Stadtbummel
Die wahre Stadt der Liebe

Seit die Sonne wieder in T-Shirt-Stärke scheint, strömen glückselig Strahlende in Scharen ins Stedtli. Erfülltes Flanieren an der Seine – das war einmal. Heute knutscht man an der Aare.

Maria Brehmer
Maria Brehmer
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Solothurnerinnen und Solothurner können auch romantisch.

Solothurnerinnen und Solothurner können auch romantisch.

Maddalena Tomazzoli

Liebes-Duell: Ja, Solothurn kann es durchaus mit Paris aufnehmen. Nicht etwa im Rennen um das spektakulärste Gebäude. Dazu sind wir viel zu bescheiden. Auch nicht, ginge es um die Qualität von Pains au Chocolat. Oder den Coolness-Faktor von Rooftop-Bars.

Durchaus aber, wenn der Vergleich die allgemeine Attraktivität der Stadt für Frischverliebte zum Gegenstand hat. Denn diese scheinen Solothurn jetzt zu ihrem neuen Place to be happy gekürt zu haben: Seit die Sonne wieder in T-Shirt-Stärke scheint, strömen glückselig Strahlende in Scharen ins Stedtli. Erfülltes Flanieren an der Seine – das war einmal. Heute knutscht man an der Aare.

Langzeit-Liebende, neulich Getraute, frisch Kennengelernte – sie sind überall! Um Frühlingsgefühle zu verbreiten, braucht man eben keinen Jardin de Luxembourg. Solothurn hat die Chantierwiese. Oder den Museumspark. Decke ausbreiten, Prosecco rausholen, Händli halten – zack, glücklich! Kein Pariser Kloakengeruch, nur süsser Fliederduft. Ein Hoch auf die Schmetterlinge im Bauch eines jeden Endorphin-Gesegneten.

Ferien-Liebe. Verliebtsein in Solothurn fühlt sich an wie die Liebe in Zeiten der Sommerferien. Hier einen Caffè freddo, da etwas Gelato, einen Sprizz an der nächsten Ecke. Der Himmel wolkenlos, Palmen vor «Suteria», «SolHeure» und am Mürli bringen Mittelmeer-Feeling, Pasta unter Platanen machen Lust auf Ferragosto auf Capri.

Diese Ruhe (und autofreien Strassen) sucht man in Paris vergebens.

Liebes-Vorbilder. Wir kennen sie. Nicht die Schlechten (wie die Borer-Fieldings). Sondern die Guten – wie Casanova. Der Ewig-Verliebte wählte schon 1760 die Stadt für einen Aufenthalt der lustvollen Art. Das Amouröse liegt Solothurn also in den Genen. Beziehungsweise im Lebenslauf. Und wer derzeit händchenhaltend durch die Gassen bummelt, der schreibt zumindest diese Geschichte weiter.

Neu-Verliebt? Dieser Zustand ist kein Glacé-Schlecken in hiesigen Tratsch-Gefilden. «Hesch gseh, die zwöi?» hört man’s an Apéro-Tischen tuscheln. Reizvolle Heimlichtuerei: unmöglich. Dazu brauchen Sie ihre Eroberung nicht etwa in der Rue de Blamage (beziehungsweise am Landhausquai) vorführen. Ein flüchtiger Kuss in der dunklen Rathausgasse reicht. Und noch bevor Sie es selber wissen, was aus Ihrer taufrischen Liebesgeschichte noch wird – Herr und Frau Solothurner wissen’s besser.

Kleinstadt-Groove versus Grossstadt-Anonymität: Dieser Punkt geht an Paris.

Was macht Solothurn zur Liebes-Stadt? Schreiben Sie es an maria.brehmer@azmedien.ch