Solothurn
Die Theateraufführung fällt weg – «aber wir feiern dennoch Weihnachten»

Das Zentrum für Kinder mit Sinnes- und Körperbeeinträchtigung (ZKSK) führt dieses Jahr keine öffentliche Theateraufführung auf. Die Betriebsleiterin blickt auf das spezielle Jahr zurück.

Gundi Klemm
Merken
Drucken
Teilen
Eine Szene aus dem Weihnachtsspiel 2018. (Archiv)

Eine Szene aus dem Weihnachtsspiel 2018. (Archiv)

michelluethi.ch

Der letzte Donnerstag in der Woche vor Heiligabend war seit Jahrzehnten für die Weihnachtsfeier in Schulheim und Internat für Heranwachsende mit einer gesundheitlichen Einschränkung reserviert. Das heutige ZKSK liegt hinter dem Bürgerspital und verfügte schon immer über theater- und musikpädagogisch begeisterte Mitarbeitende, die mit ihren 70 Schülerinnen und Schülern alljährlich eine Weihnachtsgeschichte erfanden und aufführten.

Auch Personen, die keinen unmittelbaren Bezug zum ZKSK hatten, besuchten diese Anlässe, weil hier Bühnenspiele mit einer liebevollen Zärtlichkeit erzählt wurden.

Dank Schutzmassnahmen keine Coronafälle

«Leider ist in diesem Jahr alles anders», sagt ZKSK-Geschäftsführerin Christine Bigolin: «Aber Weihnachten werden wir dennoch feiern.» Gemeinsam habe man ein Programm ohne Durchmischung der Schulstufe entwickelt und für den Freitag eine Aktivitätenfolge für den Innenhof erarbeitet. «Alle Kinder und Jugendlichen können aus ihren Schulzimmern wie in einer Arena hinausblicken und so am gemeinsamen Erlebnis teilhaben», erklärt sie.

Auch ein weihnachtlicher Film, den alle Jugendlichen in ihren Gruppen sehen können, werde dieses Gemeinschaftsgefühl verstärken. «Wir haben bisher dank strengen und umfassenden Hygienekonzepten keinen Corona-Ausbruch in unserer Institution verzeichnet», sagt die Bigolin erleichtert. Einige Kinder hätten sich hin und wieder in Quarantäne befunden. «Ein Bangen bei uns Verantwortlichen bleibt.»

Kantonaler Sozialpreis für Integrationsarbeit

Das ZKSK umfasst als Schul- und Therapiezentrum die Standorte Schöngrünstrasse hinter dem Spital, den Therapiestützpunkt Werkhofstrasse und den ehemaligen Therapiestandort «Kind im Zentrum» an der Solothurnstrasse in Oensingen. 120 Angestellte der verschiedensten pädagogisch-therapeutischen Disziplinen sorgen in 72 Vollzeitstellen dafür, dass ihren Schützlingen der Start ins möglichst selbstbestimmte Leben gelingen kann. Der diesjährige Tätigkeitsbericht legt den Schwerpunkt auf die Beteiligung von 20 Praktikumsbetrieben, die sich einmal wöchentlich Jugendlichen ab der 8. Klasse widmen.

Ziel der «Vorschnupperzeit» ist, dass die Jugendlichen vor den eigentlichen Praktika in den Betrieben erkennen können, für welche berufliche Tätigkeit sie sich eignen. Der im November 2019 überreichte Kantonale Sozialpreis würdigte die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und der Institution, die realistische Anschlusslösungen für alle Betreuten vor dem Schulaustritt anstrebt. Im letzten Sommer ging der Weg für Absolventinnen und Absolventen der Schule beispielsweise weiter in Ausbildungen als Küchenmitarbeiter, Praktiker in Betriebsunterhalt und Malerei, in Betreuungsaufgaben, auf weiterführende Schulen oder in einem Berufswahljahr.

Somit werde, laut Bigolin, der Leitsatz des ZKSK gelebt, der sich der persönlichen, sozialen, gesellschaftlichen, schulischen und vor allem auch beruflichen Förderung und Integration von jungen Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung verpflichtet.

Neben der eigenen Schuljugend begleiten Fachpersonen des ZKSK auch 45 Heranwachsende durch den Unterricht in Regelschulen.

Ein Beispiel auch für andere Kantone

Was die Solothurnische Stiftung Schulheim für körperbehinderte Kinder ins Leben rief, hat sich als wichtiger Träger von Bildung und Betreuung weit über den Kanton hinaus etabliert. In Stiftungs- und Verwaltungsrat wirken Persönlichkeiten, die mit Fachwissen und Verantwortung diese Aufgabe des Gemeinwohls vorantreiben. Dazu zählten in den Jahren im Zusammenspiel mit dem Kanton Solothurn immer wieder Sanierungen, Erweiterungen und Neubauten.

Seit 20 Jahren gehört Geschäftsführerin Christine Bigolin mit zum Team, zuerst in der Leitung der Therapiestation an der Werkhofstrasse und seit 2009 als Geschäftsführerin des ZKSK. Gemeinsam mit den Vorständen von Verwaltungsrat und Stiftungsrat plante sie die Fusionen mit der Oensinger Schwesterorganisation «Kind im Zentrum» (KiZ) und die wichtigen Angebotserweiterungen durch audio- und visiopädagogische Dienste. Im kommenden Sommer wird sie pensioniert und weiss die Fortführung ihrer Arbeit in den Händen der Doppelspitze Christoph Büschi und Silvan Riccio.

Die Meilensteine der ZKSK AG

Die Meilensteine der ZKSK AG

1955 wurden dank Elternvereine Behandlungsstellen für bewegungsgestörte Kinder und Sonderschulen für körperbeeinträchtigte Kinder und Jugend liche eröffnet.

1960 war es mit der Einführung der Invalidenversicherung möglich, staatliche Mittel zu erhalten. Im selben Jahr eröffnete die Elternvereinigung für cerebral gelähmte Kinder gemeinsam mit dem Arzt Arnold Thalmann die Beratungs- und Behandlungsstelle CP-Zentrum

1962 initiierten Dieter und Erika Strub aus Oberdorf ein Initiativkomitee.

1965 wurde die Solothurnischen Stiftung für das CP-Kind mit Ziel der Schaffung einer behindertengerechten Sonderschule gegründet.

1977 wurde das Schulheim für körperbehinderte Kinder eröffnet.

2009 schlossen sich Schulheim und CP-Zentrum zum Zentrum für körper- und sinnesbehinderte Kinder zusammen.

2015 Auftrag des Kantons Solothurn, in Oensingen ein kantonales Angebot für seh- und hörbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche aufzubauen. Dazu erwarb die Stiftung das Schulheim DKIZ AG in Oensingen.

2017 Fusion der beiden Aktiengesellschaften: ZKSK und DKIZ zu Zentrum für Kinder mit Sinnes- und Körperbeeinträchtigung ZKSK AG. (mgt)