Auf einem Spaziergang entlang der Fernwärmeleitung erläutert Stefan Schluep, Leiter Netze, Wasser und Fernwärme bei der Regio Energie Solothurn, wie die Verbrennungswärme der Kebag in sauberer Form ihren Weg in die Haushalte findet.

9000 Kilowatt an Heizleistung erbringt die Leitung, über 1000 durchschnittliche Haushalte lassen sich so versorgen. Zwischen 90 und 120 Grad Celsius heiss ist das Wasser, wenn es die Kehrichtverbrennungsanlage verlässt, mit unter 55 Grad kehrt es via Rückleitung an den Ursprungsort zurück.

Eine dicke Isolationsschicht umschliesst die bis 15 Zentimeter dicken Stahlrohre. So gehen lediglich bis zehn Prozent der Energie unterwegs verloren. Und noch mehr Technik steckt in den Rohren: Elektrische Drähte sorgen dafür, dass undichte Stellen fast schon auf den Meter genau geortet werden können.

Herausforderung Fernwärme

Die Kälte stellt den Graben- und Leitungsbau vor Herausforderungen: Ein gefrorener Boden verunmöglicht die Tiefbauarbeiten. Und seitens Rohrbau ist es ab einer gewissen Temperatur nicht mehr möglich, Rohre zusammenzuschweissen und an diesen Stellen Isolationsschaum anzubringen.

Doch bis es so weit ist, wird fleissig weitergearbeitet. Hier spielen Tief- und Rohrbau einander in die Hände. Damit die Leitungen übrigens an Ort und Stelle bleiben, werden sie vor dem Schliessen der Gräben thermisch vorgespannt: Das heisst, man erhitzt sie, damit sie sich ausdehnen. Nach dem Zuschütten können sie sich nicht mehr zusammenziehen, weil sie das Erdreich wie in einem Schraubstock hält. An Abbiegungen werden zudem Dehnkissen montiert, die den Ausdehnungsdruck der Rohre auffangen.

Polier Perfecto Gomez findet es die ideale Jahreszeit für solche Arbeiten: «Im Herbst und Frühling ist es am Angenehmsten.» Im Unteren Winkel schliesst sich gerade eine Fernwärmegrube. «Leider haben wir beim Graben kein Gold gefunden», meint er schmunzelnd. Damit spielt er auf Funde an der Berntorstrasse an: Mauerreste des mittelalterlichen Berntors waren im April bei Leitungsarbeiten zum Vorschein gekommen. «Was da für Überraschungen im Boden sind!» Andere Überraschungen - wie ein Bündel bestehender Leitungen - haben es an dieser Baustelle nötig gemacht, die Leitung unters Trottoir zu verlegen. «Das ist unbeliebt, denn der Steinabschluss zur Strasse ist kostspielig», sagt Schluep. Ganz zu schweigen von den Hindernissen, die den Anwohnern im Weg stehen. Doch Schluep winkt ab: «Zu ihnen pflegen wir gute Kontakte. Nur selten gelangen Reklamationen an uns.»

«Slalom» im Untergrund

Ein anderer «Chnorz» weiter nördlich: Am Brückenkopf der Wengibrücke vollzieht die bereits geschlossene Leitung unter dem Asphalt einen Slalom - dies wegen Betonelementen, die zur Stärkung des Brückenkörpers in den Boden eingelassen sind. «Dabei versuchen wir, so wenig Abbiegungen wie möglich einzuplanen.»

Auch auf andere Überraschungen muss man sich beim Fernwärmebau - wie sonst beim Tiefbau - stets gefasst machen: «Früher wurden ausser Betrieb genommene Leitungen oft einfach zugeschüttet. Sie verschwanden zwar von den Plänen, aber nicht aus dem Boden.» So weit möglich wird deshalb in problematischen Zonen vorsondiert und: «Den Hindernissen weichen wir nicht seitwärts aus. Man schaut, wie diese über- oder unterquert werden können.»

Zum Leitungsbau zählen auch die Leitungen zu den einzelnen Wärmeabnehmern. Und es werden stetig mehr: «Die Leute glauben erst dran, dass die Fernwärme kommt, wenn wir schon am Bauen sind», so Schluep. Auf «Verdacht» hin werden aber keine Gräben offengelassen, nur weil potenzielle Neukunden folgen könnten. Die Hausanschlüsse können auch später angebracht werden: Dabei wird die Hauptleitung angebohrt, nachdem an der geplanten Bohrstelle ein dichter Aufsatz montiert wurde. «Mit dieser Technik können wir im laufenden Betrieb die Hausanschlüsse erstellen - ohne wie früher die Leitung streckenweise abzuschotten.»

Letzte Etappe im Frühling

Auf Höhe Sphinxmatte gelangt die Fernwärmeleitung an ihr derzeitiges Ende. Noch liegen die Rohre hier gedeckelt im Graben. «Wir sind im Zeitplan, auch wenn wir bestrebt sind, noch schneller zu sein.» Dennoch: In Anbetracht der kälter werdenden Tage wird die letzte Etappe zum Fegetzschulhaus und zur Kanti einerseits und zum Kapuzinerkloster andererseits nächsten Frühling angegangen.