Kapuzinerkloster Solothurn
Die Vebo prüft den Einstieg ins «Klosterhotel»

Pläne für die künftige Nutzung des Kapuzinerklosters in Solothurn werden gewälzt. Der Kanton als Eigentümer der idyllischen Anlage hat sich aber bisher für kein Projekt und keine Idee richtig erwärmen können. Könnte die Vebo das ändern?

Urs Mathys
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Das Kapuzinerkloster Solothurn könnte ein Klosterhotel werden.

Das Kapuzinerkloster Solothurn könnte ein Klosterhotel werden.

Oliver Menge

Steigt die Vebo in das Projekt «Klosterhotel» im Solothurner Kapuzinerkloster ein? Als sogenanntes «Integrationshotel», das auch Menschen mit Behinderung beschäftigt, würde das Projekt bestens ins Portfolio der Genossenschaft passen. Der Vebo-Direktor bestätigt auf Anfrage entsprechende Abklärungen. Und: Bis Mitte Jahr soll entschieden werden.

Seit Jahren wälzen die privaten Initianten Mario Tonet (Olten) und Peter Fritschi (Wangen bei Olten) das Projekt «Klosterhotel». Eine der Haupthürden bisher: Die Initianten müssten unter anderem die Zusage erhalten, dass ihnen vom Kanton und der Invalidenversicherung 30 bis 35 geschützte, das heisst subventionierte Arbeitsplätze zugesprochen werden. Der klamme Kanton hat allerdings aus finanziellen Gründen kein Interesse an einer solchen Mengenausweitung. Entsprechend warteten die Initianten seit zwei Jahren auf die Zusage der Behörden, die ihnen auch den Weg zur Sponsorensuche hätte ebnen sollen.

Diversifikation der Arbeitsplätze

Durchaus ein Interesse hätten der Kanton und die Invalidenversicherung dagegen an einer Ausweitung der Branchen-Palette der geschützten Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Denn diese stehen heute mit wenigen Ausnahmen fast alle in mechanischen Werkstätten zur Verfügung. Deshalb lag es nahe, dass das Departement des Innern die «Klosterhotel»-Initianten nach einigem Hin und Her schliesslich an die Genossenschaft Vebo verwies.

Der Vorteil der Vebo, der Solothurnischen Eingliederungsstätte für Behinderte Oensingen, liegt auf der Hand: Diese verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen im Bereich der beruflichen und sozialen Integration von Behinderten. Sie hat mit über 1'100 «integrativen Arbeitsplätzen» das weitaus grösste Kontingent von Stellen, die im Kanton für Menschen angeboten werden, die in der regulären Arbeitswelt wenig oder keine Chance haben. Und die Vebo könnte für das Projekt aus ihrem Kontingent jene integrativen Arbeitsplätze abzweigen, ohne die das «Klosterhotel» nicht zum Fliegen kommt.

Vorentscheid bis Mitte Jahr

Inzwischen haben sich die Initianten Fritschi und Tonet mit den Vebo-Verantwortlichen getroffen, wie Gilbert W. Giger, Direktor der Vebo-Genossenschaft, auf Anfrage bestätigt. Eine Vorstudie sei in Arbeit: «Wir prüfen, ob wir bei diesem Projekt einsteigen wollen.»

Denkbar sei, dass die Vebo die nötigen Investitionen für den Ausbau des Klosters zum Hotel tätige. «Entscheidend ist letztlich, dass der Betrieb die Kosten trägt», macht Giger die zentrale Bedingung für ein Engagement klar. Dem Kanton – als Klosterbesitzer und Subventionsgeber für die geschützten Arbeitsplätze – dürften sicher keine zusätzlichen Ausgaben erwachsen.

Das «Klosterhotel», mit Beschäftigungsmöglichkeiten im Dienstleistungssektor (Hausdienst, Küche usw.), würde durchaus ins Portfolio der Vebo passen und zum willkommenen Ausbau des Spektrums angebotener Beschäftigungen beitragen, bestätigt der Vebo-Direktor. Giger geht davon aus, dass «noch in der ersten Jahreshälfte» der Entscheid gefällt werden soll, «ob das Projekt weiterverfolgt wird – oder eben nicht».

Auf die Absicht der Vebo-Verantwortlichen, sich neuen Tätigkeitsfeldern zuzuwenden, deutet auch eine Statutenänderung, die an der jüngsten Generalversammlung der Genossenschaft beschlossen worden ist: Der Zweckartikel wurde in dem Sinne abgeändert, dass zu den bisherigen Rechten neu auch «die Errichtung von Zweigniederlassungen im In- und Ausland sowie die Beteiligung an sowie das Erwerben von anderen Gesellschaften» hinzukam.

Die Genossenschaft Vebo ist als Industrie-Zulieferin und bei der Betreuung von Erwachsenen nicht irgendwer: Sie verzeichnete 2015 mit einem Nettoerlös von 73 Mio. Franken (Vorjahr 75 Mio.), einem Betriebsaufwand inklusive Abschreibungen von 73 Mio. (74 Mio.) und bei Rückstellungen von 1 Mio. Franken (1 Mio.) für bauliche Erneuerungen einen Verlust von 1 Mio. Franken. Per Ende 2015 beschäftigte die Vebo 1'666 behinderte und nicht behinderte Personen, was 1'402 Vollzeitstellen entspricht.

«Charmante Herberge auf 3-Sterne-Niveau»

Eine «einfache, aber charmante Herberge auf 3-Sterne-Niveau», die «Qualität und Gastlichkeit mit einem gemeinnützigen Anspruch verbindet»: Dies ist die Idee der beiden Initianten Peter Fritschi (Fritschi Beteiligungen AG, Wangen bei Olten) und Mario Tonet (Tonet Foundraising & Marketing, Olten). Umsetzen wollen sie das Projekt im ehemaligen Kapuzinerkloster in Solothurn, das seit März 2003 leer steht. Das am Altstadtrand gelegene 400-jährige Gemäuer soll in einen integrativen Hotel- und Gastrobetrieb umgewandelt werden, der auch Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Handicap anbietet. Vorbild sind ähnliche Hotelbetriebe, die bereits in St. Gallen («Dom») und Basel («Breite») funktionieren. Für die vorgesehene zurückhaltende Renovation rechnen die Initianten mit Kosten von 10,5 Mio. Franken, die zu einem grossen Teil mit Spenden- und Sponsorengeldern finanziert werden sollen. Im kantonalen Baudepartement, das Jahr für Jahr die nötigsten Instandhaltungsarbeiten veranlasst, schätzt man allerdings die nötigen Investitionen auf gut und gerne 30 Mio. Franken. Entsprechend zurückhaltend gab sich der Kanton auch dem Hotelprojekt gegenüber. Dies in der Hoffnung, dass irgendeinmal doch noch der erhoffte «solvente Käufer» auftauchen würde. (ums.)

Kloster als Asylzentrum

Vorübergehende Verwendung kein Hindernis für Projekt

Auf der Suche nach möglichen Liegenschaften für die Unterbringung von Asylsuchenden hat das kantonale Amt für Soziale Sicherheit (ASO) auch das leerstehende Kapuzinerkloster auf dem Radar. Dieses figuriere als eines von diversen Objekten auf einer Liste, hiess es beim ASO auf Anfrage wiederholt. Ende März dieses Jahres wurde vom kantonalen Baudepartement dann aber ein Umnutzungsgesuch in Aussicht gestellt. Mit diesem solle der juristische Weg dafür geebnet werden, damit bei Bedarf zumindest im Erdgeschoss des Klosters Flüchtlinge – rund 70 an der Zahl – untergebracht werden könnten. Dies für den Fall, dass der Zustrom von Asylsuchenden sich in der kommenden wärmeren Jahreszeit wieder deutlich verstärken sollte. Eine vorübergehende Nutzung des Klosters als Asylunterkunft wäre in den Augen von Mitinitiant Mario Tonet kein Hindernis für die Weiterentwicklung des «Klosterhotel»-Projektes. Bis zur Sicherstellung der Finanzierung und dem Vorliegen baureifer Pläne, der entsprechenden Bewilligungen usw. würde eh noch einige Zeit verstreichen. Zumindest in dieser Phase könnte der Kanton das Kloster also auch weiterhin für andere Zwecke verwenden. (ums.)