle des Abwarts der Verenaschlucht zu übernehmen. Doch natürlich sei Verena viel mehr als nur ein Abwart der Schlucht gewesen.

Zu ihren Aufgaben habe es auch gehört, den Kontakt zu den Besuchern der Einsiedelei zu pflegen. So habe sie Besuchern die Geschichte der Verenaschlucht und die Legende hinter der Einsiedelei erzählt, aber auch Fragen über ihr Leben in der Einsiedelei beantwortet.

Kriterien noch nicht klar

Die wichtigsten Aufgaben werden nach dem Weggang von Verena Dubacher von deren Stellvertreterin und von Solodaris-Mitarbeitenden erledigt. Die Bürgergemeinde Stadt Solothurn hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um zu klären, wer die Nachfolge der Einsiedlerin antreten soll.

«Nach welchen Kriterien der Nachfolger bestimmt werden soll, ist noch nicht klar. Dies festzulegen ist ebenfalls die Aufgabe der Arbeitsgruppe», meint Sergio Wyniger.

Was der neue Einsiedler jedoch sicher mitbringen müsse, sei die Bereitschaft, einen grossen Teil seiner Zeit alleine in der Schlucht zu leben. Aber auch die Bereitschaft den Kontakt zu Besuchern der Schlucht zu pflegen und sich mit ihnen zu unterhalten. «Ich gebe zu, das scheint ein wenig widersprüchlich, aber bei einem Ort, der so beliebt ist wie die Verenaschlucht, muss ein Einsiedler beide dieser Eigenschaften mit sich bringen».

Es sei durchaus denkbar, dass sich der Aufgabenbereich von Verenas Nachfolger verändern werde oder dass dieser nicht das ganze Jahr in der Einsiedelei leben werde. «Verenas Vorgänger hat auch nicht das ganze Jahr über in der Schlucht gelebt, wenn es im Winter zu kalt wurde, ist er jeweils für einige Monate aus der Schlucht ausgezogen», so Wyniger.

Keine Teilzeitstelle

Die Anstellung in der Einsiedelei solle aber keinesfalls mit einer Teilzeitstelle belegt werden. Es sei wichtig, dass die Einsiedelei im Frühling und Sommer beziehungsweise in der Zeit, in welcher viele Besucher den Weg in die Verenaschlucht finden, besetzt sei.

Wie lange es dauern wird, bis Verenas Nachfolge geregelt ist, ist nach Wynigers Aussage noch nicht absehbar. Die eingesetzte Arbeitsgruppe werde sich aber bemühen, möglichst schnell festzulegen, wie es mit der Einsiedelei in der Verenaschlucht weitergehen soll.