Solothurn West
Die Weststadt ist für Visionäre ein weites Feld

Quartierladen, Schule, Image: Wie soll sich das Quartier Solothurn West weiter entwickeln? Studierende der Hochschule Luzern präsentieren genau dazu Ideen und Anregungen.

Wolfgang Wagmann
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27 Studierende der Hochschule Luzern präsentierten am Mittwoch in einer spannenden «Werkstatt», was sie während eines Semesters aus der Weststadt «herausgefiltert» hatten. Die Hochschule betreut bekanntlich seit Jahren das Quartierentwicklungsprojekt Solothurn West, und für die Luzerner Studienleiterin der sogenannten Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung, Professorin Colette Peter, stand vorab eines fest: «Wir brauchen für unsere Arbeit Praxispartner wie hier die Stadt Solothurn. Im günstigsten Fall profitieren beide.»

Sie machte auch darauf aufmerksam, dass die Studierenden noch nebenbei gearbeitet hätten, doch trotzdem liess sich das Resultat sehen: Die fünf Teams präsentierten nämlich saubere Dokumentationen zu den Themen «Schule», «Verzahnung von Solothurn West mit dem Projekt Weitblick», «Altersgerechtes Quartier», «Imageverbesserung» oder «Brandingprozess zum Projekt immosol» und letztens befasste sich eine Gruppe mit dem angedachten Quartierzentrum Solothurn West.

Was passiert mit «Weitblick»?

Zahlreiche Mitglieder des Gemeinderates, Stadtpräsident Kurt Fluri und dessen Stellvertreterin Barbara Streit, aber auch Verwaltungsleiterinnen wie Schuldirektorin Irene Schori oder Domenica Senti (Soziale Dienste) hatten sich zu den Werkstatt-Präsentationen eingefunden. Besonders interessierte sich Stadtplaner Daniel Laubscher für die Sechsergruppe, die sich mit der «Verzahnung von Solothurn West mit dem Neubauprojekt Weitblick» auseinandergesetzt hatte. Mitglied Florian Schuppli betonte: «Wir haben für Weitblick eine Zeitachse bis 2022 angeschaut.»

Stadtpräsident Kurt Fluri: «Für uns ist das ein Glücksfall»

In der Brühl-Aula ein interessierter Beobachter war auch Stadtpräsident Kurt Fluri: «Für uns ist das ein Glücksfall», meinte er zum Studiengang, «dadurch kommen wir sehr günstig zu Ideen.» Vor allem seien diese sehr praxisbezogen «und haben deshalb ein hohes Realisierungspotenzial». Riesige Investitionen sieht Fluri nicht auf die Stadt zukommen, «beim Quartierzentrum kann ein gewisser Teil über Investoren und die Schaffung von Gemeinschaftsräumen finanziert werden». Die von einer Gruppe genannten Millionenbeträge für den Henzihof kann der Stadtpräsident nicht bestätigen: «Es ist zu früh, hier von Kosten zu reden. Klar ist aber, dass das Gebäude nicht erhaltenswert ist. Das Areal ist aber dank seiner guten öV-Anbindung für ein Quartierzentrum interessant. (ww)

Eine relativ lange Realisierungsdauer, die Laubscher so bestätigte. Einig waren sich Stadtplaner und Studierende insofern, als während der langen Überbauungszeit Zwischennutzungen möglich sein sollten. «Die kommen von selbst, verordnen kann man die nicht», dazu Laubscher. Immerhin, unkonventionelle Vorschläge brachten die «Studiosi» einige auf den Tisch: Etwa einen «Elfiweg» für Familien zur Zahl Elf, eine Schnitzelpiste quer durch das völlig der Stadt gehörende «Weitblick»-Areal und die Weststadt, eine «Weitfarm» auf dem Henzihof-Areal, wo «Familien, Migranten, Enthusiasten, aber auch Pensionierte und Schüler» Gemüse anbauen könnten, dann aber auch Ateliers für Kunstschaffende oder wiederum für sportlich Ambitionierte einen «Dirtbike-Park.»

Kaum ein Quartierladen

Spannend auch die Diskussionen in der Gruppe «Altersgerechtes Quartier. Könnte ein Quartierladen die Weststadt aufwerten? Gruppensprecherin Jenny Just: «Ein Quartierladen braucht Engagement der Quartierbewohner, ja sogar Beiträge, um dessen Existenz zu sichern. Das Potenzial für einen Quartierladen schätzen wir in der Weststadt als zu klein ein», meinte sie offen. Eher Chancen sieht man in einem Hauslieferdienst für ältere Bewohner, der sogar Entsorgungen anbieten könnte, oder in einer mobilen Bäckerei. Auch die Idee eines Mittagstischs im Quartier beschäftigte. Eva Gauch, Leiterin des Alten Spitals, meinte etwa, «nur ein Angebot reicht nicht, man muss auf die Leute zugehen.» Und Debora Mathis, neu zuständig für die Quartierarbeit in der Weststadt, verwies aufgrund ihrer Mittagstisch-Erfahrung in Luzern, das eine solche Institution etlichen Aufwand mit sich bringe.

Der Henzihof soll es sein

Viel Diskussionsstoff boten auch die Gruppen, die sich der Imagepflege im Schulhaus Brühl und der Weststadt ganz generell gewidmet hatten. Sehr konkret wurde das Team, das sich mit einem Treffpunkt für alle Bevölkerungsgruppen, einem eigentlichen Quartierzentrum, befasste. «Für die Realisierung kommt aus Sicht der Autoren nur der Henzihof in Frage.»

Eine breite Nutzungspalette beinhaltet das Positionspapier der Studierenden ebenso wie ein dazu passendes Raumprogramm. Eine erste Studie für ein 6,5-Mio.-Projekt hatten die Verfasser sogar um 3 Mio. Franken «abgespeckt» - aber auch das war für Stadtpräsident Kurt Fluri schon etwas gar konkret (vgl. Kasten).