Solothurn/Zuchwil
Die Zeiten für Märchen sind schlecht - Theater Mausefalle muss wegen Corona-Virus Produktion absagen

Für das Solothurner Theater Mausefalle ist der Verzicht auf die Märchen-Aufführung «Bremer Stadtmusikanten» wegen des Corona-Virus mehr als nur ein finanzieller Verlust.

Helmth Zipperlen
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Vizepräsident Silvan Andraschko sowie Jana Zimmermann und Sofia Meszaros vom Märli-Team begründen die Absage.

Vizepräsident Silvan Andraschko sowie Jana Zimmermann und Sofia Meszaros vom Märli-Team begründen die Absage.

Tom Ulrich

Eigentlich hätten der Esel Jeremias, der Hund Balduin, die Katze Celestine und der Hahn Rufus am kommenden Sonntag um 14 Uhr im Theater Mausefalle als die «Bremer Stadtmusikanten» eine gut gelaunte Kinderschar begrüssen sollen. Dem Vorhaben hat nun allerdings der Coronavirus ein vorzeitiges Ende bereitet. In einer kurzfristig einberufenen Presseorientierung gaben Silvan Andraschko, Vizepräsident der Mausefalle, Sofia Mészàros und Jana Zimmermann – im Vorstandsmitglieder und auch Mitglieder des Märliteams – bekannt, dass sie sich schweren Herzens entschlossen hätten, die Märchenvorstellungen abzusagen.

Seit 1998 werden im Frühling in der Mausefalle stets Märchen in einer eigenen, sehr kindergerechten Art mit grossem Erfolg aufgeführt. Auch für die «Bremer Stadtmusikanten» wäre der Vorverkauf «hervorragend gelaufen». Sein verantwortungsbewusstes Handeln begründet das Team zusätzlich damit, dass «die Kinder jeweils nahe beisammen vor der Bühne am Boden sitzen, so dass kein Abstand eingehalten werden kann und häufig Grosseltern mit ihren Enkeln in die Vorstellungen kommen.»

Da es sich diesmal um ein recht aufwendiges Singspiel gehandelt hätte, will man die Aufführungen innert Jahresfrist nachholen. Für die Mausefalle bedeute dies auch eine erhebliche finanzielle Einbusse. Diese könne jedoch im Moment dank grosszügiger Sponsorengelder gemildert werden.

Eine einzigartige Märchentradition

Die seit 22 Jahren vom Ensemble der Mausefalle produzierten Märchen wurden bald zu einer einzigartigen Tradition. Es sind übrigens die einzigen Aufführungen in Mundart. Die Ausführenden haben von Anfang an das Märchen ernst genommen und sind mit viel Spielfreude ans Werk gegangen. Da wurden selbst gestandene Ensemblemitglieder wieder zu Kindern. Ein Name ist ganz besonders zu nennen: Marie-Jeanne Traut. Sie hat die meisten klassischen Märchen für die Bühne bearbeitet, kannte natürlich alle Mitwirkenden und konnte so Rollen auf den Leib schreiben.

Seit dem Umzug des Theaters an den heutigen Standort wurde die Logistik erheblich verbessert. So konnten die Kinder ganz vorne vor der Bühne auf Kissen sitzen und das Geschehen hautnah verfolgen. Eltern oder Grosseltern haben indessen auf den bequemen Saalstühlen Platz genommen. Jeanne-Marie Traut hat jeweils zwei Figuren geschrieben, die einerseits als Erzähler(innen oder Erzähler mitwirkten, aber dennoch aktiv ins Spiel eingriffen. Sie kommunizierten jeweils auch mit den Kindern.

Beim «Gestiefelten Kater» waren es 2004 die Bauernbuben Pepi und Pipo, welche über die Bühne tollten und sich versteckten, weil sie nicht heuen wollten. Als sie dann die Kinder wahrnahmen, begannen sie mit der Erzählung.

Um den Kindern auch etwas zum Sehen zu bieten, wurde bei den Kostümen nicht gespart. Könige traten in purpurroten Mänteln auf, Königinnen und Prinzessinnen in historischen Gewändern. Die Bühne war meist so gestaltet, dass sie nicht gross umgebaut werden musste.

Ein ganz besonderes Erlebnis für die Kinder war es auch immer, wenn sie am Vorstellungsende die spalierstehenden Protagonisten passieren und ihnen die Hand reichen oder ein Selfie machen konnten.