Fasnachts-Auftakt
Die Wasserstadt jodelnd versenkt

Die Narrenzunft Honolulu auf ihrem Umgang durch die Solothurner Altstadt.

Wolfgang Wagmann
Drucken
Teilen
Honolulu-Ober Samuel Hofer lanciert die Fasnacht im «Stephan».

Honolulu-Ober Samuel Hofer lanciert die Fasnacht im «Stephan».

Thomas Ulrich

Die 164. Generalversammlung der Narrenzunft Honolulu eröffnete Ober Samuel Hofer mit einer gehörigen Portion Selbstironie: «Schön sitter alli do – trotz em letschte Böögg vom Rolf Grau!» Und stimmte prompt ein Indianergeheul an: So töne es eben ab dem nächsten Sommer, wenn man als Stadtpräsidentin eine Rot(h)haut wähle. Aber «ig würd mi weigere, e Roti abzsetze und ihre au der Schlüssu nid zrugg gäh».

Die ersten Perlen

Es gehört schon fast zur Tradition, dass die Novizen als Erstes dem Narrenvolk im «Stephan», in der Säulenhalle, im «Roten Turm» und zu «Wirthen» vorgesetzt werden. Dass Ober Hofer jedoch den Ex-Vorstadtzünftler Patrick Zimmermann gleich als «Eigengewächs» verkaufte, na ja. Die Perle eins schlug sich wacker, blieb aber vor allem auf dem sicheren Terrain der persönlichen Vorstellung.

Skurril der Weg einer Hunderternote, die sein «Patchwork-Schwager», ein Schanzennarr, am «Wirthen»Tresen hinlegte, um ein Hotelzimmer nach einem Krach mit seiner dritten Ehefrau zu buchen. Der «Hunni» zirkulierte durch die ganze Stadt, ehe ihn der Schwager nach Versöhnung mit seiner Liebsten wieder eingesackt hatte. Immerhin war Zimmermann auch der Einzige, der das Grillbratwurst-Thema verwurstete: Jetzt bekomme sein Labrador keine solche mehr.

Samuel Hofer streifte in der Folge die seltsame Sommer-Lotterie des FC Solothurn, als die Pechvogelgewinner noch den Lospreis aufgebrummt erhielten. Einziger einigermassen adäquater Preis: der Hauptgewinn, ein Peugeot für 68 Franken.

Als «Quoten-Asylant» brachte nun der Ober mit Charlie Schmid den Ex-Hudi auf den Stuhl. Die zweite Perle glänzte mit seiner Wunschrolle als TV-Moderator mit dem von ihm kreierten Sendegefäss «Elf nach Elf». Unter anderem habe er einen Marsch für den nächsten Stadtpräsidenten Marco Lupi geschrieben: einen Trauermarsch. Und um beim Thema zu bleiben: «Dieses Jahr wird ein strenges Wahljahr. Sieben Mal müssen wir an die Urne. Und wer stirbt noch einmal mehr.» Unterhaltsam auch seine Baselditsch-Ergüsse auf der Luft-Ukulele – Schmid erntete am Schluss sogar stehenden Applaus seiner ehemaligen Zunftkollegen, der Hudibras-Chutzen. Eine sehr schöne Szene!

«Volk-lore» vom Feinsten

In der zweiten «Halbzeit spannte die halbe Zunft zur ersten Narrenzunft Volksmusig-Stubete zusammen. Beat Wyler, der Ober, dann Charlie Schmid am Örgeli und als Claqueure Bernhard Christen und Marco Lupi mit Bäri-Sennenhund und Schweizer Fahnen – hei, war das eine tolle Show! Mehrstimmig und zuletzt jodelnd und juchzend wurde so der Untergang der Wasserstadt begleitet oder Trost gespendet mit der Zunft, «wo die treit».

Dazwischen eingepackt die letzten zwei Perlen, wobei der quecksilbrige freche Silvan Studer das Finale vorwegnahm. Herrlich seine Persiflage des HESO-Säulirennens, indem er die Stallorder von Chefspeaker Harri Grunz mit der Zuteilung von Zunft-Obern als Rennferkel verfremdete. So gilt «Kuseli» vom HGL als Favorit, weil gewinnt, wer im Ziel zuerst frisst. Dummerweise brechen am Schluss Ober-Ober Wälti und sein Umzugschef das Rennen wegen etwas Wind und Regen ab.

Und damit gings ins Finale, das Polit-Ass Fabian Schäfer gehörte. Wie immer geschliffen im Wortspiel fokussierte er auf die kommenden Wahlen und insbesondere auf Kurt Fluri. So hofiere die SVP Ober Samuel, weil er es als Einziger fertiggebracht habe, Fluri abzusetzen. Dieser wiederum habe die Wasserstadt so versenkt: «Den Ivo brach er.» Länger als es den Nebel gebe, regiere Fluri schon: «Und dä verschwindet de im Frühelig nid.» Bezogen auf den «Duracell-Stadthasen» meinte Schäfer zuletzt trocken: «Und jetz machi öppis, wo der Kurt nie miech – Schluss!» Nicht ganz: Denn der Ober liess den Abend mit einer wunderschönen «Internationale» zur Fasnacht in Versform ausklingen.