Stadt Solothurn
Die Vorstadt zeigt auf Entdeckungsreise ihre Vielfältigkeit

Der traditionelle Vorstadt-Rundgang lockte wieder rund 100 Interessierte auf einen Tour d’Horizon durch das Quartier im Wandel.

Andreas Kaufmann
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Rundgang durch die Solothurner Vorstadt
18 Bilder
Blick ins erste Obergeschoss des Rosengarten-Coops, wo ab 2022 das Amt für Bildung und Kultur einziehen soll.
Hier befand sich einst das Coop-Restaurant.
Zeiterfassung von anno dazumal - beim ehemaligen Coop-Restaurant
André Grolimund, Chef des Amts für Gemeinden, das heute im «Prison» seine Büroräumlichkeiten hat
Blick in eine der damaligen Gefängniszellen
Die Aussenwand des Prisons war Teil der Schanze, deswegen finden sich hier zugemauerte Schiessscharten
Zwischenhalt bei der ehemaligen Oetterli-Rösterei. Das Gebäude soll abgerissen werden.
Martin Gurtner hat die Liegenschaft von 1580 gekauft, wo sich der «Bewegungsraum befand»
Stopp bei Maia Beetschen, die ihren «Heurigen» am Unteren Winkel aufgibt, und dafür gegenüber ihr «Weinstüberl» eröffnet
Neues Gesicht in der «Grüeni Chuchi»: Inhaber Stephan Linder
Im Innenhof des «Haus Capitol». Hier sind Wohnwelten am Entstehen
Die ehemalige Beizli Bar wird durch Aaron Neuenhaus neu bespielt: Hier entsteht ein Veloladen
Sue Laubscher präsentiert in der «Blauen Post» ihr Sportangebot «City Circle Solothurn»
Geschäftsführer Philipp Keel über die Vorzüge des Velolieferdienstes «Collectors»
Brigitte Landolt, Mitarbeiterin von Bettina Rust, die im Bahnhofgebäude neu ein Blumenatelier führt
Gelungener Abschluss des Rundgangs im Event- und Gastrolokal «Maxililian», allerdings etwas ausserhalb der Grenzen des Quartiers – und der Stadt...
Der idyllische Aussenbereich von «Maxililian»

Rundgang durch die Solothurner Vorstadt

Andreas Kaufmann

Der Anblick ist längst bekannt: Eine Hundertschaft wandert in Gruppen durch die Vorstadt, neugierig, was sich hinter Türen befindet, die sonst nicht für jedermann offenstehen. Welche Betriebe mussten anderen weichen? Wo wächst ein neues Gewerbepflänzchen heran? Und ganz allgemein: Was hat sich in der Vorstadt im vergangenen Jahr geändert?

«Vieles» – ist die Antwort, die jedes Mal herauskommt. Auch heuer, am fünften Rundgang der Vereinigung Pro Vorstadt unter Federführung von Präsident Martin Tschumi.

Wie ist das Arbeiten «hinter Gittern»?

Den Vorgeschmack auf ein Grossprojekt erwartet die interessierten Teilnehmer im «Rosengarten». Hier startet heuer die Gesamtsanierung des Gebäudes für den Einzug des kantonalen Departements für Bildung und Kultur, wie Jörg Kreienbühl vom Hochbauamt erläutert. Der Umbau soll bis 2022 abgeschlossen sein. Interessant aber auch der Blick in die Vergangenheit der heute verlassenen Räumlichkeiten: beispielsweise ins ehemalige Coop-Restaurant im ersten Stock.

Bereits viel länger ist das kantonale Amt für Gemeinden in der Vorstadt daheim, mitunter im ehemaligen Untersuchungsgefängnis an der Prisongasse. «Wie arbeitet es sich hinter vergitterten Fenstern?», fragt Amtschef André Grolimund in die Runde. «Sehr gut», antwortet er gleich selbst, da man mit der Inneneinrichtung eine Arbeitsatmosphäre geschaffen habe. Bedrückend hingegen der Blick in die einzelnen früheren Zellen des «Prison», die nicht als Büroräume genutzt werden und auch nicht genutzt werden könnten.

Aus dem «Heurigen» wird ein «Weinstüberl»

Gleich nebenan, am Unteren Winkel, warten Neuigkeiten auf die Rundgänger. Der ehemalige Bewegungsraum von Catherine Rihs, die neu an der Wengistrasse 27 zu finden ist, steht leer – und stand schon leer, als Martin Gurtner die Liegenschaft von 1580 kaufte. «Hier war früher eine Wagenbauschmiede», weiss der Sanitärmeister. Doch wer zieht im Erdgeschoss neu ein? «Ich hatte Anfragen für Tapasbars, Whisky- oder Bierbrauereien, für ein neues Tanzlokal oder einen Pilates-Kursraum.» Wer in die Kränze kommt, ist noch nicht entschieden.

Neuigkeiten auch wenige Schritte entfernt bei Maia Beetschen. Ihr «Heuriger» zieht per 11. Oktober in die Ladenfläche vis à vis in die Hausnummer 11 und wird zum «Weinstüberl». Der Verkauf österreichischer Weine soll noch stärker im Zentrum stehen, erklärt ihr mitbeteiligter Sohn Christian Wyss. «Aber auch Jausen oder Sachertorte wirds geben.»

Ein neues Gesicht begrüsst die Rundgänger in der «Grüeni Chuchi». Dort hat Stephan Linder als Inhaber übernommen: Neben der Bio-Qualität und der Orientierung an veganen Produkten streicht er auch den verpackungsfreien Einkauf hervor: «Die Leute kommen tatsächlich mit Tupperware, Gläsli und Säckli vorbei, um ihre Ware selbst abzufüllen.»

Rotlicht macht Platz für mediterranes Wohnen

Im «Haus Capitol» an der Berntorstrasse tat sich bereits im vergangenen Jahr einiges: Das ehemalige Rotlicht-Etablissement ist gewichen, entstanden ist ein Wohn- und Geschäftshaus: Ein mediterraner Innenhof bildet das Kernstück, dazu gehören drei Studios, sieben Wohnungen, Gemeinschaftsräume sowie Gewerberäume, in denen bereits Geschäfte für Gesundheitsmassage und Kosmetik eingemietet sind.

Und die Baumulden vor der ehemaligen «Beizli Bar» deuten ebenso frischen Wind an. «Ich habe oft gedacht, dass ein Veloladen in dieser Ecke noch fehlt», sagt dazu Martin Tschumi. Rein zufällig ist als Interessent Aaron Neuenhaus auf die leerstehende Fläche gestossen und hat rasch den Mietvertrag unterzeichnet, um hier einen Veloladen zu eröffnen. Als Nachfolgelösung für sein bisheriges Velogeschäft in Nennigkofen, wie der Werklehrer ausführt.

Sportlich zu und her gehts auch im Untergeschoss der «Blauen Post». Hier ist Sue Laubscher mit «City Circle Solothurn» aktiv. Durch verschiedene Gruppentrainings in- und outdoor hält sich diese Gemeinschaft fit, so Laubscher.

In «Weisch no?»-Momente eintauchen

Ein weiterer «Cluster», den die Entdecker auf ihrem Rundgang ansteuern, ist der Hauptbahnhof, den man auch noch zur Vorstadt zählen darf. Hier stellt Philipp Keel, Geschäftsführer von «Collectors», den sozial und ökologisch nachhaltigen Velolieferdienst vor. «Manchmal ist die Ware, die der Kunde im Geschäft kauft und liefern lässt, schneller daheim als er selbst», weiss Keel.

Blumenduft weht den Entdeckern im Bahnhofsgebäude gleich neben dem «Spettacolo» entgegen: Hier hat sich aus der Blumendynastie Rust aus der fünften Generation die Floristin Bettina Rust nach vielen anderen Wegmarken ihren Traum eines Blumen-Ateliers verwirklichen können, erklärt Mitarbeiterin Brigitte Landolt.

Und zwischen den Posten? Da wird der Nostalgia gefrönt, werden in «Weisch no?»-Manier Erinnerungen ausgetauscht, damals, als man da noch einen Umweg gehen musste, und dort an der Hauptbahnhofstrasse, wo «anno tubak» noch prächtige «Cheschteleböim» standen, die man irgendwann abgeholzt hat. Schwelgen, entdecken, sich aufregen. All das gehört zur Tradition des Vorstadt-Rundgangs.

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