Wildtiere

Die Wildnis beginnt direkt vor der Haustür

Mitten in der Stadt Solothurn sagen sich sogar Fuchs und Hase gute Nacht, denn nicht gerade wenige Wildtiere leben in urbanen Gefielden. Wir haben uns auf die Suche nach ihnen gemacht.

Volkszählung einmal anders: Die Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie lanciert einen neuen Atlas, in dem alle in der Schweiz lebenden Säugetierarten eingetragen sind. Die Bevölkerung soll dabei aktiv mithelfen und Sichtungen von Säugetieren melden.

Weit gefehlt, wer jetzt denkt, als Stadtbewohner hätte man nichts zu melden. Die Fauna ist auch in urbanem Gebiet präsent: «Es gibt eine breite Palette an Wildtieren in der Stadt, auch in Solothurn», sagt der Zoologe und Biologe Thomas Briner, Leiter des Naturmuseums Solothurn. «Füchse, Rehe, Igel, Hasen oder Dachse können sich auch in besiedelten Gebieten wohlfühlen.» Die Verzahnung von Stadt und Land schreite stetig voran, das ermögliche den Tieren mehr Zugänge zu anderen Lebensräumen, so Briner.

Wildtiere niemals füttern

Thomas Briner betont aber ausdrücklich, dass Wildtiere niemals gefüttert werden dürfen, auch wenn sich diese zuweilen nah an Häuser heranwagen. Den Gedanken dahinter kann er trotzdem gut verstehen: «Eigentlich ist es ja etwas Positives, wenn die Bevölkerung Interesse und Fürsorge für Wildtiere zeigt.

Es scheint ein tief verankertes Bedürfnis zu sein, dass die Menschen den Tieren helfen wollen.» Schliesslich sei es ja auch sehr spannend, ein Reh oder einen Igel im Garten zu haben und sie dank des hingestellten Futters näher beobachten zu können. «Aber so verlieren sie ihre natürliche Scheu, das führt nur zu Problemen. Am Schluss hat meistens das Tier das Nachsehen.» Füchse oder Igel sind aber nicht die Einzigen, die sich vermehrt in die Stadt wagen: «Der Dachs ist bei uns auf dem Vormarsch», sagt der Museumsleiter.

Briner erachtet es als wichtig, dass städtische Grünräume erhalten und gefördert werden, damit Wildtiere Lebensräume finden. Er macht auf eine spannende Entwicklung aufmerksam: «Ökologisch gestalteter Raum in Städten wird immer wichtiger. Naturschutzgebiete sind wir uns zum Beispiel in den Bergen gewohnt.

Die Natur in den Siedlungsräumen muss aber ebenfalls geschützt werden, um die Artenvielfalt zu erhalten.» Wichtig dabei ist insbesondere, dass die Grünflächen Strukturen aufweisen. Ob das Stein- oder Asthäufen, Hecken oder Gewässerläufe sind – es gibt viele Möglichkeiten. Darin finden dann beispielsweise Mäuse einen Lebensraum und die wiederum stehen auf dem Speiseplan des Fuchses.

Hotel für Krabbeltiere

Auch Patrick Schärer, Leiter des Werkhofes, kennt die tierischen Bewohner der Stadt: «Grössere Tiere wie Füchse und Rehe sind mir in der Stadt zwar noch nie begegnet. Igel, Eidechsen und Blindschleichen sehen wir aber häufiger.» Ein Mitarbeiter habe sogar einmal einen Dachs gesichtet.

Und dann gibt es da noch einen weiteren haarigen Zeitgenossen, der die Werkhofmitarbeiter auf Trab hält: «Der Biber ist sehr aktiv an der Aare», so Schärer. Regelmässig müsse überprüft werden, ob der Biber keine gefährlich angefressenen Baumstämme hinterlassen hat.

Die Wichtigkeit der Natur in der Stadt Solothurn hat man erkannt: «Wir achten darauf, dass bestimmte Grünflächen natürlich belassen werden», sagt der Werkhofleiter. Als Vorzeigebeispiel ist dabei die Wiese an der Werkstrasse neben der Regio Energie: Diese hat die Stadt Solothurn in Zusammenarbeit mit dem Naturmuseum gestaltet.

Hier findet sich ein Steinhaufen, Totholz, einheimische Wildblumen und sogar ein Insektenhotel. «Thomas Briner vom Naturmuseum hätte sich noch mehr Steine und Asthaufen gewünscht», erzählt Schärer schmunzelnd. Hinsichtlich der Gefahr von Vandalismus habe man aber davon absehen müssen.

Für die Mitarbeiter des Solothurner Werkhofes sei die tägliche Arbeit ohnehin zuweilen eine Gratwanderung: «Wenn wir eine Wiese früh mähen, beschweren sich manche Leute und sagen, dass man doch jetzt nicht schon mähen könne.

Warten wir länger, heisst es, wir würden die Anlagen zu wenig pflegen», so Schärer. Dann suche man halt das Gespräch und schaffe Verständnis, fügt er an.

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