Solothurn
Die Vorstadt als Spiegel der Krisen unserer Zeit

Trotz garstigen Wetters war die Vorstädterchilbi wiederum ein stimmungsvoller Anlass. Wie die Vorstadt als Spiegel im Kleinen für die grossen heutigen Krisen gesehen werden kann, stellte Nationalrat Pirmin Bischof in einer zündenden Rede dar.

Mark A. Herzig
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 Vorstädter Chilbi mit Vortänzerpaar Erich und Beatrice Ritter. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
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 Vorstädter Chilbi: Urchig und gemütlich. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Auch an historischem Gehalt lässt man es nicht mangeln. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Die Vorstädter Chilbi trägt Geschichte in sich. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Zusammen ein Tänzchen wagen. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Auch die Kleinen sind in Montur dabei. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Musik und Tanz auf dem Rossmarktplatz. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
Impressionen der Vorstädter Chilbi
 Vorstädter Chilbi: Auch die Kleinen sind in Montur dabei. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Auch an historischem Gehalt lässt man es nicht mangeln. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Erfrischendes und Geselliges. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Ein Tänzchen in Ehren. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Zusammen ein Tänzchen wagen. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Zusammen ein Tänzchen wagen. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Auch die Kleinen sind in Montur dabei. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Die Vorstädter Chilbi trägt Geschichte in sich. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Musik und Tanz auf dem Rossmarktplatz. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Mit Farbenpracht wurde nicht gegeizt. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Eindrucksvolle Kostüme. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Die Vorstädter Chilbi trägt Geschichte in sich. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Zusammen ein Tänzchen wagen. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Zusammen ein Tänzchen wagen. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Die Vorstädter Chilbi trägt Geschichte in sich. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Zusammen ein Tänzchen wagen. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)
 Vorstädter Chilbi: Zusammen ein Tänzchen wagen. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)

Vorstädter Chilbi mit Vortänzerpaar Erich und Beatrice Ritter. (Fotos: Manuela Jäggi-Wyss)

Solothurner Zeitung

Wie die Vorstadt als Spiegel im Kleinen für die grossen heutigen Krisen gesehen werden kann, stellte Nationalrat Pirmin Bischof in einem zündenden Toast aufs Vaterland an der Vorstädterchilbi der St.-Margrithen-Bruderschaft dar. Er sparte dabei nicht mit ironischer Kritik an der grossen und kleinen Politik.

Mächtig hallt Pater Alberik Zwyssigs Schweizerpsalm, seit 50 Jahren unsere Nationalhymne, durch die Spitalkirche. Er schliesst traditionell den Festgottesdienst zur Vorstädterchilbi, den der Domchor St. Urs mitgestaltet. Abt Lukas Schenker (Mariastein) hat die Predigt gehalten und die Messe zelebriert. Die Chilbi kann jetzt also richtig beginnen.

Ehrenprediger spricht Gebet

Während Vorstand, Ehrenbrüder und Offizielle im Bürgerspital ihre Aufwartung machen, beginnen in der «minderen Stadt» die andern Brüder und Schwestern auch mit dem Feiern. Festlich gewandet zieht man von Taverne zu Taverne – angesichts geöffneter Himmelsschleusen etwas eiliger als sonst. Bald schon steigen die Honoratioren wieder herab, um sich unters Volk zu mischen.

Damit findet der Chilbivormittag seinen Abschluss, und die Brüder versammeln sich zum Bruderschaftsmahl im Festsaal des Alten Spitals, begrüsst von der Kapelle Gebrüder Reber mit dem Chilbimarsch. Der Ehrenprediger spricht das Tischgebet, nach der Vorspeise begrüsst Obmann Claude Tschanz die Anwesenden und ehrt nach der traditionellen Suppe die Verstorbenen. Er mahnt, standhaft zu bleiben wie die Solothurner in Dornach, und er erinnert eindringlich daran, dass man an diesem Tag, der am nächsten zum Schlachttag liegt, auch der gefallenen Feinde gedenke.

Grosses Krisenszenario im Kleinen

Die vaterländische Ansprache hielt Nationalrat Pirmin Bischof. In der Vorstadt geboren und dort mit seinem ersten Anwaltsbüro beheimatet gewesen, könne er einen gewissen Unmut verstehen: «Alles Ungeliebte mit zweifelhaftem Ruf wurde in die Vorstadt abgeschoben – früher wie heute.»

Alles in der Krise? Armee, Finanzen, Energie? Bundesrat Maurer will die beste Armee – der mangelt es an Geld und auch an Moral. Wir jedoch haben sieben Geschütze auf der Krummturmschanze: je eins gerichtet nach Libyen, Brüssel und New York und viere nach Bern. Bischof sieht auch schon eine SVP-Volksinitiative «7 Kanonen in den Bundesrat».

Energiekrise? «In der Vorstadt gibt es Fernwärme und für alle Strom aus der Dose.» Bischof ging mit der Politik hart ins Gericht. Zur Energiefrage meinte er weiter: «Was ist in Politik vorhanden? Viel Wind, Dampf und warme Luft. Lasst uns daraus Energie gewinnen.»

Finanzkrise? Von 22 Positionen mit zusammen 13,5 Mio. Franken der städtischen Kulturausgaben geht nur eine in die Vorstadt. Von 351 städtischen Angestellten (ohne Lehrpersonen) sind 6,5 für die Vorstadt eingesetzt: je zwei Wegmacher und Feuerwehrmänner sowie 1,5 Stadtpolizisten. Bischof forderte augenzwinkernd eine Sonderwirtschaftszone Vorstadt mit 50% Steuerfuss; damit liege man unter Feldbrunnen und Kammersrohr und zwischen Zug und Cayman Islands. Fazit: «Verlassen wir die kleinliche Art von Politik und fassen wieder mehr Selbstvertrauen!»

1173 Franken für den Vortanz

Mit dem Schlachtbericht von Robert Glutz-Blotzheim, vorgetragen von Cancellarius Franz Gamper, dem Bruderschaftslied und dem Protokoll der Chilbi 2010 ging der ernsthafte in den spannenden Teil des Nachmittags über.

Mittels amerikanischer Versteigerung wurde das neue Vortänzerpaar gesucht. Nach heftigem Bietgefecht unter Bieter Daniel Ritschard fiel der Zuschlag bei 1173 Franken auf Erich Ritter-Bläsi und Ehefrau Beatrice. Sie machten sich alsogleich daran, dieses «Amt» auszuüben– allerdings auf dem Rossmarktplatz, damit beim nächsten Regenguss wenigstens die Instrumente unter den Lauben trocken blieben.