Noch in ihrem vorübergehenden Winterquartier brüten die «Wagabunten» über neue Ansiedlungspläne. Denn nach vielen Stationen ist im Frühling auch am derzeitigen Standort des Wagenplatzes Schluss: Die Stadt hatte den fünf jungen Menschen zum zweiten Mal über die Wintermonate eine Zwischennutzung des Badi-Parkplatzes genehmigt. Und sowohl hier wie auch am vorigen Standort an der Guggershofstrasse wurde die Gruppe von der Anwohnerschaft wohlwollend aufgenommen. Doch sobald das Freibad wieder offen ist, wird die Suche nach einem neuen Standort von vorne losgehen.

Denn auch wenn der selbstgewählte Titel «Wagabunten» die Mobilität und Biegsamkeit der alternativ lebenden Zeitgenossen zum Ausdruck bringt: Ein bisschen Sesshaftigkeit und Ruhe wünschen sich auch die aus der Region stammenden Siedler zwischen 22 und 28 Jahren. «Wir sind schon seit Längerem auf der Suche nach einem brachliegenden Platz, um mit dem Besitzer einen Zwischennutzungsvertrag auszuhandeln» – gemeint ist damit aber eine Nutzung, die sich nicht nur über wenige Wintermonate erstreckt, sondern idealerweise über mehrere Jahre.

Mehrere geeignete Plätze

So richten sich die «Wagabunten» nur mit ihrem Anliegen an den Kanton und liebäugeln mit dem Borregaard-Areal südlich der Aare, das sich auf Luterbacher Boden befindet. Ein «optimaler Standort», wie im Schreiben an das Amt für Raumplanung zu lesen ist. Dabei haben die Wagenplatz-Bewohner die Entwicklung seit der Borregaard-Fabrikschliessung mitverfolgt. Im Norden soll über einen Zeithorizont von zwei bis drei Jahrzehnten ein Mix aus Wohnen, Freizeit und Gewerbe entstehen, südlich der Aare hingegen eine Industriezone mit Cleantech- und Energiebetrieben. Wie aus den öffentlichen Plänen ersichtlich sei, gebe es auf der grössten eingezonten Industriebrache der Schweiz «mehrere Orte, wo der Wagenplatz und die (auch intensiven) Bauten problemlos Platz finden.»

Ein besonderes Interesse habe das Borregaard-Gebiet aus mehreren Gründen geweckt: grossflächig brachliegend und keine unmittelbare Nachbarschaft, die sich gestört fühlen könnte, und es sei voraussehbar, in welcher Weise das Areal in den nächsten zehn Jahren genutzt werde. Ausserdem sei es mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossen. «Wir haben das Areal bereits besichtigt und fanden einige Standorte, die die Kriterien erfüllen», lassen die «Wagabunten» wissen. Für ihren Wagenplatz, bestehend aus mehreren Bau- und Wohnwagen, benötigen sie rund 900 Quadratmeter und dies über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren, zumindest bis die Fläche wieder gebraucht wird.

Stadt evaluiert selbst Standorte

Am Montag traf das Schreiben bei der kantonalen Verwaltung ein, womit das Anliegen der «Wagabunten» nun geprüft wird. «Es wird mit dem Hochbauamt besprochen», ist aus dem Amt für Raumplanung zu vernehmen. Tatsächlich befindet sich ein überwiegender Teil des Südareals im Kantonsbesitz. Wann genau die städtisch genehmigte Zwischennutzung endet, steht noch aus. Gemäss Stadtpräsident Kurt Fluri sei die «Evaluation eines neuen, von den Bewohnern selbst vorgeschlagenen Standorts» noch offen.

Bereits im November hatte Fluri von Ideen gesprochen, die für eine geeignete Wagendorf-Lösung am Reifen seien. Die späteste Frist ist aber mit der Badieröffnung bereits gesetzt. Diese ist laut Stadtschreiber Hansjörg Boll noch nicht festgelegt und abhängig von der Witterung – mutmasslich aber um den 10. Mai. Dass die jungen Menschen indes ihre selbst gewählte Lebensart ungeachtet der Standortfrage weiterführen, bekunden sie selbstbewusst auf einem Transparent auf dem Badi-Parkplatz gleich selbst: «Ihr könnt uns bis ans Ende der Welt treiben, doch zum Glück ist die Welt eine Kugel.»

So leben die "Wagabunten" in Solothurn